Wichtiger als Fahrrad und Computer

Kinderbüro on Tour - Grundschüler in Dreieich setzen sich mit Kinderrechten auseinander

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Die Kinder der Klasse 4c der Erich-Kästner-Schule kennen sich jetzt super mit Kinderrechten aus. Die Kinderbüro-Leiterin Andrea Walter (vorne links) ist begeistert, wie konzentriert die Grundschüler zum Thema arbeiten.

Die Klasse 4c der Erich-Kästner-Schule in Sprendlingen setzt sich intensiv mit den Kinderrechten auseinander. Andrea Walter, Leiterin des Dreieicher Kinderbüros, ist schon zum dritten Mal zu Gast bei den 21 Jungen und Mädchen und spricht mit ihnen über ihre Rechte.

Dreieich - Die Klasse 4c der Erich-Kästner-Schule in Sprendlingen ist auf einer Fantasiereise: Auf einem Schiff machen sie sich auf zu einem neuen Kontinent, als ein Sturm aufkommt. Sie können nur sicher ankommen, wenn sie das Boot von Ballast befreien. Viele beschriftete Zettel liegen auf den fünf Gruppentischen der Grundschüler. Es ist gar nicht so einfach, zu entscheiden, ob sie das Fahrrad, den Computer, Spielzeug, die Möglichkeit zur Bildung, sauberes Wasser, Ärzte, die Eltern oder Hamburger und Cola von Bord werfen. Andrea Walter, Leiterin des Dreieicher Kinderbüros, ist schon zum dritten Mal zu Gast bei den 21 Jungen und Mädchen und spricht mit ihnen über die Kinderrechte. In dieser letzten Unterrichtseinheit sollen die Kinder das, was sie brauchen, um sich gut und gesund entwickeln zu können von dem unterscheiden, was wünschenswert – aber nicht lebensnotwendig – ist.

Diskussionen verlaufen demokratisch 

Die Diskussionen in den Gruppen verlaufen demokratisch. Liv ist sich sicher, dass die Eltern keineswegs über Bord geworfen werden dürfen, auch Gesa ist überzeugt, dass sie Mama und Papa noch braucht. Ihre Gruppenpartner Paul und Luca sind sich einig mit den Mädels und werfen beherzt Computer, Fernseher und sogar das eigene Zimmer über die Reling.

Bei der Präsentation der Poster am Ende der Stunde haben die Inseln, die die Kinder dank ihrer Entscheidungen sicher erreicht haben, Namen wie „Insel der Freiheit“, „Traumseeinsel“ oder auch „Insel der fünf Gangster“. Inhaltlich unterscheidet sich die Auswahl der wichtigen Dinge, die auf den Postern stehen, nur ganz marginal: Eltern, Ärzte, das Recht auf Bildung oder der Schutz vor Misshandlung, warme Kleidung, Medikamente und Impfungen, die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung und sauberes Wasser ist auf allen Inseln zu finden.

Als Übung sollen die Grundschüler entscheiden, welche Gegenstände und Werte sie mit auf eine einsame Insel nehmen würden – also, welche am wichtigsten sind.

Wissen über 42 Kinderrechte vermittelt

Natürlich sind die Schüler auf diese Aufgabe schon vorbereitet: In den vergangenen Wochen haben sie alles über die insgesamt 42 Kinderrechte gelernt, die wichtigsten zehn Rechte hängen auf einem großen Plakat im Klassenraum aus. Gemeinsam mit Andrea Walter haben sie besprochen, dass es ihren Altersgenossen in vielen anderen Ländern nicht so gut geht wie ihnen, dass insbesondere das Recht auf Bildung in vielen Ländern nicht verpflichtend ist und Kinder eben nicht zur Schule gehen.

Seit zwei Jahren ist Andrea Walter mit ihrer sechsstündigen Unterrichtseinheit über Kinderrechte unterwegs in der Stadt. Mit den beiden orangefarbenen Fischen Cleopatra und Cäsar lernen die Grundschüler das Recht auf Schutz vor Ausbeutung, Schutz vor Gewalt, auf Spiel und Freizeit oder Schutz im Krieg und auf der Flucht kennen. Pro Halbjahr führt sie diese wichtigen Regeln in den dritten oder vierten Klassen einer Grundschule ein und bespricht auch, was diese Rechte für ihre Lebenswelt bedeuten. „Das Vorwissen ist sehr unterschiedlich. Viele Kinder haben noch nichts über Kinderrechte gehört, andere haben sich schon mit den Eltern Zuhause damit befasst“, berichtet Walter. „Aber die Kinder sind interessiert und nehmen diese Rechte sehr ernst. Wir besprechen auch, was wir für die Kinder tun können, die von Krieg und Flucht betroffen sind.“

Demokratie und Mitbestimmung in der Erich-Kästner-Schule in Dreieich

Klassenlehrerin Gabi Rannow ist begeistert über die Mitarbeit ihrer 4c: „Das ist ohnehin eine Klasse, die sehr konzentriert arbeiten kann. Aber sie haben die zehn wichtigsten Rechte toll herausgearbeitet und haben sich auch immer auf Frau Walter gefreut.“ Demokratie und Mitbestimmung haben an der Erich-Kästner-Schule einen festen Stellenwert, betont die Lehrerin. Die Kinder seien es gewohnt, im Klassenrat gemeinschaftlich Verantwortung für gemeinsame Entscheidungen zu übernehmen. Wenn am Ende einer solchen Kinderrechts-Stunde dann ein Schüler zu Walter sagt: „Das war schöner als zwei Stunden Sport und Sport ist mein Lieblingsfach“, ist die Leiterin des Kinderbüros glücklich. Die Schüler der 4c sind jetzt Kinderrechts-Experten und können dies mit dem Kinderrechte-Pass von Unicef, den sie bekommen haben, belegen.

von Nicole Jost

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