Verantwortlich für die Verödung?

Zoff um Leserbrief: ADFC-Vorsitzende bezieht Stellung zu "rabiaten Radlern"

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Sind Fahrräder für die Verödung der Innenstädte verantwortlich?

Der ADFC-Dreieich ist sauer: Ein Leserbrief macht die Radfahrer für das Veröden der Innenstädte mit verantwortlich. Der Vorsitzende nimmt Stellung.

Dreieich – 70 bis 80 Prozent der Radfahrer ignorierten Ampelanlagen und die Straßenverkehrsordnung – diese Behauptung hat Horst Göckel in einem Leserbrief aufgestellt. Nach seiner Meinung tragen rabiate Radler eine Mitschuld daran, dass Innenstädte veröden, weil Fußgänger stets auf der Hut sein müssten, nicht angefahren zu werden – und deshalb das „gefahrlose“ Shoppen in Einkaufscentern bevorzugten. Damit hat Göckel eine Stellungnahme des ADFC quasi herausgefordert.

ADFC-Vorsitzender verteidigt Dreieicher Radler

An der Darstellung gibt es nach den Worten von Bernd Kiefer einiges zurechtzurücken. „Herr Göckel schießt weit über das Ziel hinaus. Wäre es tatsächlich so, dass die überwiegende Mehrheit der Dreieicher Radler die Verkehrsregeln ignoriert, hätten wir mehr Unfälle zu verzeichnen, was zum Glück nicht der Fall ist. Die Unfallstatistik der Polizei macht hierzu klare Aussagen“, stellt der ADFC-Vorsitzende fest.

Städte seien nicht, wie von Göckel postuliert, in erster Linie für Fußgänger gebaut. Kiefer: „Seit Kriegsende folgten Stadt- und Verkehrsplaner dem Prinzip der autogerechten Stadt.“ Das ändere sich nur langsam und wenig überzeugend, wie man zum Beispiel an den Planungen zum Umbau der August-Bebel-Straße sehen könne. „Je nach Entscheidung der Stadtverordneten kann es passieren, dass auf der einen Seite der Radverkehr mit dem Fußverkehr vermischt wird, auf der gegenüberliegenden Seite mit dem Kfz-Verkehr. 

Mehr Platz für Autoparkplätze? Der Raum gehört uns allen!

Und alles nur, um im öffentlichen Raum neun Stellplätze für Pkw zu schaffen, obwohl an anderer Stelle ausreichend Parkflächen vorhanden sind. Hier wird Raum, der uns allen gehört, denen zur Verfügung gestellt, die ohnehin den meisten Platz einnehmen“, urteilt Kiefer. So gerate der Radverkehr in der Verkehrsinfrastruktur zwischen die Fronten. „Oder es gibt gar keine Wege. Dann darf man sich nicht über das Chaos wundern oder ärgern.“

Kiefer hält fest, dass Kinder bis zum Alter von zehn Jahren auf dem Gehweg fahren dürfen. Erwachsenen ist das erlaubt, wenn sie ein radelndes Kind unter zehn Jahren begleiten. Alle anderen Verkehrsteilnehmer müssten die dafür vorgeschriebenen Wege benutzen. „Warum es einige nicht tun, könnte Herr Göckel als zukünftiger ehrenamtlicher Fußverkehrsbeauftragter der Stadt ergründen. Er könnte zum Beispiel die Radlerin, die gerade ihre Einkäufe verstaut und gewiss keine Rüpelradlerin ist, fragen, warum sie auf dem Gehweg fährt. Wir kennen die häufigsten Antworten: Angst vor dem Kfz-Verkehr, keine durchgängige Infrastruktur für Radler, manchmal auch Bequemlichkeit“, schildert Kiefer.

Radverkehr in Dreieich: Alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt

Und noch einen Seitenhieb kann sich der ADFC-Chef nicht verkneifen: „Bevor Herr Göckel sich als Beauftragter für Fußgänger beim Magistrat bewirbt, sollte er allerdings zur Kenntnis nehmen, dass alle Handlungsempfehlungen, die am Runden Tisch Radverkehr Dreieich erarbeitet werden, auch die Belange der Fußgänger sowie aller anderen Verkehrsteilnehmer berücksichtigen. Ein gutes Beispiel dafür ist in Buchschlag die Kreuzung Hainer Trift/Bogenweg/Ernst-Ludwig Allee, die umgestaltet wurde, als die Fahrradstraße angelegt wurde.“  fm

Ein Heimweg nimmt für einen Mann in Dreieich (Kreis Offenbach) eine schreckliche Wende. Er muss verletzt in eine Klinik. Ein winziges Detail verrät die Täter.

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