Natur und Ruhe

Lehr- und Kräutergarten: Die Arbeit im Paradies erdet

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Besucher sind fasziniert von der Pflanzenvielfalt auf dem gut tausend Quadratmeter großen Areal.

Der Kräutergarten Dreieich ist Ruheoase, liefert Biogemüse und wartet mit Workshops auf. Das große Areal zu beackern, ist mit reichlich Arbeit verbunden und diese wird von ehrenamtlichen Gärtnerinnen mit viel Herzblut und Begeisterung übernommen.

Dreieich – Es ist eines der Vorzeigeprojekte der vergangenen Jahre in Dreieich, ein beliebtes Kleinod bei Spaziergängern und Naturliebhabern sowie längst ein Treffpunkt der Generationen. Die Initiatoren des Lehr- und Kräutergartens in den Baierhansenwiesen sind selbst überwältigt vom Erfolg des Projekts. Was 2015 als Plan reifte, die reichlich vermüllten Baierhansenwiesen als Erholungsgebiet zu retten, führte nach der Entfernung von 150 Kubikmetern Müll und hunderten Stunden Arbeit mit viel Unterstützung von Ehrenamtlichen und Unternehmern in der Stadt geradewegs in das blühende Paradies.

Auf mehr als 1 000 Quadratmetern erfreuen sich die Besucher an Beeten mit achtzig Heil- und Wildkräutern. Hinzu kommen ein Gemüsegarten mit einer Kräuterspirale für Küchenkräuter, vier Bienenstöcke und eine kleine Streuobstwiese. Der benachbarte Familiengarten und der gerade neu entstandene Naturlehrpfad gehören mit zu dem im Dezember 2017 gegründeten Verein.

Aber wem sind der gerade stark wachsende Rhabarber, die liebevoll gesetzten Tomatenpflanzen und die vorbildlich gepflegten Beete zu verdanken? Jeder, der einen Garten hat, weiß, wie viel Arbeit er macht. Im Kräutergarten sind es derzeit sechs Frauen, die sich regelmäßig darum bemühen, dass die Pflanzen gedeihen. „Das Herz des Kräutergartens ist eindeutig Erni Rehwald“, sagt Edith Haller, die viele Stunden mit ihr gemeinsam in den Beeten kniet.

Bienen fliegen auf Beinwell: Das Kraut hat heilende Wirkung bei offenen Wunden.

Die Frau des Vorsitzenden Klaus Rehwald mit dem herrlichen bayerischen Dialekt wiegelt ab: „So viel Arbeit ist es ja gar nicht“, sagt sie bescheiden. „Jetzt im Frühjahr muss natürlich einiges gepflanzt und die Beete müssen von Unkraut befreit werden. Aber wir haben im Laufe der vergangenen beiden Jahre ja auch viele ehrenamtliche Helfer bekommen, die uns unterstützen.“ Aber jeden zweiten Tag, so gibt die passionierte Gärtnerin zu, ist sie schon auf dem großen Areal anzutreffen, um zwei, drei, manchmal sogar vier Stunden ihrer Gartenleidenschaft zu frönen.

„Wir haben für alles einen Plan: Jetzt einen Pflanzplan, der genau festlegt, was in welches Beet kommt, im Sommer einen Gießplan, damit nicht einen Tag ganz viel und am nächsten Tag nicht gegossen wird“, führt Erni Rehwald aus. Es wird also nichts dem Zufall überlassen und das Team ist gut organisiert. Edith Haller, Rehwald und Michaela Grüntjens, die Mit-Ideengeberin für das Projekt war, wissen, warum der Kräutergarten, der 2018 mehr als 9 000 Besucher anlockte, ein solcher Erfolg ist: „Die Menschen haben ein Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung und die Themen Natur und Naturschutz sind in aller Munde“, so Grüntjens. „Wir haben hier einen Ort des Friedens geschaffen, an dem die Hektik draußen bleibt“, hat Edith Haller eine schöne Erklärung gefunden.

Die Frauen haben nicht nur Freude am Pflanzen und an der Gartenarbeit, sie haben auch Spaß an der Ernte der biologischen und immer frischen Produkte. Der eigene Kräutertee aus 19 unterschiedlichen Pflanzen ist nur ein Beispiel. Zu nennen sind auch die Maibowle und die Salate, die Erdbeeren und vieles mehr.

Der offizielle „Erntetag“, der Dreieicher im ersten Jahr jeden Mittwoch erfreute, ist inzwischen abgeschafft worden. „Es gab leider Menschen, die mit einer ganzen Tüte voller Obst und Gemüse von dannen gezogen sind. Wir sind kein Selbstbedienungsladen“, sagt Vorsitzender Klaus Rehwald. Aber natürlich, so betonen die Gärtnerinnen, bekomme jeder Besucher, der nett fragt, einen Salatkopf mit, kann gerne von den Erdbeeren naschen oder darf sich auch ein paar Kräuter mitnehmen.

Erhard Haller versorgt die Blühpflanzen im Hochbeet mit ausreichend Wasser.

Die Gruppe hat neben den rein pflegerischen Aufgaben immer wieder Gäste, Kindergarten- oder Schülergruppen, die zu Besuch sind. „Das macht besonders viel Freude. Die Kinder sind so sensibel für Umwelt- und Naturschutz. Sie lieben es, Obst und Gemüse zu naschen, und essen mit Begeisterung unsere Schnittlauchbrote“, erzählt Erni Rehwald schmunzelnd. Für Menschen, die tiefer in die Themen rund um den Garten, die Kräuter oder auch die auf dem Gelände lebenden Bienen einsteigen wollen, gibt es regelmäßig Seminare und Workshops, die gut gebucht sind.

Für die Zukunft wünscht sich das Team weitere helfende Hände für den Kräutergarten. „Ganz egal, wie viel Zeit jemand investieren kann, uns ist mit jedem Handgriff geholfen: Ob das eine Stunde abends nach der Arbeit ist, oder mehrere Stunden an einem Samstag sind. Wir freuen uns über jeden, der das Team verstärkt, wir wollen den Garten ja in diesem Zustand halten“, betont Klaus Rehwald. Und die Arbeit tut gut, wie Edith Haller versichert: „Die Hände in die Erde zu versenken und darin zu arbeiten, verschafft tatsächlich sofort Erdung und sorgt für eine große Zufriedenheit.“

VON NICOLE JOST

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