Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club

Fahrrad-Klima-Test 2018: Dreieich tritt nicht mehr auf der Stelle

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Als positives Beispiel für die Förderung des Rad- und Fußgängerverkehrs bewertet der Dreieicher ADFC die Verbreiterung des Verbindungswegs zwischen Berliner Ring und Sudetenring. Seit dem Ausbau im vergangenen Jahr kommen sich die Nutzer nicht mehr ins Gehege.

Rang drei hessen-, Rang zehn bundesweit in der Städtekategorie 20 000 bis 50 000 Einwohner – Dreieich hat beim Fahrrad-Klima-Test 2018 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs gut abgeschnitten. VON FRANK MAHN

Dreieich - „Unsere Arbeit kommt bei den Radfahrern an“, sagt Bernd Kiefer, Vorsitzender des örtlichen ADFC.

Dreieich – Die Ergebnisse des bundesweiten Fahrrad-Klima-Tests sprechen für Kiefer eine deutliche Sprache. „Deutsche Kommunen tun sich schwer mit der vielzitierten Verkehrswende. Eine konsequente Förderung alternativer Mobilitätsformen wie des Radverkehrs ist nur in wenigen Städten zu erkennen.“ Umso erfreulicher, dass Dreieich sich positiv gegen den Trend entwickelt hat, auch wenn viel Luft nach oben ist.

170 000 Radler hatten sich an der Umfrage beteiligt, 40 Prozent mehr als 2016. Sie haben 683 Kommunen bewertet (2016: 539). Das Resultat ist aus Sicht des ADFC alarmierend: Die Note für die Fahrradfreundlichkeit sank von 3,81 auf 3,93. Damit ist das Radklima in Deutschland nur ausreichend. Auch das Sicherheitsgefühl hat sich auf 4,16 verschlechtert.

Die Vermutung liegt nahe, dass bei einer vom ADFC initiierten Umfrage das Ergebnis von dessen bundesweit knapp 180 000 Mitgliedern geprägt wird. Stimmt aber nicht. Tatsächlich machen sie mit 15 Prozent nur einen kleinen Anteil aus. 74 Prozent der Teilnehmer fahren täglich Rad, kennen die Bedingungen vor Ort aber auch aus der Autofahrerperspektive, denn drei Viertel haben einen Pkw zur Verfügung.

In Dreieich haben 110 Leute den Fragebogen zurückgeschickt. Sie haben ihre Stadt vergleichsweise positiv bewertet. Hatte Dreieich bei den Umfragen 2012, 2014 und 2016 auf der Stelle getreten, ist nun bei der Note eine Verbesserung um 0,2 auf 3,2 (genau 3,18) zu verzeichnen. Im Städteranking der anfangs genannten Ortsgrößenklasse kommen aus Hessen nur Baunatal (Note 2,7) und Mörfelden-Walldorf (3,17) besser weg. Die Nachbarn aus Langen und Neu-Isenburg rangieren unter insgesamt 311 Kommunen auf Platz 100 (3,72) und 127 (3,81).

Neue Wege, Schutzstreifen, Radparker – in Dreieich hat sich in jüngster Zeit einiges getan – und das wird jetzt offensichtlich wahrgenommen. Die teilweise angespannte finanzielle Lage der Stadt ließ zwar lange Zeit keine großen Sprünge bei der Förderung des Radverkehrs zu, aber viele kleine Schritte, gekrönt vom Leuchtturmprojekt Fahrradstraße, zeigen auch Wirkung. „Das ist ein tolles Ergebnis, das mich im Hinblick auf unsere Arbeit am Runden Tisch Radverkehr auch ein bisschen stolz auf das gemeinsam Erreichte macht“, sagt Bürgermeister Martin Burlon.

Gut bewertet haben die Dreieicher Teilnehmer unter anderem die Fahrrad-Förderung, die Zahl der für Radler geöffneten Einbahnstraßen, die Erreichbarkeit des Stadtzentrums und die Wegweisung. Defizite sehen sie vor allem bei den Ampelschaltungen, den Kontrollen von Falschparkern auf Radwegen, der Breite der Wege und der Führung an Baustellen.

ADFC-Chef Bernd Kiefer ist ebenfalls erfreut, aber keinesfalls zufrieden. „Dieses Ergebnis wird uns anspornen, weiterzumachen. Schulnote 3 ist Mittelmaß, wir wollen eine 2. Um dies zu erreichen, wünschen wir uns weitere Mitglieder, die uns unterstützen und den Rückenwind geben, den wir brauchen, um Stadtverwaltung und Politik immer wieder aufs Neue davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, den Radverkehr zu fördern.“

Dieter Fröhlich, ehrenamtlicher Radverkehrsbeauftragter der Stadt, ist von Enthusiasmus weit entfernt. „Wir schneiden gut ab, weil die anderen schlechter sind. Das Gesamtbild und die Entwicklung geben Grund zur Sorge. Das wundert mich auch nicht, denn so lange Menschen Angst haben und sich scheuen, mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilzunehmen, steigen sie auch nicht um. Hier müssen wir dringend ansetzen und sichere Wege für den Radverkehr schaffen. Das gilt auch für Dreieich. Und da wünsche ich mir von Politik und Verwaltung mehr Mut. Es geht nun mal nicht ohne Konflikte, wenn man wirklich etwas verändern will. Die Förderung des Radverkehrs in einer Automobil-Nation ist ein zähes Geschäft.“

Infos im Internet

adfc-dreieich.de

VON FRANK MAHN

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