Operation am offenen Herzen

 Sprendlinger Turngemeinde: Gelassenheit trotz Kostensteigerung bei Hallensanierung

+
Es hat länger gedauert und es ist auch fast doppelt so teuer geworden wie gedacht. Aber wir sind sehr froh, diesen Weg gegangen zu sein. Matthias Matthes STG-Vorsitzender Die Hallensanierung hat den STG-Mitgliedern um den Vorsitzenden Matthias Matthes (links) und seinen Stellvertreter Adrian Schrock einiges abverlangt. Doch der Aufwand hat sich gelohnt.

Was lange währt, wird endlich gut. Dieses Sprichwort passt gut zur Sprendlinger Turngemeinde. Dort findet die Hallensanierung und damit die Dauerbaustelle so langsam ihren Abschluss, die den Mitgliedern über fünf Jahre einiges an Geduld abforderte.

Sprendlingen –  Das Ergebnis kann sich schon jetzt sehen lassen. Die vier nahezu bodentiefen Fenster lassen viel Tageslicht in die Halle, der helle Parkettboden ist optimal für die Sportler und liefert mit seiner Niedrigenergie-Fußbodenheizung das ganze Jahr ideale Trainingstemperaturen. Der Clou ist die sechsmal vier Meter große Schnitzelgrube mit dem klappbaren Deckel – ein lang gehegter Wunsch der Turner für schwierige Salto-Abgänge.

Die dimmbare und warme Beleuchtung entspricht modernsten Anforderungen und endlich können die Sportler die Halle durch ein Foyer betreten und stehen nicht mehr mitten in der Halle, wenn sie die Türen öffnen.

„Wir gehen davon aus, dass wir Ende des ersten Quartals endlich die Einweihung feiern können“, kündigt STG- Vorsitzender Matthias Matthes an. Dann ist die „Operation am offenen Herzen“ der Sporthalle erledigt. Es war kein ganz einfaches Unterfangen mit all den Baukränen und Baggern auf dem beengten Grundstück inmitten des Wohngebiets. Durch den Abriss des alten Treppenhauses, der Bühne und der Gerätegarage hat der Verein künftig rund 200 Quadratmeter mehr nutzbare Fläche. So entstand ein zusätzlicher Übungsraum für das Gymnastikangebot. In der neuen Gerätehalle sind die generalüberholten Pferde, Böcke, Kästen und all das andere Trainingsmaterial schon eingezogen. „Ja, es hat länger gedauert und es ist auch fast doppelt so teuer geworden wie gedacht. Aber wir sind sehr froh, diesen Weg gegangen zu sein“, ist Matthes zufrieden.

Von Beginn an war sich der Vorstand darüber einig, eine nachhaltige Sanierung anzugehen, die langfristig den Anforderungen der Sportler genügt. Statt der geplanten 750 000 Euro hat die Sanierung an die 1,5 Millionen Euro verschlungen. Nervös macht das den Vorstand des Traditionsvereins aber nicht. Durch Fördermittel, Spenden und Darlehen, die auch die rund 1000 Mitglieder dank eines Fünf-Euro-Bauzuschlags monatlich abtragen, sei die STG nicht in finanzieller Schieflage, versichert Matthes.

Über die Erlebnisse auf der Baustelle könnten er und sein Stellvertreter Adrian Schrock ein Buch schreiben. Dazu zählen positive Erlebnisse wie das Geschenk der kompletten Fußbodenheizungsanlage durch einen befreundeten Heizungsbaumeister, der so beeindruckt vom ehrenamtlichen Engagement der Bautruppe des Vereins war, dass er seine Firma zum Einbau schickte. Aber es gab auch viele Missgeschicke wie die in den Estrich eingelassenen Bodentanks für die Gerätehalterungen, die beim Abschleifen kalt verschweißt wurden, sodass sie sich nicht mehr öffnen ließen.

Das größte Geschenk für die STG sind aber die Mitglieder, die als fester Bautrupp über ein ganzes Jahr lang jeden Samstag die Ärmel hochgekrempelt und unzählige Stunden auf der Baustelle geschuftet haben. „Eigentlich war es so, dass wir immer alles kaputtgemacht haben. Also beispielsweise das Dach abgerissen, die Böden rausgerissen oder das Loch für die Schnitzelgrube ausgehoben haben, und die Fachleute dann den Neueinbau übernommen haben“, freut sich Matthes jetzt wieder auf freie Wochenenden.

Langweilig wird es den Aktiven dennoch nicht. Die Vorbereitungen für das fünfte Hooschebaafest in den Händen des Vereins sind schon in vollem Gange – dieses Jahr schon vom 15. bis 17. Mai auf dem Lindenplatz und mit verändertem Konzept. Mit Pfund spielen freitags alte Bekannte. Am Samstag wird es einen DJ geben, der jede Stunde das Jahrzehnt wechselt. Dazu stellt der Verein ein Bühnenprogramm auf die Beine. „Die vergangenen Jahre sind wir am Samstag immer auf die Nase gefallen – jetzt wollen wir mal was Neues ausprobieren“, so Matthes.

Der Blick des Vorsitzenden geht aber schon weiter. „Wir haben 2023 unsere 175-Jahr-Feier, dann gibt es natürlich die ganz große Sause. Das gibt dem Verein einen riesigen Motivationsschub, noch mal alle Kräfte nach den anstrengenden Jahren mit dem Bau zu bündeln“, meint der Vorsitzende. Danach soll für das aktuelle Vorstandsteam Schluss sein: „Wir haben das zehn Jahre gemacht, viel Zeit investiert. Dann sind mal andere dran“, kündigt Matthias Matthes an.

VON NICOLE JOST

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare