Kohlmeisen als Hoffnungsträger

Nistkästen sollen Vögel in Eichen locken, damit sie gefährliche Raupen fressen 

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Einsatz für die Natur: Britta Dietz, Jörg Hodes und Susa Stroh (von links) haben Nistkästen für Kohlmeisen in zehn Dreieicher Eichen aufgehängt.

Der Nistkasten ist in 2,50 Metern Höhe sicher an der dicken, alten Eiche auf dem Parkplatz an der Offenthaler Sandkaut befestigt. Britta Dietz, Susa Stroh und Jörg Hodes vom Bienenzuchtverein Dreieich haben damit eine Brutmöglichkeit für Kohlmeisen geschaffen.

Dreieich –Ein zweiter Kasten hängt 50 Meter Luftlinie entfernt an einer der nächsten Eichen. „Wir wollen die Kohlmeise dazu ermuntern, hier zu brüten. Sie ist einer der größten natürlichen Feinde des Eichenprozessionsspinners. Vielleicht frisst sie die Puppen, bevor sie haarig werden“, hofft Britta Dietz vom Vorstandsteam der Bienenzüchter.

Jahr für Jahr sorgt der Eichenprozessionsspinner für Ärger. Besonders in den Innenstädten sind die Brennhaare seiner Raupen eine Gefahr, weil sie fiese allergische Reaktionen von Ausschlag bis hin zu Asthma auslösen können. Die Folge: Die unliebsamen Viecher werden mit Insektiziden behandelt. Bis zu 30 Meter hoch wird das Mittel Dipel ES in die Eichen gesprüht. Es ist ein Präparat, das von den Raupen beim Fressen der Blätter aufgenommen wird und dann ihr Absterben bewirkt. „Der Bacillus befällt den Darm der Tiere, sie bekommen Durchfall und sterben“, berichtet Britta Dietz. Das Problem dabei: Nicht nur der Eichenprozessionsspinner stirbt, auch viele andere Insekten fallen dem Mittel zum Opfer.

Um den Einsatz von Spritzmitteln langfristig reduzieren zu können, haben die Bienenzüchter zehn Nistkästen für Kohlmeisen auf Eichen in den Stadtteilen verteilt. Zwei in Offenthal, zwei am Angelweiher in Götzenhain, zwei im Bürgerpark in Sprendlingen, zwei an der Hainer Chaussee an der Theisenmühle und schließlich noch zwei in der neuen Grünzunge im Heckenborn. Die Umweltschützer haben die Hoffnung, dass die Vögel sich der lästigen Raupen annehmen und so etwas wie eine natürliche Prävention gegen den Eichenprozessionsspinner entsteht. „Wir sind mit der Stadt im Gespräch und uns wurde signalisiert, dass es eine gute Idee sei, diesen Versuch zu wagen“, so Britta Dietz.

Sylvio Jäckel, beim städtischen Dienstleistungsbetrieb Dreieich und Neu-Isenburg für die Bäume und die Planung der Grünanlagen verantwortlich, schätzt die gute Zusammenarbeit mit den Bienenzüchtern. „Der Lösungsansatz, die Vögel an die Eichen zu locken, ist gut“, sagt der Fachmann. Denn die Kollateralschäden in der Natur durch den Insektizideinsatz seien nicht von der Hand zu weisen. Die Stadt werde sich auf das Experiment einlassen und diese zehn Bäume in diesem Jahr nicht behandeln. „Natürlich geht das nicht an jedem Standort. An den Eichen in der Nähe von Kindertagesstätten und an Spielplätzen werden wir weiterhin präventiv spritzen müssen“, weist Jäckel auf die Sorgfaltspflicht der Stadt hin. Aber bei Bäumen an weniger sensiblen Stellen könnte man diese natürliche Prävention schon wagen. „Wir werden die Bäume in der entscheidenden Zeit kontrollieren, wenn sie dann trotzdem Befall zeigen, müssen wir die Raupen eben absaugen“, kündigt Jäckel an.

Eine dauerhafte Lösung des haarigen Problems sei das Absaugen aber nicht. Das Spritzen der Bäume sei zum einen sehr viel günstiger, außerdem könne die Stadt nicht voraussetzen, dass beispielsweise Erzieher in den Gärten der Kindergärten die Raupen an den Bäumen in einem Stadium erkennen, in dem sie eben noch nicht gefährlich sind. Jäckel fürchtet auch, dass der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders stark auftaucht: „Der Winter war sehr mild und sie waren im vergangenen Jahr schon auf dem Vormarsch.“ Bleibt also zu hoffen, dass die Kohlmeisen in den Eichen heimisch werden und möglichst viele der Puppen vertilgen.

VON NICOLE JOST

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