Alte Bekannte machen gute Laune

A-cappella-Formation wird bei den Burgfestspielen frenetisch gefeiert

Meister ihres Fachs: Daniel „Dän“ Dickopf, Clemens Schmuck, Björn Sterzenbach, Ingo Wolfgarten und Nils Olfert (von links) sind Alte Bekannte. 
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Meister ihres Fachs: Daniel „Dän“ Dickopf, Clemens Schmuck, Björn Sterzenbach, Ingo Wolfgarten und Nils Olfert (von links) sind Alte Bekannte.

Witzig, charmant, stimmgewaltig – die Mischung passt an diesem Samstagabend im Burggarten. Das A-cappella-Pop-Quintett Alte Bekannte bereitet den Besuchern bei den Burgfestspielen in Dreieichenhain höchst unterhaltsame Stunden. 

Dreieich – Mit ihren überwiegend selbst komponierten Liedern verbreiten die Fünf gute Laune, nur ab und an schlägt das Pendel ins Melancholisch-Nachdenkliche aus.

Wer die Vorgeschichte nicht kennt: Drei der fünf Sänger gehören bis zur Auflösung im Sommer 2017 den überaus erfolgreichen Wise Guys an. Nils Olfert (Tenor), Björn Sterzenbach (Bass) und Daniel „Dän“ Dickopf wollen keine kreative Pause einlegen und machen sich auf die Suche nach zwei Sängern, um die Geschichte fortzuschreiben. Sie finden Ingo Wolfgarten und Clemens Schmuck (beide Bariton) – die Alten Bekannten sind geboren. Nach 2018 tritt die Gruppe nun zum zweiten Mal auf der Bühne im Burggarten auf – und wird erneut frenetisch gefeiert.

Das Publikum geht richtig mit

Das Publikum klatscht schon rhythmisch, als die Herren in schwarzen Anzügen auf die Bühne kommen. „Hi hi hi“ ist ein fetziger Opener, der Lust auf mehr macht. Aus Michael Jacksons „Billie Jean“ wird bei den Alten Bekannten „Billig-Jeans“ und Ingo Wolfgarten zeigt zur Freude der Fans, dass er auch den Moonwalk beherrscht. Aus Nat King Coles „Unforgettable“ macht das Quintett „Unprofessional“ – inklusive jeder Menge Faxen und Grimassen. Herausragend hier: Björn Sterzenbach. Clemens Schmuck, Meister der Beatbox, singt vom kleinen Terroristen, der seinen Eltern Schlaf und Nerven raubt – aber natürlich mehr als alles andere auf der Welt geliebt wird.

Daniel „Dän“ Dickopf moderiert geistreich und launisch. Gerade erst ein paar Tage zuvor ist das zweite Album der Band erschienen – „Das Leben ist schön“ stieg auf Anhieb auf Platz neun der deutschen Albumcharts ein. A cappella ist en vogue.

Weil das Leben aber nicht immer schön ist, wird es im Halbrund ganz still, als Dickopf erzählt, dass er einmal unter Depressionen gelitten hat. Daraus entstand der Song „Nur du allein“, eine eindringliche Ballade. Mit Volldampf nach vorne geht’s bei „Ich habe kein Tattoo“, bei dem Ingo Wolfgarten erneut komödiantisches Talent zeigt.

Penny Lane in hundertfachem Chor

Herrlich swingend kommt „Ich hab’ ne Montagsallergie“ rüber. Zur Singstunde gerät ein Coversong der berühmtesten Boygroup überhaupt. Wer jetzt an die Backstreet Boys oder so denkt, ist natürlich schief gewickelt. Bei „Penny Lane“ von den Beatles stimmt ein mehrhundertfacher Chor ein – es ist einer der schönsten Momente des Abends.

Je länger der dauert, umso mehr drehen die Fünf auf der Bühne auf. Absoluter Kracher ist der Titelsong des ersten Albums „Wir sind da!“, bei dem Olfert zur Rampensau wird und es niemanden mehr auf dem Sitz hält. Auch jetzt gibt’s noch mal eine gemeinsame Chorstunde, mal laut, mal ganz leise summend – da können sich selbst männliche Gesangsmuffel, die ihrer Frau zuliebe mitgegangen sind, nicht entziehen. Mit der wunderbar-ironischen Ode „Die schönste Stadt“ (in dem Fall selbstredend Dreieich) verabschieden sich die Alten Bekannten – vielleicht bis zum nächsten Jahr.

Frank Mahn

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