Gute Stube für den Klapperstorch

Der erste von zwei neuen Horsten thront im Feld zwischen Götzenhain und Offenthal

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Mit dem Hubsteiger montierten Mitarbeiter der Stadtwerke in zwölf Metern Höhe den ersten Horst.

Ob die Störche wiederkommen? Nicht nur Erich Erdmann hatte im vergangenen Spätsommer seine helle Freude an den schwarz-weiß gefiederten Gästen. In großer Zahl leisteten sie den Schafen des Landwirts Gesellschaft.

Dreieich – Majestätisch schritten die Vögel über die Wiesen, labten sich an Würmern, Heuschrecken und Mäusen. Abends standen sie am Teich und putzten sich. Dass sie von etlichen Spaziergängern und Radfahrern beobachtet wurden, ließ die Tiere völlig unbeeindruckt.

Ein Brutpaar war nach Einschätzung von Dieter Ohler nicht darunter. Es seien fast alles Jungstörche gewesen, so der Mann vom Naturschutzbund, der auch Mitglied der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) ist. In diesem Jahr werden die Tiere aber geschlechtsreif. Zwischen Götzenhain und Offenthal haben die Stadtwerke jetzt in Kooperation mit dem NABU Dreieich und der städtischen AG Umwelt- und Naturschutz die erste Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich ein Paar niederlässt. Gestern Morgen haben Mitarbeiter auf einem alten Strommast einen Horst montiert. Ein weiterer nur einen Steinwurf entfernt folgt nach der Erntezeit.

„Wir haben im vergangenen Jahr auf dem betroffenen Gebiet zwischen Götzenhain und Offenthal rund 40 Störche gezählt. Da kommen zwei zusätzliche Nistplätze genau richtig“, freuen sich Dieter Ohler und sein NABU-Kollege Werner Pittermann. Entscheidend sei, dass die erste der beiden Halterungen mit dem Weidenkorb noch vor der Brutzeit fertiggestellt wurde. Störche widmen sich von März bis Juni der Fortpflanzung. Ein Gelege zählt im Schnitt drei bis vier Eier. Ein Storchenpaar bleibt seinem Horst im Übrigen über Jahrzehnte treu.

Ungewöhnlich viele Glücksbringer fanden sich im vergangenen Sommer auf den Wiesen zwischen Götzenhain und Offenthal ein. Foto: strohfeldt

Das Vogelschutzprojekt hat seinen Ursprung in einem Naturereignis, das im vergangenen Sommer nicht nur die Wälder der Region in weiten Teilen zerstörte. „An die Supergewitterzelle mit starken Fallböen vom 18. August letzten Jahres kann sich wohl jeder noch erinnern. Das Unwetter verursachte erhebliche Schäden an unseren Freileitungsmasten. Nachdem die Stromleitung erneuert und im Boden verkabelt war, stand zunächst der Rückbau der kompletten Trasse zur Diskussion. Doch jetzt haben zwei der Strommasten eine neue, viel schönere Aufgabe bekommen“, erläutert Volker Kreuzer, Technischer Leiter der Stadtwerke.

Der Weißstorch ist in unseren Breiten kein ganz seltener Gast mehr. Der Bestand hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erholt. Ins hessische Ried beispielsweise kehren zahlreiche Paare nach ihrem „Winterurlaub“ immer wieder zurück, um sich der Stärkung der Population zu widmen. Manche verzichten auch auf die Reise in den Süden, weil die Winter bei uns immer milder werden. Das führt auch dazu, dass es nicht an Nahrung mangelt.

Normalerweise zieht Meister Adebar Feuchtgebiete vor, weil er dort Frösche, Kröten, Kaulquappen und andere Lurche findet. Doch diese Biotope werden seltener, deshalb ist der Schreitvogel nicht mehr wählerisch und hat sich angepasst. So stehen vor allem Heuschrecken, Würmer und Mäuse auf dem Speiseplan. Und zwischen Götzenhain und Offenthal ist der Tisch offenbar reich gedeckt.

Der Klapperstorch, wie er auch genannt wird, brütet mit Vorliebe auf Dächern, Schornsteinen und Türmen. Inzwischen wählt er nach Angaben von Dieter Ohler auch häufig Bäume aus. Doch so eine „Altbauwohnung“, wie der Vogelexperte das neue Storchennest scherzhaft nennt, ist auch nicht zu verachten. Hintergrund: Der Weidenkorb wurde mit weißen Farbspritzern präpariert. Der kleine Trick simuliert, dass er schon mal in Gebrauch war und erhöht die Chance auf eine Ansiedlung.

In Götzenhain war bereits 2012 der Versuch unternommen worden, eine gute Stube für den Storch herzurichten. Doch der Horst wurde nicht angenommen. Ohler und Co. würden gerne einen neuen Anlauf nehmen. Doch für den Standort braucht’s spezielles technisches Gerät. Da wäre ein Sponsor nicht schlecht. 

VON FRANK MAHN

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