Freund der europäischen Idee

Dr. Heinrich Harries: Dreieicher Jurist und seine Gedanken zu Europa

In seiner Berufslaufbahn hatte Dr. Heinrich Harries lange mit Europa zu tun. Er appelliert, bei der Europawahl am Sonntag eine proeuropäische Partei zu wählen. Foto: Strohfeldt

Vom drohenden Brexit über die Europawahl 2019: Dreieicher Jurist für Internationales Recht hat sich seine Gedanken gemacht. 

Dreieich – „Das ist reine Dummheit. “ Wenn es um den Austrittswunsch der Briten aus der Europäischen Union geht, findet der Dreieicher Dr. Heinrich Harries klare Worte. Die gelten aus seiner Sicht auch für alle anderen, die den Gefallen an der europäischen Idee prinzipiell vermissen lassen. „Klar gibt es Dinge zu verbessern“, sagt er, aber im Großen und Ganzen sei Europa eine Erfolgsgeschichte, die man weiterführen müsse. Der promovierte Jurist weiß, wovon er spricht, hat er doch die Entwicklungsgeschichte der EU, seit sie in den Kinderschuhen steckte, beruflich begleitet.

Während seines Jurastudiums interessierte sich Harries schon früh für internationales Recht. Mitte der 1950er-Jahre bewarb er sich beim Ministerrat der Montanunion in Luxemburg um eine Stelle als Attaché in der Rechtsabteilung. Die bekam er zwar nicht, weil er sich knapp einem anderen Bewerber geschlagen geben musste, doch bot man ihm – gewissermaßen als Trost – eine Stelle in Brüssel an, wo gerade Fachkräfte gesucht wurden. Diese sollten die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Marktes und die Zusammenarbeit im Bereich der friedlichen Nutzung von Atomenergie mit vorbereiten – es war jene Regierungskonferenz, die später in der Unterzeichnung der Römischen Verträge gipfelte, die das Fundament der heutigen Europäischen Union bilden. Vor allem sein gutes Französisch – er hatte bereits in Genf und Paris studiert – war Harries dabei von Nutzen, denn dies war neben Deutsch eine der beiden Amtssprachen, auf die sich die sechs beteiligten Staaten geeinigt hatten.

„Für mich war das eine große Bereicherung“, schwärmt er noch heute von der Zusammenarbeit mit den vielen Kollegen aus anderen europäischen Ländern. „Nationale Interessen zu berücksichtigen, galt es damals natürlich auch schon“, sagt Harries, Probleme habe man aber immer sachlich diskutiert und sei durch einen proeuropäischen Geist vereint gewesen. „Dass die Wirtschaftsgemeinschaft nur der Anfang einer Tour mit vielen Etappen sein sollte, war den Beteiligten klar“, sagt der heute 87-Jährige. Den späteren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, der in der Konferenz mitarbeitete, fragte er bereits 1956, warum man denn nicht gleich eine Währungsunion mit auf die Agenda setze. „Dafür ist die Zeit noch nicht reif, hat er mir geantwortet“, erinnert sich Harries gut.

Der inzwischen Realität gewordene gemeinsame Euro, der Abbau von Handelsbeschränkungen und Zöllen, die Erweiterung der Europäischen Union um Staaten, von denen man im Kalten Krieg nicht zu träumen gewagt hätte, dass sie einmal dazugehören könnten, und nicht zuletzt der lang anhaltende Frieden zwischen Staaten, die einst verbittert aufeinander losgingen, sind für Harries gewichtige Gründe, den Traum vom geeinigten Europa weiterzuleben.

Als er 1996, nachdem er sich 35 Jahre in Diensten der Kreditanstalt für Wiederaufbau mit internationalen Entwicklungshilfeprojekten beschäftigt hatte, in Ruhestand ging, übernahm er den Verwaltungsratsvorsitz der Entwicklungsbank des Europarates. „Ich habe also zu Beginn und zum Ende meiner beruflichen Laufbahn für Europa gearbeitet“, sagt er. Auch privat geht es im Hause Harries europäisch zu, ist er doch seit mehr als sechs Jahrzehnten mit einer Dänin verheiratet.

Mit Blick auf die bevorstehende Europawahl hat Heinrich Harries einen Appell an seine Mitbürger: „Gehen Sie wählen! Und wählen Sie eine proeuropäische Partei!“

VON MARC STROHFELDT

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