Momente, die zu Herzen gehen

Sprendlinger Kerbteam präsentiert letztmals Frühschoppen mit alten Fotos

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Es ist ein Treffen voller schöner Erinnerungen, vielen „weißt Du noch, damals!“ und strahlenden Augen.

Sprendlingen – Der Sonntag Anfang Juni ist ein fest gesetzter Termin für die Sprendlinger und vor allem auch für die ehemaligen Kerbburschen: Das Kerbteam lädt in den Gemeindesaal von Erasmus Alberus ein und Peter Held stellt seine Sammlung alter Kerb-Fotografien aus – in diesem Jahr zum zehnten und letzten Mal.

Im Mittelpunkt der Bilder stehen die Jubiläumsjahrgänge in Fünfer-Schritten: 2019 sind das die Jahrgänge, die auf vier und neun enden, beispielsweise der von 1969, der sein Jubiläum feiert. Aber auch die Burschen von 1974, 1989 oder 2014, nur um einige Beispiele zu nennen, werden schön in Szene gesetzt. In dichten Reihen drängten sich die Leute in den vergangenen Jahren vor den Stellwänden, um sich selbst, den Vater, den Onkel oder den Opa auf den Bildern zu entdecken. „Das sind schon Momente, die zu Herzen gehen. Wenn der Vater dem Sohn sein Kerbburschenfoto zeigt und erzählt, wie schön das damals war. Das ist eine Veranstaltung, die spricht die Menschen generationsübergreifend an“, sagt Oliver Bohrer, Vorsitzender des Sprendlinger Kerbteams. Manchmal kommen sogar drei Generationen zusammen, Opa, Vater und Sohn, die die Tradition weiterführen. Und immer habe die gemeinsame Bilderschau eine besondere Wirkung: Die Besucher kommen miteinander ins Gespräch und rufen sich die Emotionen längst vergangener Kerbtage wach.

Jetzt steht für das Kerbteam am Sonntag, 2. Juni, also die zehnte große Bilderausstellung im Gemeindesaal an. Nach dem Gottesdienst mit Pfarrer Winfried Gerlitz um 10 Uhr, in dem auch die „Yellow Birds“ vom Kerbteam wieder singen werden, gibt es einen Frühschoppen mit Fotos, Essen und Trinken. Dabei wird Peter Held auch die Fotografien aller anderen Kerbburschenjahrgänge seit 1893 bis heute auslegen. Gegen eine kleine Spende dürfen die Bilder als Erinnerung mitgenommen werden.

Das Programm stellen Peter Held (links) und Oliver Bohrer vor.

Ein bisschen traurig ist es schon: Das wird also wirklich die letzte Bilderausstellung des Kerbteams sein. „Wir machen das seit zehn Jahren, alle Jubiläumsjahrgänge waren schon zwei Mal dran, jeder, der sich sehen wollte, hatte die Chance, die Bilder zu betrachten“, sagt Bohrer. In den beiden vergangenen Jahren war der Besuch noch gut, aber Bohrer und Held wollen vermeiden, dass sich die schöne Ausstellung totläuft. „Es kann sein, dass wir in vier oder fünf Jahren mal wieder etwas Ähnliches starten, aber jetzt ist erst mal Pause“, legt sich der Vorsitzende des Kerbteams fest. Zum Abschluss hat Held – wie auch schon in den vergangenen Jahren – ein schönes Sonderthema ausgesucht. Die Sprendlinger durften sich schon an der Geschichte des Sprendlinger Schwimmbads erfreuen, die besondere Kreuzung Offenbacher Straße/Frankfurter Straße stand schon im Mittelpunkt oder der Sprendlinger Fußball.

Neben den Kerbborschen zeigt Peter Held auch die Fotos alter Sprendlinger Gaststätten – beispielsweise vom Gasthaus Krone, in dem sich 1886 die SKG Sprendlingen gegründet hat. „Das Gebäude wurde 1961 abgerissen. Heute steht an dieser Stelle das Hotel L’escala“, so Held. Auch die „Gifthütte“ der Sprendlinger Kicker vom FV06 ist mit alten Fotografien dokumentiert – zu schön, wie der damalige Wirt August Wahl später lachend hinter dem Zapfhahn steht. „Alle diese Gaststätten gibt es nicht mehr, ob es der Hessische Hof ist, der Isenburger Hof oder Zum deutschen Kaiser. Das regt die Leute sicher auch wieder zu Erinnerungen an“, ist Bohrer überzeugt.

In der Bildersammlung von Peter Held findet sich das Gasthaus zur Krone, in dem die SKG gegründet wurde.

Das Kerbteam konzentriert sich nach der großen Finissage erst einmal wieder auf seine Kernkompetenz: die Organisation der Kerb im August. „Mit dem großen Jubiläum 2016 ist das ja durchaus eher mehr Arbeit geworden“, sagt der Vorsitzende. Das Einstimmen auf dem Lindenplatz zwei Wochen vor der eigentlichen Kerb ist ebenso erhalten geblieben wie das Festzelt mit viel Livemusik auf dem Kerbplatz. „Wir müssen ja alles selbst regeln: das Zelt, die Bands, das Programm, das ist viel Arbeit“, zählt Held auf.

Ein paar Traditionen will das Kerbteam ändern. Was genau, bleibt noch ein Geheimnis. Eines steht leider schon fest: Kerbborschen wird es 2019 nicht geben.

VON NICOLE JOST

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