Spurensuche in Dreieich

Nach Fund von Weltkriegs-Bunker: Archäologen untersuchen Inneres

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In Dreieich wurde bei Bauarbeiten ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt.

In Dreieich haben Bauarbeiter einen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Bezirksarchäologe Thomas Becker verrät nun im Interview, wie es mit dem Bunker weitergeht.

Dreieich - Bei den Bauarbeiten zur Neuen Mitte in Sprendlingen wurde ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Der Bauherr wollte diesen zunächst öffnen, doch das Landesamt für Denkmalpflege verhinderte das. Bevor er abgerissen werden darf, muss er dokumentiert werden. 

Thomas Becker, Bezirksarchäologe in der Darmstädter Außenstelle des Landesamts, erklärt, wie das nun abläuft.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Bunker und was ist Ihre Aufgabe dabei?

Durch den Fund des Bunkers im Rahmen der Baumaßnahme ist dieser als Bodendenkmal nach dem hessischen Denkmalschutzgesetz eingestuft worden. Im Rahmen der Abwägung des laufenden Bauprojektes haben wir in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Kreis Offenbach entschieden, dass der Bunker beseitigt werden kann, wenn er vor der Zerstörung fachgerecht dokumentiert wird. Diese Dokumentation durch eine archäologische Fachfirma läuft derzeit. Meine Aufgabe als Bezirksarchäologe beim Landesamt für Denkmalpflege ist die fachliche Bewertung solcher Funde und die Einschätzung von deren Schutz- und Erhaltungsnotwendigkeit.

Thomas Becker Bezirksarchäologe

Ist ein Bunkerfund bei solchen Bauarbeiten etwas Besonderes oder für Sie als Fachmann nicht außergewöhnlich?

Bunker, vor allem solche unter der Erde, treten nicht häufig bei Baumaßnahmen zutage – allerdings sind sie keine absolute Seltenheit. Oftmals ist es schon im Zusammenhang eines Bebauungsplan- oder Baugenehmigungsverfahrens klar, dass ein Bunker auf einem Grundstück liegt, wenn entsprechende Informationen der Kommune oder dem Denkmalschutz vorliegen.

Wie lange dürfte die Untersuchung und Dokumentation des Bunkers dauern?

Wir schätzen in Abstimmung mit der Fachfirma, dass die Maßnahme etwa 14 Tage dauert, wobei ein Großteil der Zeit für die Beräumung des Bunkerinneren benötigt wird.

Welche Funde sind bei der Öffnung des Bunkers zu erwarten?

Die Begehung des Bunkers hat gezeigt, dass dieser in der Nachkriegszeit als Lagerraum der benachbarten Firmen genutzt wurde. Hiervon waren noch einige Spuren zu finden. Die eigentliche Einrichtung des Bunkers für seine Nutzung als Luftschutzraum war bereits in der Nachkriegszeit ausgebaut worden. Es fanden sich bisher lediglich Spuren der ursprünglichen Belüftung der Anlage.

Das Interview führte Julia Radgen.

Vor rund zwei Wochen entdeckten Bauarbeiter den Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg in Dreieich. Auch die Denkmalpflege äußerte sich dazu.

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