Wachablösung bei Jagdgenossen

Rainer Löhr hat das Amt des Vorsitzenden nach 40 Jahren abgegeben

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Nach vier Jahrzehnten als Vorsitzender der Jagdgenossenschaft hat Rainer Löhr (rechts) das Amt abgegeben. Sein Nachfolger ist Friedhelm Jost.

Bei der Jagdgenossenschaft Dreieich-Offenthal ist eine Ära zu Ende gegangen. Vier Jahrzehnte hat Rainer Löhr als Vorsitzender deren Geschicke gelenkt, jetzt hat er den Staffelstab weitergereicht.

Offenthal – In der Jahreshauptversammlung wurde Löhr verabschiedet, zu seinem Nachfolger wählten die Mitglieder Friedhelm Jost.

Anders als der Name es vermuten lässt, haben die Mitglieder einer Jagdgenossenschaft mit der Jagd an sich erst mal gar nichts zu tun. Es handelt sich bei ihnen lediglich um die Gemeinschaft aller Grundstückseigentümer, die bejagbare Flächen besitzen. Der daraus entstehende Jagdbezirk, der in Hessen eine Mindestgröße von 200 Hektar haben muss, wird dann in der Regel an einen Jagdscheininhaber verpachtet.

256 Hektar kommen im Falle des Offenthaler Bezirks zusammen plus 60 Hektar, die auf Götzenhainer Gebiet liegen. Überwiegend bestehen diese Flächen aus Ackerland und Wiesen, nur 16 Hektar sind Wald. Rund 300 Eigentümer sind es, deren Interessen Rainer Löhr in den vergangenen 40 Jahren vertreten hat. Dabei gehe es aber nicht vordergründig um Profit, erklärt er.

„Die Einnahmen, die wir aus der Verpachtung des Jagdbezirks erzielen, werden bei uns nicht an die Eigentümer ausgeschüttet“, sagt der 66-jährige Landwirt im Ruhestand. Einen Teil des Geldes investieren die Jagdgenossen in die Landschaftspflege. Obwohl das Unterhalten der Feldwege eigentlich Aufgabe der Gemeinde ist, bringt sich die Jagdgenossenschaft hierbei immer wieder aktiv ein. Die Genossenschaft hat kleinere Geräte für den Gartenbau, für Baumpflanzungen beispielsweise, gekauft und stellt sie ihren Mitgliedern bei Bedarf zur Verfügung. Aber auch für wohltätige Zwecke wird immer wieder mal gespendet. Ein Zuschuss für die Renovierung der Orgel in der Offenthaler Kirche war da ebenso schon drin wie ein Pflegebett für die Diakonie.

Mit insgesamt drei Jagdpächtern hatte Löhr im Verlauf seiner ehrenamtlichen Amtszeit für die Genossenschaft zu tun. Pflicht des Jägers der Genossenschaft gegenüber ist es, Wildschäden zu vermeiden. Vor allem Wildsauen, deren Bestand sich in den vergangenen Jahren in Mitteleuropa drastisch erhöht hat, können beispielsweise in Getreidefeldern erhebliche Verwüstungen anrichten – zahlen muss dann der Jagdpächter. Mit dem derzeitigen Revierinhaber Erich Niederhöfer ist Löhr sehr zufrieden und bescheinigt ihm gute Arbeit. Dabei haben die Jagdgenossen durchaus Verständnis für die Probleme, mit denen Jäger heutzutage konfrontiert sind. „Früher war das Wild nach Einbruch der Dämmerung weitestgehend ungestört in seinem Revier“, sagt Friedhelm Jost. Heute sei dort durch das veränderte Freizeitverhalten der Menschen oft auch nachts noch Betrieb, was sich auf den Rhythmus der Tiere auswirke und deren Verhalten weniger berechenbar mache.

Löhrs Bilanz der Zusammenarbeit mit Jagdpächtern, Stadt und Forstbehörde fällt positiv aus. „Nach 40 Jahren reicht es nun aber und es ist Zeit, Platz für eine jüngere Generation zu machen“, sagt er. Der 52-jährige Jost, der im Nebenerwerb einen Pferdehof in Offenthal betreibt, ist selbst bereits seit 20 Jahren im Vorstand der Jagdgenossenschaft mit von der Partie – die Arbeit seines Vorgängers kontinuierlich weiterzuführen, ist sein Plan.

VON MARC STROHFELDT

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