Annika Jung verlässt Dreieich

Stadt präsentiert ersten Klimaschutzbericht

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Klimaschutzmanagerin Annika Jung hat in Dreieich einiges auf den Weg gebracht. Nun widmet sie sich neuen Aufgaben.

Dreieich - Die Rahmenbedingungen für den Klimaschutz sind nicht gerade besser geworden. Die Stadt will jedoch ihre Bemühungen fortsetzen. Einen Überblick über die bisherigen Maßnahmen liefert der erste Klimaschutzbericht, der aber zugleich einen Abschied bedeutet. Von Holger Klemm

Denn die Klimaschutzmanagerin Annika Jung widmet sich neuen Herausforderungen. Im Mittelpunkt steht, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für das Thema zu wecken, betont der zuständige Dezernent Karl Markloff. Doch es ist für die Klimaschützer in den vergangenen Jahren nicht einfacher geworden. So bedauert er, dass die Bundesregierung ihre Klimaschutzziele für 2020 verfehlen wird. Doch die Kommune will nicht locker lassen. Der umfangreiche Bericht unter dem Motto „Gemeinsam fürs Klima“, der künftig jährlich aktualisiert werden soll, bietet einen Überblick über umgesetzte Maßnahmen, die im Dreieicher Integrierten Klimaschutzkonzept 2014 definiert und festgelegt worden sind. Einige der Vorhaben gehen darüber hinaus und wurden nachträglich aufgenommen. Mit anderen Projekten wurde begonnen, einige mussten verschoben werden.

Übergeordnetes Ziel ist es, dass Dreieich bis zum Jahr 2050 klimaneutral wird und die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um mindestens 80 Prozent gesenkt werden. Der Zeithorizont des Klimakonzepts reicht bis 2030. Bis dahin soll in der Stadt eine Senkung des Endenergieverbrauchs um 20 Prozent erreicht sowie durch Erzeugung vor Ort der Anteil erneuerbarer Energien und effizienter Kraft-Wärme-Kopplung auf 20 Prozent gesteigert werden.

Für den Klimaschutz in Dreieich war seit Mai 2016 Annika Jung zuständig, die einige Projekte auf den Weg gebracht hat. Sie nennt unter anderem die Einführung des Fahrradverleihsystems und des Carsharings. Weitere Schwerpunkte sind die Öffentlichkeitsarbeit und Beratung, der Aufbau von Netzwerken sowie die Arbeit mit Kindern. Dazu hat Jung mit den Kitas ein Projekt unter dem Motto „Kinder für die Zukunft – Nachhaltigkeit in Dreieich“ erarbeitet, das im Herbst mit voraussichtlich zehn Einrichtungen an den Start gehen soll. Ziel ist es, zu lernen, wie ein klimafreundlicher und nachhaltiger Alltag in den Kitas und darüber hinaus aussehen könnte. Die Initiatoren hoffen, dadurch ebenfalls einen Beitrag zu Energieeinsparungen in den Gebäuden zu leisten.

Zu den umgesetzten Projekten zählen beispielsweise die Netzwerkarbeit, der Hessische Tag der Nachhaltigkeit, die Dreieicher Klimaschutztage 2016, die Beteiligung am Stadtfest, die Organisation des Stadtradelns, Technikführungen sowie die weitere Schärfung des Profils der Stadtwerke, die ein zentraler Akteur des Klimaschutzes auf lokaler Ebene sind. Markloff nennt die Programme Solar- und Thermo-Pur zur Förderung der Solarenergie und zum Austausch alter Heizungen sowie den Einsatz für Erdgasfahrzeuge und E-Tankstellen. So installierten die Stadtwerke in diesem Jahr eine Elektroladesäule auf dem Egenberger-Parkplatz in Sprendlingen, die das Angebot eines Elektro-Carsharingfahrzeugs ermöglicht.

Was kann die dezentrale Wasserbereitung?

Auf der Agenda steht weiter die Bewusstseinsbildung für den Klimaschutz an den Schulen. Geplant sind unter anderem die Erstellung und Umsetzung eines Quartierskonzepts, um Eigentümer, Mieter und Wohnungsbaugenossenschaften einzubinden und ihnen Wege zu einer höheren Energieeinsparung aufzuzeigen. Zu den zahlreichen Ideen zählt auch ein Wettbewerb, wer den ältesten Kühlschrank hat. Der Besitzer soll einen neuen bekommen. Auch damit kann das Bewusstsein für den Klimaschutz gestärkt werden. Fortgeführt werden soll ebenfalls das kommunale Energiemanagement, um bei der anstehenden Sanierung städtischer Gebäude weiterhin den Energieverbrauch zu senken oder ineffiziente Beleuchtungen auszutauschen.

Mit der Vorstellung des Klimaschutzberichts verabschiedet sich Annika Jung Ende Juni aus Dreieich. Sie wird künftig im Bereich des Mobilitätsmanagements in der Region Frankfurt/Rhein-Main tätig sein. Die Stelle soll aber so schnell wie möglich neu besetzt werden, um das Engagement im Klimaschutz fortsetzen zu können, versichert Erster Stadtrat Martin Burlon. Jung hofft, dass ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin im Rathaus schnell Fuß fasst und an die bislang geleistete Arbeit anknüpfen kann. Das dürfte aber kein Problem sein, da das Thema Klimaschutz in der Verwaltung angekommen und verankert sei, meint Jung.

Bürgermeister Dieter Zimmer bedauert den Weggang der Klimaschutzmanagerin, die einiges auf den Weg gebracht hat. Mit dem Thema soll es in Dreieich aber auf jeden Fall weitergehen. Der Rathauschef: „Es bleibt noch viel zu tun.“

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