Coronavirus

Dreieich mit Herz: Fast 300 Menschen wollen helfen

In Dreieich hat sich die Gruppe „Dreieich mit Herz“ gegründet, um Risikopatienten in der Corona-Krise zu unterstützen. (Symbolbild)
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In Dreieich hat sich die Gruppe „Dreieich mit Herz“ gegründet, um Risikopatienten in der Corona-Krise zu unterstützen. (Symbolbild)

Covid-19 bremst das öffentliche Leben aus. Das Coronavirus fördert aber auch eine Welle der Solidarität zutage. Immer mehr Menschen in Dreieich erklären sich bereit, für ältere Bürger oder Risikopatienten Einkäufe zu übernehmen, Medikamente aus der Apotheke zu holen oder mit dem Hund Gassi zu gehen.

Dreieich - In Dreieich hat sich vor ein paar Tagen die Gruppe „Wir helfen Dreieich ❤“ gegründet. Auf Facebook fällt das Logo auf grünem Untergrund mit rotem Herz sofort ins Auge – die Gruppe hat schon mehr als 280 Mitglieder. Kerstin Schlüter hatte die Idee, über diese Seite die Hilfsangebote besser zu strukturieren. In Alexandra Häckel, Ellen und Denise Anacker hat Schlüter drei Mitstreiterinnen gefunden, die bereit sind, die Seite zu koordinieren.

„Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Dreieicher. Dass wir innerhalb so kurzer Zeit so viele Menschen finden, die Zeit für andere investieren, zeigt, dass wir in Krisenzeiten wie diesen zusammenstehen. Das ist ein gutes und beruhigendes Gefühl“, sagt Ellen Anacker.

Um für Übersichtlichkeit zu sorgen, haben die Frauen für jeden Ortsteil eine Untergruppe gegründet, damit der Einkaufswunsch einer Buchschlager Seniorin auch aus Buchschlag bedient werden kann, die Offenthaler sich gegenseitig helfen können und damit die Wege so kurz wie möglich bleiben. Eine bereits laufende Umfrage innerhalb der Gruppe zeigt, dass aktuell 65 Menschen bereit sind, einkaufen zu gehen, 32 übernehmen den Gang mit dem Hund und 24 Dreieicher stehen für Fahrdienste zur Verfügung.

Die ersten Anfragen haben nicht lange auf sich warten lassen. Menschen mit Lungenerkrankungen oder andere Risikopatienten haben sich gemeldet und können in den nächsten Tagen versorgt werden. „Danke im Namen aller, denen ihr helfen könnt und helfen werdet“, ist eine Dreieicherin froh, dass sie als Risikopatientin dank der engagierten Menschen im Haus bleiben kann und sich nicht der Gefahr einer Ansteckung aussetzen muss.

„Wir wissen aber auch, dass gerade die Menschen, die wir ansprechen möchten, nicht unbedingt auf Facebook unterwegs sind. Ältere Leute sind sehr viel seltener in den sozialen Netzwerken aktiv. Aus diesem Grund haben wir schon einen Flyer in Auftrag gegeben, auf dem unsere Namen und Telefonnummern abgedruckt sind. Wir haben natürlich auch über den Schutz unserer eigenen Daten gesprochen und gemeinsam entschieden, dass diese besonderen Zeiten eben besondere Maßnahmen erfordern“, betont Ellen Anacker. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass sich die vier Frauen im „normalen“ Leben nicht kennen: „Es geht um die gemeinsame Idee und dass wir helfen möchten. Und das klappt hervorragend.“

Auch für Alexandra Häckel ist klar: „Ich bin jung und ich kann helfen. Ich finde es wichtig, dass sich die gefährdeten Menschen jetzt versorgt und geborgen fühlen“, erklärt die Dreieicherin. „Und ich bin doch ohnehin einkaufen, da kann ich doch auch ein bisschen mehr mitbringen.“ Sie wird in ihrer Nachbarschaft im Wohngebiet Hirschsprung die Flyer verteilen, an Laternen kleben und in Briefkästen werfen. Damit wird „Dreieich mit Herz“ noch bekannter.

Ein weiteres Problem kommt in der Gruppe zur Sprache: Nicht nur Menschen mit Risikofaktoren haben in diesen Tagen ein Problem. Auch Leute, die in ihrem täglichen Leben auf die Langener Tafel angewiesen sind, machen sich aufgrund der bevorstehenden Schließung der Einrichtung, die kostenlos Lebensmittel verteilt, existenzielle Sorgen. Auch dafür gibt es Lösungsideen: Gleich zwei Foodsaverinnen, die Lebensmittel aus Supermärkten retten, haben Hilfe angeboten und erklären sich bereit, dass Lebensmittel abgeholt werden können.

„Jetzt ist es eigentlich nur noch wichtig zu sagen: Die Menschen sollen keine Hemmungen haben, bei uns Hilfe anzufragen. Deswegen organisieren wir das und es ist sehr schön, dass wir jetzt die richtigen Leute zusammenbringen können“, sagt Ellen Anacker. 

Von Nicole Jost

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