Romantisch und gefährlich

Petra Johanna Barfs präsentiert mit „Das Leuchten am Fluss“ die Facetten einer Rheinreise

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Die Künstlerin (links) stellte gestern zusammen mit Ilse Dreher (Kunstinitiative Dreieich) das Konzept ihrer Ausstellung in der Städtischen Galerie vor.

Viele Mythen und Geschichten ranken sich um den Rhein. Zugleich ist er ein europäischer Fluss wie kein anderer, der fünf Nationen verbindet und immer neu entdeckt wird.

Dreieich – Die Künstlerin Petra Johanna Barfs hat das auf ihre Weise getan und den Rhein im Sommer 2018 mit dem Kajak von Mainz bis an die Nordseeküste erkundet. Diese Reise bildet den Ausgangspunkt für die Frühjahrsausstellung der 29. Dreieicher Kunsttage in der Städtischen Galerie – mit dem Titel „Das Leuchten am Fluss“.

Die in Frankfurt lebende Künstlerin arbeitet normalerweise an Collagen aus den unterschiedlichsten Fundstücken, in Dreieich wird sie erstmals eine große Rauminstallation schaffen, die die verschiedenen Aspekte und Facetten ihrer 535 Kilometer langen Reise widerspiegelt. Diese diente als Inspiration und Selbsterfahrung, sie war Auseinandersetzung mit Geschichte und Natur.

In den sechs Wochen hat sie es nicht nur mit den Tücken des Gewässers zu tun bekommen, sie suchte das Gespräch mit Anwohnern, hat eifrig fotografiert, besuchte Museen, sammelte Fundstücke aller Art und schrieb ein Logbuch.

Beim Wort Rhein denken viele nur an den romantischen Abschnitt zwischen Mainz und der Loreley. Doch der Fluss verändert sich ständig, ist breit, schnell und gefährlich. „Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich in einer Nussschale sitze und der Rhein mich mit seinem wilden und unbeugsamen Wasserspiel zu seiner Spielgefährtin macht“, erzählt die Künstlerin, die zwar Triathletin ist, aber erst kurz vor Reisebeginn erstmals in einem Kajak gesessen hat. Und je näher sie der Mündung kam, desto größer wurden die Schiffe.

Petra Johanna Barfs musste bei ihrer sechswöchigen Kajaktour auf dem Rhein die großen Schiffe im Auge behalten. Auch sonst hat der Fluss so seine Tücken.

Für den Kampf mit dem Fluss und das ständige Austarieren hat Barfs für ihre Ausstellung eine Metapher gesucht. Und die fand sie in einem Boxring, der im Zentrum stehen wird. Dort wird während der Vernissage ein Boxkampf zwischen zwei weiblichen Profis stattfinden.

Weitere Bestandteile der Installation sind Malerei, Fotografie, Musik und Dokumente. Zudem werden Zelte aufgebaut, in denen das vertonte Logbuch mit seinen 20 Kapiteln nach Wahl zu hören sein wird. Eine Tonaufnahme wird den Besuchern die Geräusche entlang des Rheins näherbringen.

Das Ausstellungsplakat zeigt das Bild einer Frau, das sie während der Reise gefunden hat. Der Titel „Das Leuchten am Fluss“ bezieht sich auf eine Geschichte, die ihr ein Archivar in Wesel erzählt hat. Nach dem Krieg sorgte das Phosphor der vielen Fliegerbomben für ein Leuchten im Fluss. Doch was so schön aussah, war auch gefährlich, gerade für die Kinder, die sich von dem Glitzern angezogen fühlten. Passend dazu zeigt sie Bilder mit fluoreszierenden Farben. „Sie speichern das Sonnenlicht und geben es in der Dunkelheit ab“, meint die Künstlerin.

Autobiografisch ist der Auftakt im Obergeschoss der Städtischen Galerie. Dort zeigt die von der Nordsee stammende Künstlerin einen fiktiven Brief an ihren Großvater, der ihr als Kind in Ostfriesland Geschichten vom Wasser erzählte. Und so war es für sie von besonderer Bedeutung, mit dem Kajak von der Rheinmündung aus bis in die Nordsee zu paddeln.

Die Schau ist vom 2. bis 16. Mai samstags von 15 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie jederzeit nach Vereinbarung (über die Kasse des Bürgerhauses) zu sehen.

 

Von Holger Klemm

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