Leidenschaft wird zum Beruf

Janke Meyer widmet sich mit ihrer „Blümchenwiese“ längst vergessenen Tomatensorten

Grüner Daumen: Janke Meyer rekultiviert alte Tomatensorten und baut sie in Bioqualität im Gewächshaus und unter freiem Himmel an. Der Pflanzenverkauf läuft schon, obwohl die offizielle Eröffnung erst am 11. Mai ist. Foto: jost
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Grüner Daumen: Janke Meyer rekultiviert alte Tomatensorten und baut sie in Bioqualität im Gewächshaus und unter freiem Himmel an. Der Pflanzenverkauf läuft schon, obwohl die offizielle Eröffnung erst am 11. Mai ist.

Sie heißen Green Zebra, Garden Peach oder Black Cherry. Sie sind nicht einfach nur rot und rund. Und sie schmecken garantiert nicht wässrig.

Dreieich – Im Augenblick sehen sich die Tomatenpflanzen von Janke Meyer in dem renovierten Gewächshaus einer früheren Gärtnerei alle ziemlich ähnlich. Aber das wird sich ändern. Die grünen, orangenen oder schwarzen Früchte der genannten Sorten werden Anfang Juli reifen.

Am Samstag, 11. Mai, geht es offiziell los auf der „Blümchenwiese – hier steckt Liebe drin“ im Kirchweg 40. Janke Meyer eröffnet ihren Pflanzenverkauf direkt aus dem Gewächshaus. „Ich habe in den vergangenen Wochen 1 800 Pflanzen von 26 Sorten per Hand gepflanzt, gewässert und gepflegt“, erzählt die Unternehmerin aus Sprendlingen. Wer jemals Tomaten angebaut hat, weiß, wie viel Arbeit und Konsequenz hinter dieser Menge steckt. Sie wollen zweimal am Tag gewässert werden, sie mögen es warm und wollen auch regelmäßig ausgegeizt werden. So nennt man das Entfernen der kleinsten Triebe. Gute Erde sei das A und O des Gelingens und für eine gute Ernte bespielt Meyer ihre „grünen Mitarbeiter“, wie sie ihre Pflanzen liebevoll nennt, auch mal mit Musik.

Eines haben die 26 Sorten gemeinsam: Es sind alte Pflanzen, Tomaten, die wir – wenn überhaupt – noch von Omas Tomatenbrot direkt aus dem Garten kennen. „Die Tomaten, die wir im Supermarkt kaufen können, haben damit nichts zu tun. Denn eigentlich sind die Früchte kunterbunt, sehr unterschiedlich in Form und Farbe und vor allem überaus aromatisch“, schildert Meyer. Dass der normale Verbraucher nicht in den Genuss dieser Tomaten kommt, hat einen Grund: das sogenannte Saatgutverkehrsgesetz aus dem Jahr 1930. Dies lässt nur Tomaten zu, die mit dicker Schale auf dem Transport in die Supermärkte nicht der Gefahr unterliegen, dass sie zerdrückt werden und Schaden nehmen. Diese Regelung hat zur Folge, dass aus früher 2 000 Tomatensorten nur mehr 43 in den Handel gelangen.

„Zum Glück gibt es Gärtner, die sich der alten Pflanzen angenommen haben, denn sie sind es wert“, ist Janke Meyer überzeugt. Einen Haken hat das Geschäft mit diesen Raritäten: Offiziell werden sie nur als Sammlerstücke und Dekoration verkauft – zum Verzehr nicht geeignet. Aber das ist jedem Tomatengärtner selbst überlassen, ob er seine Ernte in leckerem Tomatensalat, als Caprese mit Büffelmozzarella oder auch im selbstgekochten Tomatensugo verarbeiten wird.

Für Janke Meyer geht mit der Blümchenwiese ein Traum in Erfüllung. Die 42-Jährige war viele Jahre Marketingleiterin der „schönsten Schweizer Fluggesellschaft“, wie sie selbst sagt. Die Umstrukturierungen in der Luftfahrtbranche nahm sie, bereits von einem Tinnitus geplagt, zum Anlass für eine Neuorientierung. Es folgte ein Jahr Sabbatical mit längerem Aufenthalt in Sri Lanka. „Danach war ich in diversen Bewerbungsgesprächen und jedes Mal ging ich dort raus und habe gesagt: Nee, das ist es nicht“, erinnert sie sich. Sie hat sich dann ernsthaft damit auseinandergesetzt, was sie wirklich will und was sie glücklich machen könnte. Da sei sie bei den Pflanzen und bei den Tomaten gelandet. „Ich mache meine Passion zum Beruf“, sagt sie. Voller Energie stürzte sich Meyer in das Projekt, nachdem sie nach langer und schwieriger Suche nach einem Gewächshaus endlich fündig geworden war. „Wir haben das Gebäude im wahrsten Sinne aus dem Dornröschenschlaf geweckt, 150 Scheiben ersetzt und dann mit der Pflanzenzucht begonnen“, berichtet die Sprendlingerin, die dabei auf die Hilfe ihres Mannes zählen konnte.

Die Marketingexpertin hat viel gerechnet. „Es kann klappen. Ich möchte von diesem Geschäft leben und damit erfolgreich werden.“ Zunächst sind nur die Pflanzen zu kaufen, der Handel mit den außergewöhnlichen Tomaten beginnt im Juli. Rund 360 Pflanzen werden im Gewächshaus gepflanzt, 100 weitere sollen unter freiem Himmel auf dem alten Gärtnereigelände wachsen. Zusätzlich zum Handel mit Pflanzen und Früchten wird es Führungen im Gewächshaus geben, mit Kindergruppen und jedem Tomatenfreund, der sich dafür interessiert. Der OGV Sprendlingen hat sich schon angesagt. Geplant sind drei Öffnungstage in der Woche: Dienstag, Freitag und Samstag.

VON NICOLE JOST

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