Geschichte aus dem Schneckenreich

So lange kann in Dreieich das Aufstellen einer Radabstellanlage dauern

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Fast zwei Jahre vergingen von der Eröffnung des Stadtteilzentrums bis zum Aufstellen des Radparkers.

„Bau von Querungshilfe behindert den Verkehr“, titelte unsere Zeitung vor ein paar Tagen über die Bauarbeiten in der Solmische-Weiher-Straße – garniert mit dem Zusatz, dass manche Dinge in Dreieich ein bisschen länger dauern: Der Prüfantrag der SPD stammte aus dem Jahr 2015.

Dreieich – „Bau von Querungshilfe behindert den Verkehr“, titelte unsere Zeitung vor ein paar Tagen über die Bauarbeiten in der Solmische-Weiher- Straße – garniert mit dem Zusatz, dass manche Dinge in Dreieich ein bisschen länger dauern: Der Prüfantrag der SPD stammte aus dem Jahr 2015

ADFC-Vorsitzender Bernd Kiefer hatte beim Lesen eine Art Déjà-vu. In ähnlichem „Tempo“ sei es bei der Errichtung der Fahrradabstellanlage am Sprendlinger Stadtteilzentrum vorangegangen, das Anfang Mai 2017 als Baustein des RaBe-Konzepts eröffnet wurde. Besuchern, die an diesem Tag mit dem Fahrrad kamen, sei nicht feierlich zumute gewesen, erinnert sich Kiefer.

„Nachdem ein schöner, moderner Bau für 1,354 Millionen Euro erstellt worden war, fehlte entweder das Geld oder niemand hatte daran gedacht, eine zeitgemäße Radabstellanlage zu installieren“, ärgert sich Kiefer noch heute. Dabei habe der ADFC bereits Anfang 2015 daran erinnert, diese nicht zu vergessen und Infomaterial als Planungshilfe zur Verfügung gestellt.

Ein halbes Jahr später seien dann „Felgenkiller“ aufgestellt worden, für 50 Euro, schildert der ADFC-Vorsitzende kopfschüttelnd. Der damalige Erste Stadtrat und jetzige Bürgermeister Martin Burlon ist nach Kiefers Worten von einem Provisorium ausgegangen – auch vor dem Hintergrund der langjährigen erfolgreichen Arbeit des Runden Tischs Radverkehr. Weit gefehlt.

„Wir haben darauf gedrängt, dass vor einer solchen Vorzeigeeinrichtung auch Vorzeige-Radparker stehen müssen und eine Beratung angeboten, um den Missstand zu beseitigen“, berichtet der ADFC-Chef. Erst nach mehreren Anläufen sei es im Januar 2018 endlich zu einem Termin gekommen. „Eine Woche später lag den Verantwortlichen im Rathaus ein ausgearbeiteter Bestellvorschlag auf dem Tisch, der eigentlich nur unterschrieben und abgeschickt werden musste“, sagt Kiefer. Es ging um einen Betrag von rund 1 500 Euro.

Doch helfen zu wollen ist manchmal nicht so einfach. Nach Kiefers Worten ging die Bestellung erst neun Monate später raus. Er weiß, dass die Radparker rund einen Monat später im November geliefert wurden. Doch sie kamen erst mal ins Lager. Nach mehrfacher Erinnerung sei die Installation am 20. März 2019 endlich erfolgt – fast zwei Jahre nach Eröffnung des Zentrums.

„Kein Wunder also, wenn der soeben veröffentlichte ADFC-Fahrradklima-Test trotz guter Platzierung für Dreieich noch viel Raum für Verbesserungen aufzeigt“, so der ADFC-Chef, der sich nicht wirklich wundert, dass der Vorschlag einer Überdachung ins Leere lief. „Da benötigt man als ehrenamtlich Tätiger ein ziemliches Durchhaltevermögen, wenn man seiner Stadt dabei helfen will, fahrradfreundlicher zu werden.“ (fm)

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