Weibelfeldschüler beteiligen sich an Demo

Laut und bunt für den Klimaschutz

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Da wird immer davon gesprochen, wie wichtig es ist, dass wir uns für die Gesellschaft einsetzen. Und jetzt wird uns das verwehrt. Daniel Einenkel Weibelfeldschüler Seite an Seite mit anderen Schülern streiken – darauf freuen sich (von links) Katja Condado-Sauer, Hannah Schulte-Sasse und Daniel Einenkel. Für ihre Teilnahme an der Klima-Demo werden allerdings Fehlstunden fällig.

Kämpferisch blickt Greta Thunberg vom Display des Laptops im Medienraum der Weibelfeldschule Dreieich. Vor dem Computer sitzen Schulsprecherin Hannah Schulte-Sasse und ihre Mitschüler Daniel Einenkel und Katja Condado-Sauer.

Dreieich – Sie beraten, wie sie die engagierte Klimaschutzaktivistin aus Schweden und ihre Bewegung „Fridays for future“ unterstützen können. Heute sind Schüler weltweit zu Demonstrationen für das Klima aufgerufen – eine davon ist in Frankfurt.

„Da musste erst eine 16-Jährige kommen, um richtig Kraft in die Diskussion um den Klimaschutz zu bringen“, sagt Schulte-Sasse kopfschüttelnd. „Das ist doch wirklich verrückt, wie sie es innerhalb nur weniger Monate geschafft hat, dass sich auf der ganzen Welt junge Leute für die gute Sache vernetzen. Allein die Regionalgruppe in Frankfurt hat inzwischen 1250 Mitglieder in fünf WhatsApp-Gruppen“, berichtet die Chefin der Schülervertretung an der Gesamtschule.

Die drei Zwölftklässler werden auf jeden Fall heute Mittag dabei sein, wenn sich möglicherweise tausende Jugendliche aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet in Frankfurt versammeln, um für einen aktiven Schutz der Umwelt zu demonstrieren. „Wir müssen Präsenz zeigen!“, sind sie sich einig. Im Team haben sie beraten, wie sie möglichst viele Dreieicher Mitschüler dazu bewegen, sich der Demo, die um 12 Uhr an der Bockenheimer Warte startet, anzuschließen. „Unsere erste Idee war es, dass der komplette Powi-Leistungskurs mitkommt. Dass wir es wie einen Ausflug organisieren“, sagt Einenkel. Aber so viel Rückendeckung gab es von der Schule dann doch nicht. Das findet der 19-Jährige traurig: „Da wird immer davon gesprochen, wie wichtig es ist, dass wir uns für die Gesellschaft einsetzen. Jetzt wollen wir das tun und uns für Klimaschutz positionieren – und das wird uns verwehrt. Das ist fragwürdig“, findet der Schüler. „Ja, da hast du recht,“, bestärkt ihn Condado-Sauer, „jetzt können wir live dabei sein und müssen eine Entschuldigung einreichen, das ist echt dämlich“.

Es gebe Klassenausflüge ins Kino und auf den Weihnachtsmarkt, aber wenn Jugendliche für etwas wie den Klimaschutz einstehen können, finde das kein Gehör an Schulen. Und darin sind sich die Drei einig: Es sei ein Drama, dass die Diskussion um Schule schwänzen in Deutschland größer sei als das eigentliche Ziel: Klimaschutz endlich voranzubringen, was der Politik seit Jahren nicht gelinge.

Fridays for Future: Erst wird noch gebüffelt

Die Schüler gehen noch für die ersten vier Stunden in den Unterricht: „Das ist uns natürlich auch wichtig. Es ist unser Unterricht, unsere Abiturvorbereitung. Damit gehen wir ja nicht leichtfertig um“, betont Schulte-Sasse. Den restliche Mittag lassen sie ausfallen. Wie viele Weibelfeldschüler tatsächlich zum vereinbarten Treffpunkt kommen und mit nach Frankfurt fahren, wissen sie nicht. „Ich gehe davon aus, dass es so 25 sein werden“, schätzt Einenkel. „Vielleicht auch 50“, hofft Condado-Sauer.

Greta Thunberg demonstriert mit Tausenden in Hamburg

Die Dreieicher Demonstranten sind vorbereitet, sie haben ein Plakat gemalt, nehmen bunte Kreide und eine Trillerpfeiffe mit. „Wir werden eine laute, bunte Spur für den Klimaschutz hinterlassen“, kündigt Schulte-Sasse an. Die Weibelfeldschüler freuen sich darauf, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein. Es sei ein gutes Gefühl zu wissen, dass heute weltweit für eine bessere Zukunft demonstriert werde. „Ich erwarte gute Stimmung, mit Musik und Reden – das wird sicher spannend“, ist die Schulsprecherin überzeugt. Ein mulmiges Gefühl hat sie nicht. „Ich verfolge ja die Planungen in den Regionalgruppen. Das ist ordentlich organisiert. Auch das Ordnungsamt ist involviert. Es geht um eine gute, wichtige und vor allem friedliche Sache.“

Sie ist übrigens die einzige des Trios, die noch nicht volljährig ist, aber sie hat familiäre Rückendeckung: „Meine Eltern finden es gut, dass ich mich für die Demonstration einsetze – ich bekomme sicher eine Entschuldigung für die Fehlstunden.“

Von Nicole Jost

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