Tolle Aktion in Dreieich

Diese Pferde bereiten krebskranken Kindern unvergleichlich schöne Momente

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„Natürlich suchen wir für diese Stunden immer die braven Pferde aus, aber es ist auch erstaunlich, mit wie viel Gefühl die Tiere mit den Kindern umgehen“, sagt Beate Sancha vom Pferdesportverein. Selina Tobisch (links) kümmert sich um Aladin, mit dem Leni eine schöne Stunde verbrachte.

Freya strahlt über das ganze Gesicht, immer wieder tätschelt das kleine, blonde Mädchen den plüschigen Hals von Lindo. Der geht ganz brav am Zügel seiner Besitzerin Kristina Riedel durch den Dreieichenhainer Wald.

Dreieich - Als würde der dunkelbraune Wallach ahnen, wie vorsichtig er mit dem Mädchen sein muss. Weil Freya eben noch nicht so fest im Sattel sitzt, setzt er ganz langsam einen Fuß vor den anderen.

Das Kind genießt den Rhythmus, das Schnauben des Pferdes und die Wärme, die es von Lindo spürt. „Natürlich suchen wir für diese Stunden immer die braven Pferde aus, aber es ist auch erstaunlich, mit wie viel Gefühl die Tiere mit den Kindern umgehen. Sie wissen schon, dass sie heute keine Faxen machen dürfen“, erzählt Beate Sancha mit einem Schmunzeln.

Dreieich (Hessen): Viele junge Patienten wurden schon eingeladen

Schon zum fünften Mal hat der Pferdesportverein Dreieich (PSV) die jungen Patienten vom kinderonkologischen Zentrum der Universitätsklinik Frankfurt in der Weihnachtszeit zu einem Nachmittag eingeladen. Sieben Kinder im Alter zwischen vier und 15, alles Patienten der Kinderkrebsklinik, dürfen in Dreieichenhain mit ihren Familien ein paar schöne Stunden verbringen – fernab von Krankenhaus, Therapie und trüben Gedanken. Gemeinsam mit den Mitgliedern putzen sie Lindo, Coralie oder Aladin, satteln die Tiere und dann geht es auf einen kleinen Ausritt durch den Wald – sicher geführt von den Pferdebesitzern.

Dreieich (Hessen): Kinder sind glücklich, die Pferde zufrieden

„Es ist so schön, zu sehen, wie glücklich die Kinder und wie zufrieden auch die Pferde sind“, sagt Beate Sancha. „Ich finde es einfach wichtig, dass Kinder eine Berührung mit Tieren und der Natur haben. Hier haben wir noch dazu Kinder und Eltern, die eine sehr schwere Zeit hatten und hier bei uns einfach mal alles vergessen können“, so die Initiatorin des Nachmittags.

Gut eine Stunde steht der direkte Kontakt mit den Tieren an, anschließend werden die Vierbeiner liebevoll versorgt, in den Stall gebracht und zum Dank gefüttert. „Er nimmt den Apfel so vorsichtig“, freut sich Freya über Aladin, der mit seinem großen Maul kaum die kleine Kinderhand berührt, „aber er sabbert ganz schön“, lacht das Mädchen über das zufrieden schmatzende Pferd.

„Das Schöne ist, dass die Hilfe so direkt kommt. Natürlich brauchen wir auch immer monetäre Spenden für Forschung und den Betrieb der Klinik“, sagt Sabine Schmid, Assistentin von Prof. Dr. Thomas Klingebiel, dem Direktor der Kinderkrebsklinik. „Aber heute profitieren die Familien unmittelbar von diesem tollen Nachmittag. Alle sind mit viel Begeisterung dabei, die Vereinsmitglieder bereiten den Tag liebevoll vor. Wir alle kommen jedes Jahr so gerne wieder her.“

Dreieich (Hessen): 80 Prozent der Kinder werden wieder gesund

Die Kinder, die die Freude auf dem Pferderücken erleben, sind nicht akut krank. „Während der Therapie ist ein solcher Ausflug wegen der Infektionsgefahr nicht möglich“, erklärt die Mitarbeiterin der Klinik. Rund zwei Jahre sind betroffene Kinder in Behandlung, gut fünf Jahre sind sie unter regelmäßiger Kontrolle des Zentrums, bis die Krankheit als geheilt gilt. „Etwas mehr als 80 Prozent der Kinder werden gesund und die Forschung geht immer weiter. Aber die Krankheit steht heute nicht im Mittelpunkt. Es geht um die Kinder und die Freude, die sie erleben, weit entfernt von der Klinik. Die Familien fühlen sich gut aufgenommen und es sind immer sehr schöne Stunden. Wir bekommen vorher schon immer Anrufe, ob es das Reiten wieder gibt“, erzählt Sabine Schmid und bedankt sich ausdrücklich bei den Organisatoren.

Nach dem Ausritt geht es im Reiterstübchen weiter mit Kaffee, Kakao, Würstchen, Kuchen und anderen Naschereien. In der Reithalle zeigen Lili Zimmermann und Chiara Burkart mit den weihnachtlich geschmückten Ponys Giglbergs Dragonfly und Kentucky, wie Pferdesport aussieht, wenn man lange übt. Zu Besuch kommt auch der Nikolaus mit zwei Engeln und überbringt riesige Teddybären als Geschenke. „Wir freuen uns jedes Jahr schon auf die besondere Aktion“, ist Beate Sancha sehr zufrieden, wie engagiert die PSV-Mitglieder mithelfen. Über die Aktion sind auch schon Freundschaften geknüpft worden: So kommt die kleine Nea jetzt regelmäßig auf die Reitanlage. „Mambolino reiten“, erzählt die Vierjährige mit leuchtenden Augen. Ihre Mutter Daniela Höpping weiß das zu schätzen: „Das ist nicht selbstverständlich, dass wir das erleben dürfen.“

VON NICOLE JOST

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