Klitzekleine Schritte

Hoffnung lebt: Planung für Offenthaler Ortsmitte wird überarbeitet

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Komplett saniert wird die Weiherstraße. Darauf haben sich Stadt und Hessen Mobil verständigt. Messeler Straße und Bahnhofstraße werden punktuell ausgebessert.

Es ist nicht so, dass nichts passiert. Auch wenn sich der Eindruck aufdrängt, weil einfach nichts zu sehen ist. Die Stadt kommt mit dem seit Langem angedachten Umbau der alten Offenthaler Ortsmitte nicht richtig aus dem Quark.

Der Umbau der Ortsmitte wird sich nach einem Beschluss der Stadtverordneten auf den Bereich um die Kirche konzentrieren.

Dreieich – Aber trotz aller Unkenrufe: Hinter den Kulissen tut sich was, das Projekt ist nicht abgeblasen. Momentan wird die Planung überarbeitet, wie Bürgermeister Martin Burlon sagt. Nach einem Beschluss des Stadtparlaments liegt der Fokus der Umgestaltung jetzt auf dem Bereich um die Kirche herum. Grund für die abgespeckte Variante ist die Finanzsituation der Kommune, die sich durch Steuereinbußen drastisch verschlechtert hat. Es ist nicht nur die Ortsmitte allein, bei der es in Offenthal klemmt. Zur Erinnerung: Ursprünglich war vorgesehen, in einem ersten Schritt die drei Ortseingänge (Mainzer Straße, Dieburger Straße und Bahnhofstraße) umzumodeln. Sinn und Zweck der Übung: Verschwenkte Fahrbahnen, Mittelinseln und Baumtore sollten Autofahrern signalisieren, den Fuß vom Gas zu nehmen. Und die Entrees natürlich auch optisch aufhübschen. Die Stadtverwaltung hatte dafür 2016 in Aussicht gestellt. Das ging auch deshalb in die Hose, weil die Angebote weit über dem veranschlagten Budget lagen. Rund 585 000 Euro sollten dafür zur Verfügung stehen. Doch bei der Ausschreibung lag das günstigste Angebot 50 Prozent darüber. Dabei beschränkte sie sich auf die Mainzer und die Bahnhofstraße. Die Dieburger Straße war als Kreisstraße außen vor geblieben, weil mit Hessen Mobil kein Einvernehmen erzielt werden konnte. Es sei auch schwierig gewesen, dort einen geeigneten Standort zu finden, räumt Burlon ein. Das Ende vom Lied: Der Magistrat hob die Ausschreibung auf. Mittlerweile spielen die Ortseingänge eine untergeordnete Rolle und niemand würde sich wirklich wundern, wenn sie komplett in der Versenkung verschwinden.

Die alte Milchküche wird abgerissen, aber definitiv nicht vor dem Gemaafest im Juni.

Immerhin: Was die Sanierungen der ehemaligen Landestraßen (Messeler Straße, Weiher- und Bahnhofstraße) angeht, scheinen die Stadt und Hessen Mobil nach jahrelangen Verhandlungen endlich einen Durchbruch erzielt zu haben. Die Kommune weigerte sich bekanntlich, die drei Straßen im aktuellen Zustand abzunehmen, auch wenn die Übergabe formal-juristisch längst vollzogen ist. Der Magistrat forderte vehement die Reparatur oder einen finanziellen Ausgleich. Diese Baustelle steht vor dem Abschluss: Nach Angaben von Bürgermeister Burlon soll demnächst eine Verwaltungsvereinbarung unterzeichnet werden. Beide Seiten haben sich darauf verständigt, dass die Weiherstraße in Gänze saniert wird, während Messeler Straße und Bahnhofstraße punktuell ausgebessert werden. Bei der Weiherstraße leiste die Stadt einen finanziellen Beitrag, berichtet der Rathauschef und spricht von einem Kompromiss. Der Magistrat habe sein grundsätzliches Okay gegeben.

Kleinere Brötchen muss die Stadt bei der Umgestaltung der alten Ortsmitte backen. Auch in diesem Fall hatten sich die Hoffnungen jäh zerschlagen. Der avisierte Baubeginn im vergangenen Herbst entpuppte sich als Illusion. Auch hier machte die Ausschreibung den Stadtoberen einen Strich durch die Rechnung. Zunächst einmal hatten überhaupt nur zwei Firmen Angebote eingereicht – und erneut wurde das Budget deutlich gesprengt. 1,175 Millionen Euro hatten die Stadtverordneten bewilligt – die günstigere der beiden Offerten lag bei knapp 1,5 Millionen. Der Magistrat zog daraufhin die Reißleine, beendete das Verfahren und verzichtete auf eine Auftragsvergabe. Die Mittel von 1,175 Millionen Euro wurden in den Haushalt 2019 übertragen und stehen nach wie vor zur Verfügung.

Die Umgestaltung der Ortseingänge, hier die Dieburger Straße, ist auf Eis gelegt. Fraglich, ob dort überhaupt noch einmal was passiert.

Bei den Etatberatungen der Stadtverordneten Ende Oktober blieben dann die Ortseingänge auf der Strecke. Außerdem sprach sich das Parlament dafür aus, sich beim Umbau auf den Bereich um die Kirche zu konzentrieren, weil er der historische, gesellschaftliche und kulturelle Treffpunkt des Stadtteils sei. Im Klartext heißt das: Der Teil der Ortsdurchfahrt, der sich künftig durch farbiges Pflaster abhebt, wird kürzer. Das spart Materialkosten. Momentan ist das von der Stadt beauftragte Planungsbüro damit beschäftigt, die neuen Vorgaben einzuarbeiten. Ziel ist nach Burlons Worten eine „kompakte Ortsmitte“.

Die Kirchgasse bleibt von Planänderungen verschont. Sie soll optisch an die Ortsdurchfahrt anknüpfen, gepflastert werden und eine Mittelrinne bekommen. Die Rheinstraße in Götzenhain dient als Blaupause. In der Gasse waren im Vorgriff bereits im Sommer auf einer Länge von 70 Metern neue Kanalrohre verlegt worden. Der Austausch schlug mit gut 270.000 Euro zu Buche.

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Weitere 45.000 Euro sind für den Abriss der alten Milchküche budgetiert. Auch ihr letztes Stündlein hätte eigentlich schon im vergangenen Jahr schlagen sollen. Das soll nun dieses Jahr passieren; allerdings erst nach dem Gemaafest, das vom 21. bis zum 23. Juni in den Gassen zu Füßen der Kirche gefeiert wird. Ein kleiner Platz mit Bänken und einem Baum soll später zum Verweilen einladen. Die Bänke sollen mit wenigen Handgriffen beseitigt werden können, damit der Platz als Erweiterungsmöglichkeit für eben das Gemaafest und den Weihnachtsmarkt genutzt werden kann. Zudem sind zwei Parkplätze vorgesehen.

In seiner früheren Funktion als Erster Stadtrat hat Martin Burlon das Projekt und die Planungswerkstatt, in der sich Offenthaler Bürger einbrachten, über Jahre begleitet. Er hat Verständnis, dass viele von der Entwicklung enttäuscht sind, da im Straßenbild noch keine Veränderungen zu sehen sind. Burlon ist aber optimistisch, die Kurve zu kriegen. Der Bürgermeister geht davon aus, dass der überarbeitete Entwurf bis zum Sommer vorliegt. Dann will er die Mitglieder der Planungswerkstatt informieren. Danach kommt’s einmal mehr darauf an, ob sich Firmen bewerben und deren Preisvorstellungen sich mit denen der Stadt decken.

Von Frank Mahn

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