Partei lehnt Empfehlung für einen Kandidaten ab

Grüne bleiben bei Bürgermeister-Wahl am Spielfeldrand

Dreieich - Die Bürgermeisterwahl rückt näher, der Wahlkampf zwischen den vier Kandidaten nimmt Fahrt auf.

Nachdem sich die SPD zu Erstem Stadtrat Martin Burlon bekannt hat und die CDU ihre Stadtverordnetenvorsteherin Bettina Schmitt unterstützt, war es ganz spannend, wie sich die Grünen hinsichtlich einer Wahlempfehlung für den 28. Oktober verhalten würden.
Es gab unter den Mitgliedern nur eine kurze Diskussion, ob es sinnvoll ist, sich klar für einen der vier potenziellen Rathauschefs zu positionieren. Auch wenn es durchaus Stimmen für einen solchen Wahlvorschlag gab, entschied sich die Partei letztlich doch dagegen. Wer genau hin hörte, konnte am Donnerstagabend im Clubraum des Bürgerhauses aber doch eine klare Präferenz der grünen Mehrheit erkennen.

In der Diskussion ging es dabei nur um die beiden „etablierten“ Kandidaten Bettina Schmitt und Martin Burlon. Mit beiden hatte der Parteivorstand schon das Gespräch gesucht. Fraktionssprecher Roland Kreyscher fasste die Inhalte für die Parteimitglieder zusammen. Martin Burlon schätzt Kreyscher als einen verlässlichen Kooperationspartner ein, der in den vergangenen Jahren „grüne Themen“ wie das Klimaschutzkonzept sowie Mobilität und Radverkehr entscheidend vorangebracht habe. Auch zur RTW habe er sich in seiner Funktion als hauptamtlicher Stadtrat stark positioniert. „Aber auch der Dissens ist klar: bei der Diskussion um die Lettkaut hat sich Martin Burlon klar zu dem Projekt bekannt. Er hätte die Fehler des Bürgermeisters in der Kommunikation aber so vermutlich nicht gemacht“, ist Kreyscher überzeugt. Er schätzt Burlon auch nicht als einen Mann, der für neue Ideen steht und sie sprüht, sondern eher als einen, der den Weg weitergehen wird und mit dem man konstruktive Gespräche führen kann. „Allerdings wird er bei den Themen Kinderbetreuung und Stadtentwicklung angreifbar“, betonte Kreyscher, dass dort einiges im Argen liege, was bislang nicht gelungen sei zu lösen.

Bettina Schmitt lebe von ihrer Ausstrahlung, ihrer Energie, dem einnehmenden Wesen. „Die Frau hat Courage. Sie hat hervorragende Arbeit geleistet zu 40 Jahre Stadt Dreieich und bei der Leitung von Sitzungen“, lobte Kreyscher. Ihre politischen Schwerpunkte Kinderbetreuung, Wirtschaftsförderung und das Entwicklungspotenzial von Sprendlingen zu heben, seien allerdings nicht überraschend. Und letztlich stehe bei Schmitt CDU drauf und stecke auch darin: „Damit hat sie ein Glaubwürdigkeitsproblem. Denn in der Vergangenheit steht die CDU für Opportunität, sie hat bei der Haushaltskonsolidierung voll auf der Bremse gestanden und Schmitt hat die Ideen ihrer Partei immer mitgetragen“, so der Fraktionssprecher weiter. Er sehe, dass Bettina Schmitt mit ihrem Elektro-Smart mit „sexy grünem Mäntelchen“ auf das Klientel seiner Partei ziele. „Wir werden sie ernst nehmen bei den Themen Klimaschutz und Verkehrswende“, kündigte Kreyscher an.

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Auch die Fraktionskollegen Kreyschers bestätigten der CDU-Kandidatin eine gute Ausstrahlung, dass sie aber eine thematisch eher wachsweiche Haltung habe. Sie sei auch vor ihrem Engagement als Stadtverordnetenvorsteherin nicht unbedingt durch Initiativen und Anträge aufgefallen, die die Stadt entscheidend weitergebracht haben. Ein Minuspunkt, den die Grünen Schmitt außerdem ankreideten, dass sie in ihrem Wahlprogramm mit Bürgerbeteiligung werbe, aber in ihrer Funktion als erste Bürgerin der Stadt die obligatorischen Bürgerversammlungen weder 2017 noch 2018 einberufen habe.

Die Grünen einigten sich in ihrer Mitgliederversammlung darauf, dass sie keine Empfehlung geben, aber ihre Erfahrungen aus den Gesprächen und der Zusammenarbeit mit beiden Kandidaten weitergeben werden. „Wir wissen auch, dass wir mit beiden im Falle einer Wahl gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten können und werden. Beide müssen sich dann sowieso beweisen und liefern“, so Kreyscher. (zcol)

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