Abschied von einer Institution

Sprendlinger Bücherstube schließt nach fast 40 Jahren

+
Wehmut schwingt bei Brigitte Menke (rechts) und Wilma Lohr mit, dass sie die traditionsreiche Sprendlinger Bücherstube Ende Juni schließen müssen. Vor allem die vielen netten Gespräche mit den Kunden werden sie vermissen. Auf dem Foto fehlt Mitarbeiterin Anja Barth.

Ohne Übertreibung kann von einer Institution gesprochen werden. Und von dieser muss nun Abschied genommen werden. Nach fast 40 Jahren schließt die Sprendlinger Bücherstube in der Frankfurter Straße 25 Ende Juni ihre Pforten.

Sprendlingen – Am Montag, 20. Mai, beginnt der Ausverkauf. Die Sprendlinger Innenstadt wird damit um ein weiteres Stück ärmer. Noch stehen die aktuellen Titel im Schaufenster wie „Becoming“ von Michelle Obama, „Zeitenwende 1979“ von Frank Bösch, „Herkunft“ von Sasa Stanisic, „Anderland: Die USA unter Trump – ein Schadensbericht“ von Ingo Zamperoni sowie Bücher zu den Jubiläen von Theodor Fontane oder Alexander von Humboldt. Doch das wird sich schon bald ändern. Es ist das Alter, das Inhaberin Brigitte Menke zum Aufgeben bewogen hat. „Ich bin 84“, sagt sie. Und ihre Versuche, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für das Traditionsgeschäft zu finden, sind fehlgeschlagen. „Ich habe zwei Jahre lang gesucht und niemanden gefunden. Es ist sehr schade.“

„Der Buchmarkt hat sich total verändert“

Angesichts der Veränderungen in den vergangenen Jahren ist das für die Buchhändlerin auch nicht verwunderlich. „Der Buchmarkt hat sich total verändert“, betont sie und verweist auf das Internet und den Onlinehandel. So sei der „Broterwerb“, mit dem sich die Buchläden über viele Jahre finanziert hätten, weggebrochen. Duden, Lexika oder Reiseführer würden so gut wie nicht mehr verkauft, erhebliche Rückgänge habe es auch bei der Kinder- und Jugendliteratur gegeben. Auf der anderen Seite seien die Kosten permanent gestiegen. Mit erheblichen Anstrengungen sei es Menke und ihren beiden langjährigen Mitarbeiterinnen, Anja Barth und Wilma Lohr, in den vergangenen Jahren gelungen, gegenzusteuern und den Umsatz zu halten. Denn Belletristik, Krimis, Fantasy und Sachbücher stehen auch weiterhin hoch im Kurs.

Menke und ihre Mitarbeiterinnen haben mit großer Begeisterung die jeweiligen Neuerscheinungen gelesen und konnten ihre Kunden, von denen viele regelmäßig gekommen sind, individuell beraten und ihnen Lesetipps geben. Umso mehr bedauern diese nun die Entscheidung, dass die Sprendlinger Bücherstube schon bald der Vergangenheit angehören wird. „Wir hatten schon viele Gespräche mit traurigen Besuchern. Aber es ist nicht zu ändern“, so die Buchhändlerin.

Auf die Frage, was ihr über die vielen Jahre besonders Spaß gemacht hat, kommt ohne Zögern die Antwort: „Die Gespräche mit unseren Kunden, aber auch mit den Verlagen.“ Und diese wird sie vermissen.

Auch wenn die Rahmenbedingungen für Buchläden sich in den vergangenen Jahren verschlechtert haben, glaubt sie weiterhin an eine Zukunft: „Es wird auch weiterhin gelesen.“ Und es werde weiter Buchhandlungen geben – wenngleich nicht mehr so viele. Dreieich habe in dieser Hinsicht besonders herausgestochen. Mit der Sprendlinger Bücherstube hat es drei Buchläden gegeben. „Das ist für eine Stadt in der Größenordnung von Dreieich schon sehr viel.“

Ausverkauf in den beiden Räumen der Bücherstube

Am Montag beginnt der Ausverkauf in den beiden Räumen der Bücherstube. Die Regale werden sich also schon sehr bald deutlich geleert haben.

Die Händlerin, die auch in Dreieich wohnt, wird noch einige Zeit mit der Abwicklung ihres Geschäfts beschäftigt sein. Doch sie schmiedet für danach schon Zukunftspläne. „Ich möchte endlich mal wieder ins Theater und in Konzerte gehen.“ Das war in den vergangenen Jahren nicht möglich gewesen. Und auch Reisen stehen auf der Liste. „Ich möchte unbedingt ans Meer, an die Nord- oder Ostsee.“ Eine Sache wird sich aber nicht ändern, die Liebe zu den Büchern und der Literatur.

VON HOLGER KLEMM

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare