Mann erschleicht sich Darlehen

Märchenhafte Geschichte vor Gericht - Mann wird verurteilt

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Weil ein 25-Jähriger sich bei seinem Arbeitgeber eine Darlehen erschlichen hat, stand er vor Gericht. Er tischte eine märchenhafte Geschichte auf.

Weil ein 25-Jähriger sich bei seinem Arbeitgeber eine Darlehen erschlichen hat, stand er vor Gericht. Er tischte eine märchenhafte Geschichte auf.

Dreieich/Langen – Als Motiv gab der Egelsbacher an, Opfer einer räuberischen Erpressung geworden zu sein. Das hielt Richter Volker Horn allerdings für mehr als unglaubwürdig.

Sichtlich nervös sitzt der junge Mann zum allerersten Mal und ohne Anwalt auf der Anklagebank, während die Vertreterin der Staatsanwaltschaft den Sachverhalt verliest. Demnach hat er den Chef einer Dreieicher Autowerkstatt im Mai 2017 um einen Kredit über 5 000 Euro gebeten. Als Grund für die materielle Not gibt der Mechatroniker an, dringend Geld für die Behandlung seines krebskranken Vaters zu benötigen, bei dessen Operation etwas schief gelaufen sei. Der 52-jährige Meister, der so ein Schicksal aus der eigenen Familie kennt, willigt ein. Was er nicht ahnt: Die Geschichte ist erfunden. Als Bedingungen fordert er allerdings die zusätzliche Unterschrift der Schwester als Sicherheit und eine Rückzahlung bis Ende 2017. Auf Letzteres wartet er allerdings vergeblich, und die Schwester erfährt nichts von dem Deal – ihre Unterschrift wird einfach gefälscht.

Erpressung und falsche Freunde in Dreieich

„Was haben Sie dazu zu sagen?“ fragt Horn. „Es stimmt genauso, wie es da steht. Ich bin in die falschen Kreise geraten. Ich wurde erpresst und massiv bedroht und wusste mir nicht mehr anders zu helfen.“ Nun kommen Schutzgeldforderungen oder Erpressungen um kompromittierende Beweisstücke leider immer wieder vor. Die Begründung, die der junge Mann dafür serviert, ist jedoch für solche Kreise mehr als lebensfremd: „Ein Bekannter aus Pfungstadt hat sich mit einer Werkstatt selbstständig gemacht und suchte noch eine TÜV-Abnahmestelle. Ich habe ihm angeboten, die Kunden zu uns zu schicken, was er dann auch tat. Als der Prüfer jedoch verschiedene Einzeleintragungen nicht tätigen wollte, hat er mich dafür verantwortlich gemacht!“ Der Jungunternehmer habe ihm das als Verdienstausfall angelastet und als Entschädigung insgesamt mehr als 10 000 Euro verlangt – die er aus Angst bezahlt habe.

„Er und noch andere Kerle tauchten ständig bei mir oder in der Arbeit auf, drohten mit einer gewaltbereiten Rockergruppierung. Als es trotz Zahlungen nicht aufhörte, bin ich dann doch zur Polizei gegangen. Das Verfahren wurde mangels Beweisen eingestellt“, erklärt der 25-Jährige seine vermeintliche Notlage. Noch heute würden zweifelhafte Anrufe kommen.

Ohne Geld und ohne Job

Seit diesem Jahr läuft die Privatinsolvenz. Der Dreieicher Kfz-Meister schmiss ihn raus und hat einen Vollstreckungsbescheid durchgesetzt – 800 Euro hat er inzwischen zurückbekommen. „Da lungerten schon manchmal ein paar dubiose Gestalten auf meinem Hof rum. Einer sagte mal, mein Angestellter habe Schulden bei ihm. Ich weiß nicht, ob das stimmt oder ob er erpresst wurde“, erklärt der frühere Arbeitgeber. Die zweite Zeugin ist die Schwester des Angeklagten. Sie macht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Die Beweislage ist klar, der Mann des Betrugs in Tateinheit mit Urkundenfälschung überführt. Schuldminderung wegen Notlage? Horn macht keinen Hehl daraus, dass er die Vorgeschichte für ein Märchen hält: „Eine Bedrängnis ist hier nur schwer zu konstruieren, die Erpressung wegen TÜV-Einzelabnahmen mehr als nebulös. Vielleicht war es irgendeine Notlage, die würde ich aber nicht so hochhängen!“ Zu den angehäuften Schulden des Verurteilten kommen jetzt noch die Prozesskosten obendrauf.

von Silke Gelhausen

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