Nach Extremsommer

Das große Baumsterben in Dreieich geht weiter

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Wird in den nächsten Tagen gefällt: Eine von 15 Buchen im Berliner Ring, die abgestorben sind.

Der Dürresommer des vergangenen Jahres hat dramatische Folgen. Im Dreieicher Stadtgebiet sind – nach aktuellem Stand – weitere 50 Bäume abgestorben. Besonders schlimm hat es den Innenbereich des Berliner Rings in Sprendlingen erwischt.

Dreieich – Dort müssen aus Sicherheitsgründen kurzfristig 25 Buchen, Kiefern und Ahorne gefällt werden.

Als Folge des Extremsommers waren Ende Februar bereits 100 Bäume der Motorsäge zum Opfer gefallen. Die aktuelle Bestandsaufnahme gibt großen Anlass zur Besorgnis. Grund für die Misere sind vor allem pilzliche Erreger und Borkenkäfer, die den bereits geschädigten Bäumen stark zusetzen. „Wir wussten, dass mit weiteren Ausfällen zu rechnen ist. Dass es aber so schlimm kommt, hat wohl niemand vermutet“, sagt Bürgermeister Martin Burlon.

Dabei ist das tatsächliche Ausmaß noch gar nicht absehbar. „Die Folgen des Sommers 2018 für den städtischen Baumbestand sind katastrophal. Es gibt kaum eine heimische Baumart, die nicht direkt durch die Trockenheit oder indirekt durch Schadorganismen gelitten hat oder erheblich geschädigt ist“, stellt DLB-Baumexperte Sylvio Jäckel fest. Der Klimawandel mit steigenden Temperaturen und einer Zunahme an Stürmen schreite zu schnell voran und lasse den Bäumen keine Zeit, sich an die Verhältnisse anzupassen.

Bei den Fichten geht das Sterben weiter, weil sich der Borkenkäfer weiter ausbreitet. Hier müssen zum Beispiel drei Bäume in der Koberstädter Straße gefällt werden. Auch diverse Birken haben den Hitzesommer – in Kombination mit dem trockenen Winter – nicht überlebt. Betroffen sind Standorte in der Frankfurter, der Langener und der Eisenbahnstraße.

Vor allem Mikropilze schlagen jetzt gnadenlos zu: Sie sind auf einzelne Baumarten spezialisiert und befallen geschwächte Bäume, die wenig Gegenwehr leisten können. Bestes Beispiel ist Diplodia pinea, der bei Kiefern das derzeit im Rhein-Main-Gebiet grassierende Triebsterben verursacht. Allein im Bürgerpark mussten im Frühjahr noch mal 15 Kiefern im Bereich des Spielplatzes gefällt werden.

Im Berliner Ring müssen jetzt sieben gestandene Kiefern „dran glauben“. Damit nicht genug: Nun schwächelt auch die Buche. Für 15 Exemplare, die dem Spielplatz mit ihrem Blätterdach bislang Schatten spendeten, ist das Todesurteil gefallen. Weitere müssen teilweise eingekürzt, bei anderen muss Totholz entnommen werden. Ob diese dann den Sommer überleben, bleibt abzuwarten. Jäckel: „Die Zahl der zu fällenden Bäume kann sich noch deutlich erhöhen.“ Viele Buchen zeigen komplexe Schäden mit Sonnenbrand, Schleimfluss und Rindenpilzerkrankungen und haben gar nicht mehr oder nur noch teilweise ausgetrieben.

Unklar ist auch das Ausmaß der Schäden in den Wäldern. „Das Trauerspiel kann man derzeit in den Waldflächen um Dreieich und in der gesamten Region beobachten. Die Forstämter werden das hohe Aufkommen an zusätzlich anfallendem Holz kaum bewältigen können. Das wird gravierende Folgen für die Verkehrssicherheit von Spaziergängern im Wald haben und die Waldbrandgefahr in Trockenphasen wird deutlich steigen – von den Kosten ganz zu schweigen“, so Jäckels düstere Prognose. Der Holzmarkt werde überschwemmt werde, die Preise in den Keller fallen, befürchtet der Fachmann.

In der Brut- und Setzzeit sind Fällungen eigentlich untersagt. „Aber wir müssen schnell handeln, um die Sicherheit von Anwohnern und Besucher des Spielplatzes zu gewährleisten“, sagt Martin Burlon gerade mit Blick auf die Gefahr im Berliner Ring. Zuvor werde kontrolliert, damit keine Tiere getötet oder bei der Brut gestört werden, versichert der Rathauschef.

Von Frank Mahn

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