Ende des Dornröschenschlafs

Wenn im November in Offenthal Kerb gefeiert wird, leben alte Bräuche wieder auf

+
Wir wollen keine Eintagsfliege sein. Es soll künftig jedes Jahr Kerbburschen geben. Dominik Weilmünster Mit-Organisator Beim Gemaafest im Juni hatten die Kerbburschen ihren ersten öffentlichen Auftritt. Mittlerweile ist die Gruppe deutlich angewachsen und zählt rund 20 junge Männer.

Im November feiern die Offenthaler wieder Kerb. Dieses Jahr ist vieles anders, dank dem Engagement drei junger Männer aus Offenthal.

Offenthal – Die Offenthaler Kerb ist nicht gerade das, was man einen Publikumsmagneten nennt. Es sind überwiegend die Kinder, die auf den kleinen Festplatz am Feuerwehrhaus drängen, eine Runde Karussell fahren und Zuckerwatte schlecken wollen. Und bei der Jugend ist natürlich der Autoscooter beliebt.

Susgo und Musikverein haben in den vergangenen Jahren schon versucht, das Fest Anfang November mit einem musikalischen Frühschoppen attraktiver zu machen. Ebenso die Feuerwehr, die Jugendliche und junge Erwachsene mit der Halloween-Party lockt. Aber den ganz großen Durchbruch hat die Traditionsveranstaltung mit Höhepunkten wie in längst vergangenen Tagen, als die Kerb noch das gesellschaftliche Ereignis war, nicht wieder erlebt.

Offenthal: Traditionen wiederbeleben

Das soll sich jetzt ändern. „Wir wollen der Offenthaler Kerb ihre Bedeutung zurückgeben und Traditionen aufleben lassen“, kündigt Dominik Weilmünster an. Der Offenthaler hat gemeinsam mit Sebastian Krebs und Björn Jost die Fäden in die Hand genommen, um die Kerb wieder wachzuküssen. Ein Schritt auf dem Weg dahin ist die Gründung eines Vereins. Momentan liegen die Unterlagen beim Amtsgericht in Langen.

Die Initiatoren können mit einem mächtigen Pfund wuchern. Erstmals seit 1971 wird es im Stadtteil wieder Kerbburschen geben. „Wir haben mit einigen der Herren von damals gesprochen und sie haben uns erzählt, wie es war. Sie haben uns in unserer Idee bestärkt und zugesagt, dass sie uns unterstützen“, berichtet Sebastian Krebs.

Die Kerbburschen sind mit dabei

Beim Gemaafest hatten die Kerbburschen ihren ersten öffentlichen Auftritt, um sich vorzustellen und die Werbetrommel zu rühren. „Wir sind auf einem sehr guten Weg, haben schon an die 20 Jungs zusammen, die bereit sind, sich für die gute Sache zu engagieren“, ist Weilmünster zufrieden. Geplant ist ein Fahnenjahrgang, also Männer ab 18, die Lust haben, alte Kerbbräuche wieder zu initiieren – ohne Altersgrenze nach oben. „Natürlich wäre es schön, wenn wir jedes Jahr einen Jahrgang von 18- bis 19-Jährigen finden würden. Das ist in Offenthal aber illusorisch, dazu ist der Stadtteil zu klein. Aber wir wollen keine Eintagsfliege sein, es soll künftig jedes Jahr Kerbburschen geben“, kündigt Weilmünster an.

Gefeiert wird die Kerb vom 1. bis 5. November. Die Kerbburschen machen übers Wochenende Programm, dazu soll auch ein Zelt gestellt werden. Aufstellung eines Kerbbaums am Festplatz, Verkauf von Bäumchen, damit der Stadtteil über die Festtage schön geschmückt ist, und Action im Zelt. „Für Freitag- und Samstagabend ist Livemusik geplant“, schildert Weilmünster. Auch die Kirche soll wieder stärker eingebunden werden, mit Pfarrer Marcus Losch sind die Organisatoren im Gespräch.

Frühschoppen bei der Kerb

Für den Sonntagvormittag ist ein Frühschoppen mit einem gemeinsamen Singen vorgesehen. Es gebe viele alte Offenthaler Kerblieder, die es wert seien, wieder gesungen zu werden, so Weilmünster. Denn was viele Einwohner des Stadtteils nicht wissen: Die Kerbtradition reicht mehrere Jahrhunderte zurück.

Natürlich müssen die Initiatoren sehen, wie groß sie das Programm aufziehen können. Die Verpflichtung von Bands ist ja auch eine Kostenfrage. Nachbarschaftliche Tipps haben sich die Offenthaler in Götzenhain geholt. Dort ist es dem Kerbverein in den vergangenen Jahren gelungen, ihrer Kerb zu altem Glanz zu verhelfen.

Auch Träumen ist erlaubt: Wenn die „neue“ Kerb gut ankommt, können sich die Kerbborschen vorstellen, den Termin langfristig nach vorne zu verlegen. Im November ist es doch oft schon arg kalt. Der größte Wunsch wäre, den Kerbplatz in die Ortsmitte zu holen, wo das Fest früher gefeiert wurde. „Aber jetzt müssen wir erst einmal sehen, wie es überhaupt läuft. Also ein Schritt nach dem anderen“, sagt Sebastian Krebs schmunzelnd.

Wer die jungen Männer unterstützen möchte, kann sich mit einer E-Mail an Kerbverein@owwedal.de mit ihnen in Verbindung setzen. Weitere Mitstreiter, ob als Kerbborsch oder als Mitglied im Verein, sind natürlich willkommen. Heute Abend (06.09.2019) ab 20 Uhr ist wieder Stammtisch im Billard-Bistro „Capon’s“.
VON NICOLE JOST UND FRANK MAHN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare