Ihre Zeit ist gekommen

Haaner Kerbborschen fiebern dem Start des Traditionsfests entgegen

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Die Jungs können’s kaum erwarten; von links, sitzend: Philipp Paetsch, Luis Trautmann, Mathis Piatkowski, Hendrik Scheuplein, Linus Köhler; stehend: Abel Tesfaye, Jannik Berk, Ben Wilczek, David Polloczek, Lukas Fartak, Randy Vogel, Jonas Hubeler, Rick Schneider, Paul Grasse, Marcel Schaum, Pascal Freund, Moritz Janek und Moritz Rapp. Auf dem Bild fehlen Samuel Alfort, Nicolas Gil, Tom Merz und Simon Pache.

Er ist im Durchschnitt 1,77 Meter groß, hat zu 49,92 Prozent braune Augen und zu 40,9 Prozent die Kerbtradition im Blut – der Haaner Kerbborsch 2019.

Dreieich – Für Kerbvadder Mathis Piatkowski, seinen Stellvertreter Luis Trautmann und ihre 20 Burschen steigt das Adrenalin jetzt stündlich. Sie können es kaum mehr erwarten, dass sie singend ins Zelt mit den jubelnden Besuchern einmarschieren und Mathis mit hoffentlich gezielten Schlägen das Bier zum Fließen bringt.

„Das ist der Moment, auf den wir seit mehr als einem Jahr hinarbeiten, wir träumen davon und freuen uns unermesslich darauf“, beschreibt der Kerbvadder die Gefühle der Jungs. „Wir haben das im Jubiläumsjahr in unseren Vorkerbborschen-T-Shirts vor dem Zelt miterlebt – schon das war einmalig. Jetzt ist unsere Zeit gekommen“, ergänzt Luis.

Sorge, dass die 301. Kerb vielleicht nicht so grandios wird wie die 2018er Ausgabe, haben sie nicht. „Schließlich ist es der Eintritt in ein neues Kerbjahrhundert“, sagt Bembelträger Randy Vogel. Außerdem sei es ihre ganz eigene Veranstaltung – „deswegen wird es sowieso die allergeilste Kerb, die Dreieichenhain je gesehen hat“, sind sich die Jungs einig. Die traditionellen Lieder sitzen, das Marschieren klappt, die Fahne steht bereit und die Gruppendynamik sei ohnehin unschlagbar: „Wir haben uns zu einem großartigen Team zusammengefunden. Wir hatten schon eine geniale Vorkerb. Die Vorbereitungen sind perfekt gelaufen“, stellt Mathis seinen Mitstreitern ein gutes Zeugnis aus.

22 junge Männer zählt die Gruppe. Ein paar wenige seien nach der Vorkerb verloren gegangen, zwei Jungs sind erst nach dem Jubiläum dazu gestoßen „Wir sind wie eine große Familie, erfahren viel Unterstützung von den älteren Jahrgängen und sind einfach nur noch voller Vorfreude. Die kommenden Tage werden wir unser ganzes Leben nicht vergessen“, ist Luis Trautmann überzeugt. Das habe im vergangenen Jahr das Jahrgangstreffen am Pfingstmontag bewiesen. Es sei sehr berührend gewesen, zu sehen, dass die Jahrgänge ewig miteinander verbunden bleiben: „Wir haben erlebt, wie sich Kerbborschen aus den 60er und 70er Jahren heute noch über diese Zusammentreffen und die Kerb freuen – ich glaube, das ist etwas ganz Einmaliges für unseren Ort“, so Luis.

Die Mehrzahl der Kerbborschen stammt und lebt übrigens in Dreieichenhain – 17 der 22. Es gibt also auch fünf „Kerbtouristen“: zwei kommen aus Sprendlingen, einer aus Götzenhain, einer aus Neu-Isenburg und einer aus Köln. „Aber alle“, so betont der Kerbvadder, „haben ihre Wurzeln im Hayn“. Der „Kölner Jong“ hat einen Papa, der selbst schon Kerbborsch war und wurde in der Mitte der Gruppe aufgenommen. So haben alle „Auswärtigen“ einen ähnlichen Bezug zu den Feiertagen. „Viele von uns führen eine Familientradition weiter. Väter, Onkel, Cousins oder vielleicht schon die Großväter sind singend durch die Altstadt gezogen. Bei mir war das nicht so, ich beginne jetzt eine neue Tradition“, sagt Mathis mit einem Grinsen.

Jetzt fiebern die 22 Buben erst einmal dem morgigen Freitagnachmittag entgegen. Sie hoffen, dass die Baumaufstellung reibungslos gelingt. Um die richtige Positionierung der Kerbpuppe machen sie sich keine Sorgen: Kletterer David Polloczek, davon sind sie überzeugt, wird sie sicher am Baum anbringen.

VON NICOLE JOST

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