Engagement

Obst- und Gartenbauverein Dreieichenhain kämpft für Erhalt von Streuobstwiesen

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Gestatten: Prinz Albrecht von Preußen.

Nicht nur so mancher Verein leidet an Überalterung. Auch viele Obstbäume auf Wiesen der Feldgemarkung haben ein gesegnetes Alter erreicht.

Dreieichenhain – Der Obst- und Gartenbauverein Dreieichenhain kann von beidem ein Lied singen und versucht, aus der Not eine Tugend zu machen. In Ansätzen hat das schon mal geklappt. Der OGV um seinen Vorsitzen Erhard Kohl hat im März 2018 eine Musterstreuobstwiese angelegt und Paten für die Bäume gesucht. Zwölf Interessenten haben sich gemeldet, zehn sind bei der Stange geblieben – darunter sechs junge Familien. Sie kümmern sich um die 20 Bäumchen südlich des Offenthaler Wegs, gießen, schneiden und legen Leimringe an.

Gestern Morgen verschafft sich Kreisbeigeordnete Claudia Jäger einen Eindruck von dem Projekt. Der Kreis unterstützt Instandsetzung und Pflege solcher Biotope mit fachlicher Beratung und – in begrenztem Umfang – auch mit finanziellen Mitteln. Jäger ist voll des Lobes für die ehrenamtliche Arbeit des OGV. Die Politikerin kann sich einen Seitenhieb auf diejenigen nicht verkneifen, die aktuell auf die Straße gehen, um Umwelt- und Klimaschutz einzufordern. Nicht, dass sie dagegen etwas einzuwenden hat. Jäger fragt sich aber, warum nicht mehr Menschen „vor der Haustür“ initiativ werden und einem Naturschutzverein beitreten. „Viele protestieren, aber nur wenige engagieren sich.“

Einen Eindruck von der Musterstreuobstwiese verschaffte sich Claudia Jäger (links) gestern. Erhard Kohl (Dritter von rechts) erläuterte das Projekt.

Der Hainer OGV kennt das Problem: Das Durchschnittsalter liegt bei 64 Jahren. Mit 50 zählt man da quasi zur jungen Garde. So wie Dirk Schwerer, der vor drei Jahren Mitglied wurde und inzwischen als Beisitzer im Vorstand mitmischt. „Der Verein braucht Verjüngung“, sagt Schwerer. Er ist über eine Nachbarin vor ein paar Jahren zu einer Streuobstwiese gekommen, hat Bäume gepflanzt und ist jetzt auch Pate für zwei Bäumchen auf der neu angelegten, gut 3 000 Quadratmeter großen Wiese inmitten des Landschaftsschutzgebiets.

Die gehört der Stadt, die sie an einen Landwirt verpachtet hat. Als der Bauer auf seinem Hof eine Halle errichtete, musste eine Ausgleichsfläche her. Der Landwirt ließ 20 Apfelbäumchen setzen, ist aber von deren Pflege entbunden. Er kümmert sich ums Mähen, Dünger kommt nicht mehr auf die Wiese. Ein Plus für die Natur. Der OGV hat zudem Nisthilfen für Vögel installiert und eine Tafel aufgestellt, die über die Streuobstwiese und einige ihrer Bewohner informiert.

Deren Besitzer sind häufig auch schon im fortgeschrittenen Alter und nicht in der Lage, die Pflege zu übernehmen. Nun sind alte Bäume natürlich per se nicht schlecht, ihre Höhlen dienen Vögeln oder dem Siebenschläfer als Unterschlupf. Und sie tragen Früchte. Im vergangenen Herbst so viele, dass es reichlich Astbruch gab. „Zudem machen die immer häufiger auftretenden Stürme den Bäumen zu schaffen“, sagt OGV-Chef Kohl.

Der Verein hat sein Augenmerk verstärkt auf den Erhalt von Streuobstwiesen gerichtet, weil sie ein einzigartiger Lebensraum und fester Bestandteil der Kulturlandschaft sind. Kohl berichtet von einem 2,7 Hektar großen Grundstück einen Steinwurf entfernt, das der OGV 2008 von Brombeerhecken befreit habe. Um die Bäume kümmern sich Vereinsmitglieder, das erneute Zuwuchern verhindern natürliche Helfer: Dort grast eine kleine Galloway-Herde.

Zu der kleinen Gruppe, die sich gestern bei dem Termin eingefunden hat, gehört Tina Larsch. Die Offenthalerin und ihr Mann haben zwei kleine Kinder – „und die haben Spaß, wenn wir hier draußen sind“. Die Familie hat die Patenschaft für zwei Bäume übernommen, zu denen im Übrigen auch alte Sorten wie „Prinz Albrecht von Preußen“ gehören. Angeleitet von OGV-Fachleuten, hat das Ehepaar schon die Baumschere angesetzt und seine Schützlinge im Hitzesommer 2018 mit Wasser versorgt. Was Tina Larsch auch wichtig ist: „Die Kinder lernen, dass die Äpfel nicht aus dem Supermarkt kommen.“

von Frank Mahn

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