Nicht alle kriegen die Kurve

Straße zeigt Lkw-Fahrern ihre Grenzen auf

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Ausflug ins Grüne. Der Fahrer dieses Sattelzugs hat die Kurve nur gekriegt, indem er durch das Pflanzbeet rollte. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein. Die Stadtverwaltung hat jetzt reagiert und lässt die Grüninsel samt Baum beseitigen.

Dreieich - Die Kurve an der Ecke Eisenbahn-/Wilhelm-Leuschner-Straße stellt Fahrer von Sattelschleppern vor eine Herausforderung. Der sind nicht alle gewachsen, wie Fotos von Anwohner Guido Chiappa zeigen. Die Stadt kündigte gestern an, aktiv zu werden. Von Frank Mahn

Die Grünanlage vor Chiappas Haus kommt weg, damit der Radius für die Brummis größer wird.
Bekannt ist das Problem aus Dreieichenhain. Es kommt immer wieder mal vor, dass Lkw-Fahrer in der Solmischen-Weiher-Straße mit ihrem Latein am Ende sind, wenn sie in die Hainer Chaussee einbiegen wollen. Dort dürften sie eigentlich gar nicht landen, weil’s für sie ein Durchfahrverbot gibt. Das Ignorieren heißt im Extremfall: 250 Meter im Rückwärtsgang – da kommt bei den anderen Verkehrsteilnehmern und den Anwohnern Freude auf.

Im Gegensatz zu Dreieichenhain handelt es sich bei der Strecke Theodor-Heuss-, Wilhelm-Leuschner- und Eisenbahnstraße sowie dem weiteren Verlauf um eine sogenannte klassifizierte Landestraße (L 3262), die auch für überregionalen Verkehr vorgesehen ist. Nur in der Nacht haben Brummifahrer dort nichts zu suchen; wobei nicht alle das Verbot zwischen 22 und 6 Uhr beachten.

Guido Chiappa wohnt in dem roten Haus an der Kurve und beobachtet immer wieder haarsträubende und gefährliche Situationen. Deshalb hat sich der Sprendlinger an unsere Redaktion gewandt. „Sattelschlepper und schwere Lkw bleiben täglich in der Kurve am Bahnhof stecken. Sie müssen durch fragwürdige Manöver über den rot markierten Radweg und den Bürgersteig fahren, blockieren einen Ampelübergang und verschieben ständig den großen Findling“, ärgert sich Chiappa. Die Eisenpoller sind schon mehrfach umgebügelt worden, auch das Pflanzbeet vor seinem Haus hat einen schweren Stand. Manche Fahrer wenden vor lauter Verzweiflung. Das alles sei gerade auch für die vielen Kinder gefährlich, die den ausgewiesenen Schulweg nutzten.

Chiappa hat sogar ein bisschen Mitleid mit den Fahrern. „Die wissen ja nicht, was sie erwartet.“ Als jüngst die Randsteine für das Beet neu gesetzt worden seien, sei ein Brummilenker ausgestiegen und habe kurzerhand die rot-weißen Absperrbaken weggeräumt. Chiappa ist der Meinung, der Standort der Beschilderung sei schlecht gewählt, weil für die Lkw-Fahrer zu spät ersichtlich. Er schlägt ein Schild vor dem Dreieicher Ortseingang vor, mit einem Hinweis auf die enge Kurve und das nächtliche Durchfahrverbot. Die Nachtruhe werde fast täglich gestört, „das ganze Haus wackelt, die Fenster vibrieren“.

Kuriose Unfälle in der Region

Den Vorschlag mit dem Schild hat Chiappa der Stadt schon 2016 unterbreitet. Karin Eisenhauer hält aber nichts davon. „Der Standort an der Aral-Tankstelle ist der bestmögliche“, sagt die Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung. Sie befürchtet, dass bei einem weiteren Schild die Übersichtlichkeit der einzelnen Regelungen verloren ginge.

Diese Szene hat Guido Chiappa durchs Fenster fotografiert. Der Brummifahrer hatte die Kurve nicht meistern können und gedreht. Ein nicht ganz ungefährliches Rangiermanöver.

Eisenhauer ist zudem der Meinung, dass „man dort als Lkw-Fahrer die Kurve kriegen muss“. Man habe gemessen. Die Stelle sei eng und man müsse sehr präzise lenken. Weil aber in jüngster Zeit die Poller mehrfach umgemäht wurden und auch der Findling immer mal wieder verschoben wurde, sieht man auch im Rathaus die Notwendigkeit zu handeln. „Die Pflanzfläche kommt weg, um den Radius zu erweitern. Dann können die Fahrer anders einschlagen“, sagt Eisenhauer. Das werde schon in Kürze geschehen, und zwar erst mal provisorisch. „Dann wird sich die Situation hoffentlich entspannen.“ 2019 folgt eine „ordentliche“ bauliche Gestaltung.

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