Geschäfte dürfen wieder öffnen

Erleichterung bei Einzelhändlern

Die Einzelhändler in Dreieich sind erleichtert. Nach den angekündigten Lockerungen während der Corona-Pandemie dürfen viele von ihnen wieder öffnen.
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Die Einzelhändler in Dreieich sind erleichtert. Nach den angekündigten Lockerungen während der Corona-Pandemie dürfen viele von ihnen wieder öffnen.

Vielen Einzelhändlern ist am Mittwoch nach den angekündigten Lockerungen während der Corona-Pandemie ein Stein vom Herzen gefallen.

Dreieich – Läden bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern dürfen am Montag unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen. Die Redaktion hat erste Reaktionen gesammelt.

Das Reisezentrum Becker in der Eisenbahnstraße lässt die Tür zu. „Wir bleiben für unsere Kunden telefonisch erreichbar, aber unsere Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, sodass wir nicht genügend Personal haben, um auch den Laden zu öffnen“, erläutert Chefin Susanne Becker. Die Branche ist in diesen Tagen doppelt „gekniffen“: „Wir bekommen von den Veranstaltern keine Provisionen für die jetzt stornierten Reisen. Das heißt, wir haben nicht nur keine neuen Einnahmen, wir bekommen im Moment auch die Arbeit, die wir schon gemacht haben, nicht bezahlt“, erklärt Becker. Von den 14 Angestellten ist nur eine im Büro, die gemeinsam mit der Inhaberin die Stornierungen und Umbuchungen abarbeitet.

Es bestehe bereits eine hohe Nachfrage für das nächste Jahr, viele Reisen bis in den Herbst seien schon buchbar. „Wir schauen jetzt, was kommt. Sobald es heißt, dass die Menschen wieder reisen können, werden wir auch unser Geschäft wieder öffnen.“

Tanja Jablonski ist für sich und ihre Mode-Boutique in der Darmstädter Straße „vorsichtig optimistisch“. Die Geschäftsfrau wird ab Montag wieder zu den normalen Öffnungszeiten für ihre Kunden da sein. „Ich gehe nicht davon aus, dass die Leute direkt Schlange stehen, weil alle noch vorsichtig sind“, sagt Jablonski. Sollte es vor dem Laden zu Wartesituationen kommen, ist sie aber gerüstet. „Ich werde in meinen kleinen Hof einen Tisch und Stühle stellen, damit die Leute mit ausreichend Abstand voneinander warten können. Wer möchte, bekommt auch eine Tasse Kaffee“, kündigt sie an. An ihrem Lieferservice, der sehr gut angekommen sei, werde sie festhalten. „Meine Kunden waren solidarisch“, freut sich Jablonski. Für Desinfektion und Handhygiene ist gesorgt. Sogar eine Maske, genäht vom Änderungsschneider, kann in der Boutique gekauft werden.

Auch Helen Taylor von der Boutique Instinct for fashion freut sich, dass sie ihren Laden in der Hauptstraße 10 wieder öffnen darf. „Ich war über Facebook und Instagram aktiv und mein Serviceangebot mit Lieferdienst wurde gut angenommen“, berichtet Taylor. „Ich habe den Eindruck, dass sich die Menschen in dieser schweren Zeit manchmal auch was Gutes tun wollen, jetzt, wo sie eben nicht essen, zum Friseur oder ins Kino gehen können.“ Sie würde sich zum Start am Montag mehr Informationen wünschen, welche Richtlinien sie bezüglich Hygiene und Anzahl der Kunden befolgen muss. „Ich werde wahrscheinlich eine Plexiglasscheibe an die Theke machen.“ Zudem haben die Kunden die Möglichkeit, sich die Hände zu waschen, Desinfektionsmittel und Mundschutz sind bestellt. „Ich finde es auf jeden Fall gut, dass wir kleinen Geschäfte jetzt schon mal öffnen dürfen, das erleichtert mich sehr.“

„Wir sind vorbereitet“, sagt Corinna Plate vom BuchKontor in der Fahrgasse. Der Laden war nicht komplett geschlossen. Durch eine Plexiglasscheibe mit Schlitz darf Plate Zeitungen verkaufen.

„Wir werden Masken tragen und hoffen, dass die Kunden dies auch tun“, so die Inhaberin. Die Theke wird mit Plexiglas verblendet, auf dem Boden gibt’s Markierungen als optische Bremse. Vor dem Laden auf den Sandsteinstufen steht mit Kreide geschrieben: „Bitte gesunden Abstand halten!“ Das habe sich auch beim Zeitungsverkauf bewährt.

Auch Bibliotheken sollen ab Montag wieder ihren Betrieb aufnehmen können. Ob die Stadtbüchereien öffnen, vermochte Claudia Scheibel gestern nicht zu sagen. „Wir können als Stadt erst reagieren, wenn uns die Verordnung vom Land vorliegt“, erklärt die Pressesprecherin.

In der Luft hängt Bürgerhauschef Benjamin Halberstadt mit Blick auf die Festspiele in Dreieichenhain (geplant vom 1. Juli bis 16. August). Noch sei der Begriff „Großveranstaltung“ zahlenmäßig nicht definiert. Bei einer ausverkauften Vorstellung sitzen 860 Leute nebeneinander im Burggarten. Das ist momentan schwer vorstellbar, auch nicht mit Masken. Halberstadt: „Ob es Sinn macht, unter solchen Parametern Veranstaltungen durchzuführen, auch wenn die Behörden es genehmigen würden, wird entschieden, wenn es soweit ist. Bis dahin ist alles nur Spekulation.“

VON NICOLE JOST UND FRANK MAHN

Auf dem Bauernhof der Familie Lenhardt wird auch während der Corona-Krise Eis verkauft. Der inzwischen tägliche Besuch der Ordnungspolizei kostet die Besitzer jedoch unendlich Nerven.

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