Burgfestspielen

Großartiger Abend mit Entertainerin Gayle Tufts

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Gleich zu Beginn der Show entschuldigt Gayle Tufts sich bei Zuschauern im Burggarten per Handschlag, dass ihre Landsleute Trump zum Präsidenten gewählt haben.

Gayle Tufts lässt sich von einem galanten Herrn von der Bühne helfen und entschuldigt sich gleich zu Beginn ihres Auftritts bei den Burgfestspielen Dreieichenhain bei Besuchern im Burggarten mit Handschlag: Es tut ihr so leid, dass ihre Landsleute Donald Trump zum Präsidenten gewählt haben.

Dreieichenhain – „Monatelang hatte ich erzählt, dass ‘that man never ever’ der Präsident der Vereinigten Staaten werden würde“, berichtet sie von depressiven Verstimmungen auf dem Schlafzimmerboden im heimischen Berlin am Wahlabend. .

Die kribbelige Entertainerin ist zum wiederholten Mal zu Gast in der Burg. Sie hat ihr jüngstes Werk im Gepäck: „American Woman – How I lost my Heimat and found my Zuhause“. „Es sollte ursprünglich so ein Prosecco-Stimmungs-Buch werden“, erzählt Tufts. Nach dem 8. November 2016, der Wahl des US-Präsidenten, ist alles anders. Dennoch will sie das Wort Trump gar nicht so oft in den Mund nehmen „weil ich innerlich immer ein bisschen kotzen muss.“

Aber zum Lachen bringt die Frau, die in zwei Welten zuhause ist, die zahlreich erschienenen Besucher immer wieder. Nicht zuletzt durch ihre herrliche Begabung, beide Sprachen zu mischen und die Show von Lesung über Comedy bis hin zum Konzert sehr lebendig zu halten. Sie gibt einen Einblick in ihr Leben mit dem „Bremer“, wie sie ihren Mann nennt, der auch nach 25 Jahren noch nicht ihr Ehemann ist, und berichtet von ihren Besuchen in Amerika bei ihren Geschwistern.

Sie baut Brücken zwischen den beiden Kontinenten und lässt die Zuschauer über die Besonderheiten jeder Nation schmunzeln: Bei den Amerikanern ist das die begeisternde Freundlichkeit und der Enthusiasmus, den Tufts auf den Zuckerschock nach generationsübergreifendem Missbrauch von M&M und Coca Cola zurückführt, und in Deutschland sei es die zuverlässige und vertrauenserweckende Tagesschau, Stiftung Warentest und die Bodenständigkeit zwischen Birkenstock und Dr. Hauschka.

Tiefe Verehrung lässt die Entertainerin Kanzlerin Angela Merkel zukommen: „God bless her: sie zittert, aber sie twittert wenigstens nicht“. Merkel sei eine Wissenschaftlerin hinter dem eisernen Vorhang im Kommunismus gewesen und heute Kanzlerin – wann das mal nicht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist.

Tufts Zuhause ist Berlin – den Einbürgerungstest hat sie bestanden. Nach mehr als 28 Jahren wollte sie bei den Gesprächen der Einbürgerungsbehörde glänzen: „Ich trage Hausschuhe, bin in einem Verein, war schon auf Mallorca und vermisse das deutsche Brot, wenn ich woanders bin“, bringt sie das Publikum zum Lachen.

Riesigen Beifall bekommt die Künstlerin für ihren Playback-Auftritt als Schlagersängerin: Mit dem Hit „Meine Nacht mit Florian Silbereisen“ verarbeitet sie ihren Auftritt in der Live-Show „Adventsfest der 1000 Lichter“ am Samstagabend zur Primetime in der ARD.

Ein großartiger Abend, nach dessen Ende sie sich noch viel Zeit für Gespräche mit den Zuschauern und zum Signieren nimmt.

VON NICOLE JOST

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