Von den Abgründen des Lebens

Tragik und Komik gehen bei Frank Kunert Hand in Hand

Ab ins Reich der Träume: In seinem Werk „Ein Kindheitstraum“ hat Kunert eine Kinderwiege motorisiert.

Fünf Jahre lang mussten die Dreieicher warten, jetzt können sie sich auf weitere Geniestreiche von Frank Kunert freuen.

Dreieich – In seiner Ausstellung „Schöne Bescherung!“ präsentiert der in Buchschlag aufgewachsene Künstler mehr als 40 neue Werke, mit denen er die Welt einmal mehr ad absurdum führt. Wo ein gemütliches Schlafzimmer unter Grabsteinen erscheint, sich ein Mobiltelefon als fliegende Telefonzelle präsentiert oder ein Brückenpfeiler zum Einfamilienhaus wird, da ist der 55-Jährige nicht weit.

Eigentlich sind es dreidimensionale Karikaturen, die Kunert in lustvoller Kleinarbeit fertigt, freilich nur, um ihnen anschließend per Fotografie wieder eine Ebene zu klauen. Dass die fertigen Werke dennoch fantastisch plastisch wirken, verdankt er seiner Ausbildung zum Fotografen. „Wir haben damals viel Produktfotografie gemacht“, sagt Kunert, der vor gut drei Jahrzehnten in einem Langener Studio sein Handwerk erlernte. Ungezählte Stunden hat er früher damit verbracht, HiFi-Komponenten ins rechte Licht zu setzen. „Das kommt mir heute zugute, denn schließlich geht es auch in der Werbefotografie darum, Illusionen zu erzeugen“, erzählt er.

Als Werbefotograf arbeitet Kunert mittlerweile nur noch selten. Längst hat er es mit seinen Installationen zu internationaler Bekanntheit gebracht und neben seinen Ausstellungen mehrere Bildbände, ein Memo-Spiel und zahlreiche Postkarten herausgegeben.

Dass er jetzt schon zum zweiten Mal in seiner Heimatstadt ausstellt, ist einem Zufall zu verdanken. Museumsleiterin Corinna Molitor war vor gut fünf Jahren durch einen Fernsehbericht, den sie im Urlaub gesehen hatte, auf ihn aufmerksam geworden. Ohne zu wissen, dass der Mann in Dreieich aufgewachsen ist, rief sie ihn an. Und Kunert war sofort begeistert – 2014 war er mit seiner ersten Ausstellung namens „Wunderland“ im Burggarten am Start.

„Ich mache mir eigentlich ständig Gedanken über diese absurde Welt“, sagt Kunert. Sobald sich eine Idee verfestigt, macht er Skizzen, baut ein Modell, was schon mal zwei Wochen oder auch zwei Monate in Anspruch nehmen kann – und dann baut er das Sujet in seinem Fotostudio auf. Was dabei herauskommt, ist ab der Vernissage am 8. November, 18 Uhr, bis zum 12. Januar im DreieichMuseum zu bestaunen.

Von Marc Strohfeldt

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