Erster Stadtrat

Deutliche Angelegenheit in Dreieich: Markus Heller lässt Konkurrenten weit hinter sich

Nach der Wahl erfolgt die Amtseinführung: Bürgermeister Martin Burlon überreicht die Ernennungsurkunde an den neuen Ersten Stadtrat Markus Heller, der am 1. November seinen Dienst antritt.
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Nach der Wahl erfolgt die Amtseinführung: Bürgermeister Martin Burlon überreicht die Ernennungsurkunde an den neuen Ersten Stadtrat Markus Heller, der am 1. November seinen Dienst antritt.

Die lange Suche nach einem Ersten Stadtrat seit Februar 2019 ist beendet. Und am Ende ist es eine überraschend klare Angelegenheit.

Dreieich - In der Wahl zum Ersten Stadtrat erhält Markus Heller (parteilos) in der Stadtverordnetenversammlung am Dienstagabend 27 von 42 Stimmen, Steffen Seinsche (FDP) kommt auf 13. Angesichts der besonderen Umstände fallen Worte wie „Ultra-Marathon“ und Ironman, an die das Prozedere erinnere.

Nach der Begrüßung durch Stadtverordnetenvorsteherin Bettina Schmitt im unter Corona-Bedingungen hergerichteten Bürgerhaus geht Kerstin Mandel, Vorsitzende des Wahlausschusses, auf die lange Suche in 26 Sitzungen ein. In der ersten Runde habe es 59 Bewerbungen und mit acht von diesen Gespräche gegeben. Da man sich auf keinen Kandidaten einigen konnte, erfolgte eine zweite Runde mit Unterstützung einer Personalberatung mit 26 Bewerbungen und acht Gesprächen. Zusätzlich sorgte Corona für Verzögerungen. Am Ende wurden Heller und Seinsche vorgeschlagen.

Bereits gegen 20.05 Uhr, 35 Minuten nach Beginn der Sitzung, kann Schmitt den deutlichen Sieg von Heller verkünden. Der 54-Jährige war von SPD, Grünen und FDP vorgeschlagen worden und erhält sogar drei Stimmen mehr als die drei Fraktionen Mitglieder haben. Der von der CDU unterstützte Seinsche bekommt lediglich 13 Stimmen, so viele Mitglieder hat die CDU-Fraktion. Zudem gibt es zwei Nein-Stimmen.

Bürgermeister Martin Burlon zeigt sich erleichtert und spricht von einer überaus langen Vakanz, die einem Ultra-Marathon geglichen habe. Bis zum Amtsantritt von Heller am 1. November wird Burlon 20 Monate alleiniger Hauptamtlicher gewesen sein, davon acht Monate unter Corona-Bedingungen. „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit und bin zuversichtlich, dass wir die Stadt gemeinsam mit Erfolg und Nachhaltigkeit in die Zukunft führen werden“, so Burlon. Als Themen nennt er die Stadtentwicklung, die Schaffung von preiswertem Wohnraum, Mobilitätsveränderungen, den Klimaschutz und den Kita-Neubau.

Der Gewählte bedankt sich für das Vertrauen und geht auf die Umstände ein. „Ich bin als einfacher Opa in die Bewerbung gestartet und wurde nun als zweifacher Opa von Ihnen gewählt“, sagt der Vater von drei erwachsenen Kindern schmunzelnd. Sein Dank geht an die Fraktionen, die ihn als Parteilosen gewählt haben. Er will in der Sache überzeugen, jederzeit das Gespräch suchen und gemeinsam Projekte auf den Weg bringen. Wichtig ist ihm die Teamarbeit. Heller hebt einige Erfolge seiner Arbeit in Wetzlar hervor – wie den Umbau des Bahnhofs zum dortigen Hessentag 2012. Nun freut sich Heller auf die Herausforderung und eine gute Zusammenarbeit mit Burlon zum Wohl der Stadt.

Glückwünsche kommen von Landrat Oliver Quilling, der sich ebenfalls erleichtert zeigt. Denn Dreieich sei einer der wirtschaftsstärkste Kommunen des Kreises. Deshalb sei es wichtig, dass die Führung wieder komplett sei. Zwei Parteilose an der Spitze seien ein Novum. Doch bei den Versammlungen der Bürgermeister zähle nicht das Parteibuch, sondern die Arbeit für die Bürger.

Mehr als ein Grußwort kann Harald Semler (Hessischer Städte- und Gemeindebund) sprechen. Als ehemaliger Bürgermeister von Wetzlar hat er sich für Heller als Leiter des Tiefbauamtes entschieden und blickt auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm zurück. Heller bringe Fachkompetenz und die Erfahrungen mit Großprojekten mit nach Dreieich.

CDU-Chef Hartmut Honka räumt ein, dass in den Gesprächen seiner Fraktion mit Heller der Funke nicht übergesprungen sei. Trotzdem hoffe er auf eine gute Zusammenarbeit. Dagegen betonen Holger Dechert (SPD), Roland Kreyscher (Grüne) und Alexander Kowalski (FDP), dass Heller sie überzeugt habe. Kowalski begründet, warum seine Fraktion den FDP-Kandidaten Seinsche nicht unterstützt habe. „Uns geht es um die Sache.“ Und da sei Heller mit seiner Fachkompetenz für das Bauamt nicht zu schlagen gewesen. Dechert unterstreicht, dass dort einiges liegen geblieben sei. Und für Kreyscher ist es keine Überraschung, dass es nun zwei Parteilose an der Spitze von Dreieich gebe. Denn es gebe schon lange wechselnde Mehrheit und keine Parteiblöcke, womit man gut gefahren sei. Auch Marco Lang (FWG) hofft auf eine offene und konstruktive Zusammenarbeit. „Wir stehen dafür bereit.“

Ein Dank geht auch an den unterlegenen Steffen Seinsche für seine Bereitschaft, sich zur Wahl gestellt zu haben. Denn das belebe die Demokratie.

Von Holger Klemm

Zur Vereidigung erheben sich alle Anwesenden im Bürgerhaus, das den Vorgaben in Zeiten von Corona entsprechend umgestaltet wurde.

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