Bauherren auf der sicheren Seite

Ärger in Dreieich: Anwohner wollen Bau von Mehrfamilienhaus verhindern

Baustelle in der Friedensstraße in Dreieich-Götzenhain.
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Nach dem Abriss eines alten Bauernhauses entsteht in der Götzenhainer Friedensstraße ein Mietshaus für elf Parteien. Anwohner Gerhardt Raab hält das Projekt für überdimensioniert.

Die Nachfrage nach Mietwohnungen ist im Kreis Offenbach hoch. Nun soll in Dreieich Götzenhain ein neues Mehrfamilienhaus entstehen. Dagegen wehren sich die Nachbarn.

  • Im Dreieicher Stadtteil Götzenhain soll ein neues Mehrfamilienhaus gebaut werden.
  • Ein Anwohner ist freut sich nicht über das Bauvorhaben, er findet, das neue Gebäude passe nicht ins Stadtbild von Götzenhain.
  • Die Bauherren sind anderer Meinung, das Bauprojekt soll sich an den umgebenden Gebäuden orientiert haben.

Dreieich - Auf der Baustelle in der Friedensstraße wird unter Hochdruck gearbeitet. Ein altes Bauernhaus mit einem flachen Anbau ist dem Abrissbagger zum Opfer gefallen, der Neubau unweit der evangelischen Kirche und des Dorfplatzes wächst. Das Untergeschoss mit Tiefgarage steht bereits.

Gerhardt Raab ist höchst unglücklich über den Anblick, der sich ihm in unmittelbarer Nachbarschaft bietet. „Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin nicht gegen einen Neubau an dieser Stelle, aber mich stört immens, wie das künftig aussehen soll. Es ist viel zu groß für den alten Ortskern und die Bauherren haben wirklich jeden Zentimeter des Grundstücks ausgenutzt“, sagt der Götzenhainer. Raab missfällt, dass das Mehrfamilienhaus bis an die Kante der Straße geplant ist, der Keller aus dem Erdgeschoss herausragt und er fürchtet allein beim Anblick der jetzt vorhandenen Bodenplatte, dass der Neubau aus dem restlichen Ortsbild des Altstadtkerns durch die Massigkeit heraussticht. „Es wird ein Monster“, ist Raab überzeugt.

Dreieich Götzenhain: Nachbarn wollen „Altbau-Charme" erhalten

Der Anwohner hat bereits bei Bürgermeister Martin Burlon und auch bei der Bauaufsicht des Kreises angefragt, ob das Projekt in dieser Auslastung genehmigt ist. Die zuständige Behörde in Dietzenbach erklärte ihm, dass mit der Baustelle nach Paragraf 34 alles in schönster Ordnung sei. Laut diesem Paragrafen kann gebaut werden, wenn es in einem Ortsteil keinen Bebauungsplan gibt. Dann müssen sich alle Bauherren an der Nachbarbebauung orientieren – dies sei auch in der Götzenhainer Friedensstraße geschehen. „Wir haben da keinerlei Möglichkeiten – rechtlich sind die Bauherren ganz auf der sicheren Seite. Sie haben alle Grenzen und Auflagen eingehalten. Aber schön ist es trotzdem nicht“, sagt Raab weiter. Er kann nicht verstehen, dass der Stadt Dreieich nicht daran gelegen sei, den Altstadt-Charme in Götzenhain zu erhalten.

Dreieich Götzenhain: Trotz Ärger im Dorf - Bauherren rechtlich abgesichert

Thilo Knöchel, einer der drei Bauherren, die das Projekt realisieren, versteht die Aufregung des Nachbarn nicht. „Hier entstehen durch die Revitalisierung eines abbruchreifen, alten Hauses elf dringend notwendige Mietwohnungen. Und das bei nahezu gleicher Ausnutzung des Grundstücks – wir überbauen lediglich acht Quadratmeter mehr“, sagt Knöchel. Die Grundflächenzahl liege bei rund 0,5, das sei ein kleinerer Faktor als bei einigen anderen Grundstücken im Götzenhainer Ortskern. Die Zahl 0,5 bedeutet, dass 50 Prozent der Grundfläche bebaut werden. Natürlich sei diese Ausnutzung optimal, aber mit der vorgeschriebenen Einhaltung von bis zu 4,50 Metern Abstand zu den Nachbargrundstücken sei mehr auch gar nicht möglich gewesen.

 Die Bauherren haben wirklich jeden Zentimeter des Grundstücks ausgenutzt.

Anwohner Gerhardt Raab

Auch bei der Ausdehnung in die Höhe halten sich Knöchel und seine Partner an die Bauwerke der Umgebung: Es entstehen ein Keller mit der Tiefgarage für zehn Autos, zwei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss. „Wir bleiben fast einen Meter niedriger als der gegenüberliegende Nachbar“, erläutert Knöchel weiter. Ein Parkplatz sei zusätzlich im Außenbereich geplant. Damit erfüllen die Bauherren auch die Stellplatzsatzung mit einem Platz pro Wohneinheit im Altstadtbereich.

Bauherren verteidigen Neubau in Dietzenbach: Götzenhainer Architektur soll beachtet worden sein

Knöchel weiß, dass ein Neubau immer auch Geschmacksache ist und Veränderungen manchmal skeptisch beobachtet werden – gerade vom engeren Umfeld. „Aber wir haben uns intensiv mit der Architektur beschäftigt und es war ein langer, planerischer Prozess mit der Stadt. Es wird ein schönes Gebäude, das sich hier gut einfügen wird. Hier entsteht neuer Wohnraum zur Vermietung, den wir in Götzenhain dringend brauchen“, betont er. Es handele sich keinesfalls um ein Projekt im Luxussegment. „Das Einzige, was wir uns leisten, sind viele bodentiefe Fenster und damit viel Licht in den Wohnungen.“

Grundsätzlich ärgert sich Knöchel über die Diskussion über eine angeblich zu hohe Ausnutzung in einem ohnehin schon historisch durch hohe Ausnutzung der Grundstücke geprägten Altstadtkern. Eine baurechtlich vollständige Ausnutzung der Grundstücke sei einfach notwendig, um bei den gegenwärtig extrem hohen Grundstückspreisen Wohnraum schaffen zu können. „Wir müssen nicht die Ausnutzung der Grundstücke zur Realisierung von Mietwohnungsraum erhöhen. Aber wir sollten über die Notwendigkeit einer alternativlosen Vorhaltung von Parkraum sprechen. Worüber wir in Dreieich nachdenken sollten, ist ein nachhaltiges Mobilitätskonzept, welches idealerweise einen Beitrag zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks leistet“, regt Thilo Knöchel an. (Von Nicole Jost)

Auch beim Kleingartenverein in Götzenhain gab es vor kurzer Zeit Ärger.

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