Thema Betreuungsplätze

Interview mit Tina Vieweber: „Eltern müssen Druck auf die Politik aufbauen“

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Tina Vieweber, Vorsitzende des Stadtelternbeirates in Dreieich

Tina Vieweber ist Vorsitzende des Stadtelternbeirats in Dreieich, wo viele Eltern über fehlende Betreuungsplätze klagen. Vieweber spricht von jeweils mehr als 100 Plätzen im U3- und im Ü3-Bereich. Ursache sei der Personalmangel und der Zuzug.

Dreieich – Mit uns hat sie über die Probleme des Betreuungsplatz-Mangels in der Region gesprochen.

Wie schätzen Sie die Situation ein?

Die Lage ist katastrophal. Wenn man heutzutage ein Haus baut, muss man einen Stellplatz mitbauen, egal ob man Auto fährt oder nicht. Genauso müsste eine Stadt auch verpflichtet sein, bei der Ausweisung eines Neubaugebiets entsprechend Betreuungsplätze einzuplanen.

Wo sehen Sie die größten Probleme?

Der Fachkräftemangel ist das Hauptproblem. Erzieher fehlen überall.

Wie kann man das Problem lösen?

Es ist wichtig, dass da auch von Landesseite oder von Bundesseite etwas passiert. Wenn man Erzieher werden will, muss man eine Ausbildung machen, die bis zu fünf Jahre dauert und man erhält nicht einmal ein Gehalt währenddessen – das muss man sich auch erst einmal leisten können. Geld ist aber nur eine Sache, niemand wird Erzieher, weil er Millionär werden möchte, da sind einfach auch andere Faktoren wichtig.

Welche?

Es ist wichtig, Mitarbeiter zu halten, indem die Kommunen viel für sie tun und die Arbeitsplätze so attraktiv wie möglich machen.

Was würden Sie Eltern raten, die keinen Betreuungsplatz bekommen?

Im Prinzip können die Eltern gar nichts machen, außer bei der Stadt nett nachzufragen. Natürlich hat man formell einen Rechtsanspruch, aber diesen einzuklagen bringt nichts. Denn wenn das Kind dann zum Beispiel einen Platz in einer anderen Kommune bekommt – was haben die Eltern dann davon? Wenn sie ablehnen, erlischt ihr Rechtsanspruch. Und wenn sie keinen Platz erhalten, bekommen sie im besten Fall einen Verdienstausfall zugesprochen, der mit den Kita-Gebühren verrechnet wird. Aber ein Elternteil muss dann trotzdem auf den Job verzichten. Das ist ja nicht Sinn der Sache. Die Eltern müssen Druck auf die Politik aufbauen. Sie sollten sich anschauen, welche Fraktionen wie abstimmen, um sich dann einmal zu überlegen: Wen wähle ich in der nächsten Legislaturperiode.

Das Interview führte Niels Britsch

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