Für ein friedliches Miteinander

Erstmals wird in Dreieich ein Holocaust Gedenktag durchgeführt

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Das Mahnmal auf dem Jüdischen Friedhof in Sprendlingen erinnert an die Sprendlinger Juden, die Opfer des Nazi-Terrors wurden. 

In Dreieich wird es erstmals einen Holocaust Gedenktag geben. Dieser wird vom Ausländerbeirat organisiert. Die Idee dazu stammt aus einer Filmvorführung.

Dreieich – Erstmals wird es in Dreieich eine große Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag geben – am Montag, 27. Januar, um 19 Uhr im Bürgerhaus. Organisator ist der Ausländerbeirat, der auf Unterstützung von Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen setzen kann. Ziel ist es, ein gemeinsames Zeichen für ein friedliches Miteinander sowie gegen Antisemitismus und Antiziganismus zu setzen.

Eigentlich ist es ungewöhnlich, dass ein Ausländerbeirat und damit Migranten die Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag übernehmen. „Doch wir leben hier und fühlen uns zugehörig“, verweist Fatma Nur Kizilok darauf, dass in Dreieich Menschen aus der ganzen Welt wohnen. „Uns geht auch die deutsche Geschichte etwas an“, führt die Vorsitzende des Ausländerbeirats weiter aus.

Es gebe für Migranten zwar keine historische Verantwortung für die Verbrechen der Nazis, aber angesichts des zunehmend stärker werdenden Rechtsradikalismus eine Verantwortung gegenüber der Gegenwart und der Zukunft. Und dazu gehöre es, gegen Vorurteile, Antisemitismus und Antiziganismus einzutreten. „Das ist für uns ein besonderes Anliegen“, so Nur Kizilok. „Mit Mitgefühl, Güte und Menschlichkeit wenden wir uns von Hass, Hetze und Gewalt ab“, schreibt sie in der Einladung. In Liebe und Trauer soll der Opfer des Holocaust gedacht werden. Als Motto für die Veranstaltung steht auf der Einladung deshalb der Satz „Nur durch wertschätzende Anerkennung füreinander können wir in Achtung, Respekt und Würde zusammenleben.“

Die Idee entstand vor einem Jahr, als der Ausländerbeirat zum damaligen Holocaust-Gedenktag im Viktoria-Kino den Film „Der Junge im gestreiften Pyjama“ zeigte. Zu den Gästen zählten zahlreiche Juden, mit denen gemeinsam getrauert wurde. „Es war ein berührendes Erlebnis“, so Nur Kizilok.

Deshalb entschied sich der Ausländerbeirat für die Veranstaltung zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. „Wir wollten das aber nicht alleine machen, sondern ganz Dreieich mit einbeziehen“, betont die Vorsitzende, die sich über den großen Zuspruch freut. Es dürften an die 60 Unterstützer sein, zu denen auch die Stadt gehört. So werden Stadtverordnetenvorsteherin Bettina Schmitt und Bürgermeister Martin Burlon Gedenkworte sprechen – ebenso wie Nur Kizilok. Die Moderation übernimmt Marie Sophie Adeoso (Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt). Reden halten neben dem katholischen Pfarrer Erik Wehner auch Vertreter des Jüdischen Museums und von Sinti-Roma-Pride. Ehrengast ist Zeitzeugin Rita Vowe aus Berlin, Tochter des Boxers Johann Rukeli Trollmann, der als Sinti Opfer der Nazis wurde.

Wichtig ist für Nur Kizilok, dass Schüler der weiterführenden Schulen in Dreieich ihre Gedanken und Gefühle zum Holocaust vortragen. Zu sehen ist auch ein Ausschnitt aus dem Film „Die Wunderkinder“ von Marcus O. Rosenmüller, der den ermordeten jüdischen Kindern gewidmet ist. „Larissas Lied“ aus dem Film, vorgetragen vom Chor der Musikschule unter Martin Winkler, wird sich durch die Veranstaltung ziehen. Nach einem Friedensgebet und einer Gedenkminute besteht die Möglichkeit zur Begegnung im Foyer.

Am Sonntag, 2. Februar, zeigt der Ausländerbeirat den Film „Die Wunderkinder“ um 14 Uhr (Einlass 13.30 Uhr) im Viktoria-Kino, Offenbacher Straße 9 a. Der Eintritt ist frei. Nur Kizilok: „Es ist ein beeindruckender Film.“

Von Holger Klemm

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