Wer ist eigentlich Vorsitzender?

Kommunikation nur über Anwälte: Kleingärtner-Querelen vor Gericht

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Günter Neukirch - (Ex)-Kleingärtnerchef

Vorwürfe der Veruntreuung, eine öffentlichkeitswirksame Abwahl und eine kurzfristig untersagte Versammlung – beim Sprendlinger Kleingärtnerverein liegt einiges im Argen. Der Streit zwischen Günter Neukirch und den Mitgliedern wird erneut vor Gericht geführt.

Dreieich/Langen – Die Sprendlinger Kleingärtner und Neukirch, den die Mitglieder in einer Versammlung im Mai abgewählt haben (oder glauben, es getan zu haben), kommunizieren über ihre Anwälte. Neukirch auf der einen und Michael Vogel (von den Vereinsmitgliedern kommissarisch als Vorsitzender eingesetzt) auf der anderen Seite führen den Streit um den Vorsitz – mit einigen Nebenkriegsschauplätzen – als Zivilsache vor dem Langener Amtsgericht.

Denn der Knackpunkt des Verfahrens ist die Frage, ob Neukirch noch Vorsitzender ist. Die Mitglieder des Kleingärtnervereins glauben: Nein. Denn sie haben ihn ihrer Meinung nach in besagter Versammlung im Mai mit 122 von 165 Stimmen abgewählt. Dagegen wehrt sich Neukirch, der die ganze Versammlung für ungültig hält. Ende September luden die Kleingärtner ihre Mitglieder zu einer erneuten Zusammenkunft ein, in der sie einen neuen Vorsitzenden wählen wollten. Diese ließ Neukirch gerichtlich per einstweiliger Verfügung untersagen. Dagegen legte der Vorstand Beschwerde ein.

Bei der Verhandlung am Freitagvormittag im Amtsgericht zeigt sich schnell, wie verfahren die Situation ist: Der Rechtsbeistand der Kleingärtner wirft der Gegenseite eine Verzögerungstaktik vor. „Ich sehe keinen Weg außer einem Vergleich, sonst dauert es wieder zwei Jahre, bis es eine Entscheidung gibt“, sagt Anwalt Werner G. Elb. Neukirchs Anwalt Leonard Langenkamp betont: „Wir werden nur bei Fehlern anfechten, wir haben rechtliche Bedenken.“ Die „Querelen“, über die man gerichtlich verhandele, seien von beiden Seiten verursacht. „Herr Neukirch ist wahrlich kein Querulant“, betont der Anwalt. Ein Satz, bei dem sich einige der zahlreich anwesenden Vereinsmitglieder das Lachen nicht verkneifen können.

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Für die Kleingärtner formuliert Elb die Hoffnung, dass eine neutrale Stelle endlich schlichtet und teilt Richterin Laura Kordulla mit: „Die laufende Vereinsarbeit wird gerade behindert.“ Denn die Finanzentscheidungen obliegen nämlich erstem und zweitem Vorsitzenden gemeinsam – solange ungeklärt ist, wer Vereinschef ist, ist der Geldhahn demnach zu. Neukirchs Anwalt betont derweil: Es besteht kein grundsätzliches Interesse am Streit.

Richterin Kordulla diagnostiziert eine „beiderseitig große Meinungsverschiedenheit“. Sie glaubt, Klärung könne am besten eine neue Mitgliederversammlung schaffen. Der Verein müsse aber formale Fehler ausschließen. „Sonst ist es das gute Recht des Klägers, sich dagegen zur Wehr zu setzen.“ Zudem merkt die Richterin an, dass die Unterschriftenliste und das Protokoll von der Mitgliederversammlung im Mai nicht in der Akte sind. Ein Fakt, der Neukirchs Position bestärkt.

Die einstweilige Verfügung und die Beschwerde gegen die Versammlung im September erklären beide Parteien für erledigt. Hier muss das Gericht noch klären, wer die Kosten trägt. Über die Klage, die die alles entscheidende Mitgliederversammlung im Mai betrifft, will das Gericht frühestens im Spätsommer entscheiden. Das sorgt für Aufregung bei den Kleingärtnern im Saal: „Wir können derzeit keine Rechnungen bezahlen, weil wir nicht an das Konto rankommen“, sagt einer. Neukirch blockiere das. „Ich verstehe Ihr Problem“, sagt Richterin Kordulla, aber die Klärung brauche Zeit. Sie rät den Parteien zu einem Vergleich – der ermögliche eine zeitnahe Lösung.

Von Julia Radgen

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