In fremde Welten eintauchen

Mit „The Blinds“ führt ein Eigengewächs bei der Ausleihstatistik der Weibelfeldschule

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Franziska Gaubatz hat unter dem Pseudonym Emma Marten die beiden Bände „The Blinds“ geschrieben, die nicht nur in der Schul- und Stadtteilbücherei Weibelfeldschule ein Renner sind.

Normalerweise stehen in Kinder- und Jugendbüchereien Gregs Tagebuch oder Fantasy-Buchreihen wie Percy Jackson bei den Ausleihen ganz oben auf der Liste. Eine Ausnahme bildet da die Schul- und Stadtteilbücherei Weibelfeldschule.

Dreieich – Dort ist „The Blinds“ von Emma Marten das meist gefragte Jugendbuch des Jahres 2018 – und damit ein Eigengewächs. Denn die 23-jährige Franziska Gaubatz, die sich hinter dem Pseudonym verbirgt, war Schülerin der Weibelfeldschule und Mitglied des Dreieicher Jugendliteraturclubs JuLiD, der an der Gesamtschule angesiedelt ist.

Es ist also kein Wunder, dass das Treffen mit der Götzenhainerin in der Bücherei stattfindet. Dort sind die mittlerweile beiden Bücher von „The Blinds“ weiter ein Renner. „Darüber freue ich mich natürlich“, so Gaubatz. Dabei musste sie einiges an Mut aufbringen, mit ihrem dystopischen Debütroman an die Öffentlichkeit zu gehen. Bereut hat sie es nicht.

Die junge Frau, die 2012 zu JuLiD kam, ist nicht nur eine begeisterte Leserin, sondern nutzt auch jede Gelegenheit zum Schreiben, um in fremde Welten und Charaktere einzutauchen. „Mit 16 Jahren habe ich mit The Blinds angefangen, mit 18 war ich fertig.“ Als Book on Demand ist das Buch im November 2017 erschienen, der Folgeband im Juni 2018.

Beide Bände kommen auf mehr als 800 Seiten. „Mir fällt es deutlich leichter, ein dickes Buch zu schreiben als eine Kurzgeschichte.“ „The Blinds“ erzählt die Geschichte von der im Slum lebenden Riley und weiteren mit vielen Geheimnissen umgebenen Personen. Riley kämpft ums Überleben, bis sich die Möglichkeit eröffnet, an einer Show teilzunehmen, die ihr Leben verändert.

Die Idee für einen Charakter kam der Autorin durch einen Bericht über Muskeldystrophie (Muskelerkrankung). Das nahm sie zum Ausgangspunkt. Besonders gefällt es ihr, die Charaktere, innere Konflikte und ihre Beziehungen zu anderen Personen zu entwickeln. Bei den Lesern landete sie mit ihrem Debüt einen „spannenden, kurzweiligen und vielschichtigen“ Volltreffer, wie es in Rezensionen heißt. Gelobt werden auch „unvorhergesehene Wendungen, gut ausgearbeitete Charaktere und eine Geschichte, die einen Sog auslöst“. „The Blinds“ passt gut zur Welle der dystopischen Romane, zu denen auch „Die Tribute von Panem“ gehört und die eine Gegenwelt zu einer positiven Utopie bilden. Was reizt Jugendliche und junge Autoren daran? Gaubatz findet es faszinierend, sich Geschichten über die Zukunft – durchaus mit aktuellen Bezügen – auszudenken, in denen Rebellen gegen die Zustände aufbegehren. In „The Blinds“ gibt es die Armen und Reichen, die sich voneinander abschotten – verbunden mit dem Appell, menschlicher miteinander umzugehen.

Ein besonderer Hingucker sind die beiden Cover, die eine junge Frau in einem blauen beziehungsweise roten Kleid vor einer Skyline und einer Glaskuppel zeigen. „Die Idee habe ich mit einer Grafikerin entwickelt.“ Mit den Umschlägen möchte sie auf die Entwicklung ihrer Hauptfigur Riley hinweisen. Ist diese im ersten Band noch schüchtern und zurückhaltend, wird sie immer selbstbewusster.

Für die schriftstellerische Tätigkeit hat die junge Autorin das Pseudonym Emma Marten gewählt. „Mir hat mein Nachname nicht gefallen.“ Doch damit nicht genug: „Ich wollte eine Figur, die etwas anders und auch selbstbewusster ist.“ Emma Marten ist für sie wie einer ihrer Charaktere.

Nach ihrem Abitur hat die 23-Jährige ihren Bachelor in Germanistik und Soziologie an der Frankfurter Goethe-Uni gemacht. Ursprünglich strebte sie danach eine Ausbildung in einem Verlag an. „Doch ich will Bücher selbst schreiben und nicht nur an der Veröffentlichung mitwirken.“ Deshalb absolviert sie aktuell eine Ausbildung zur Handelsfachwirtin in der Buchhandelskette Thalia. Denn mit Büchern möchte die Götzenhainerin auch beruflich zu tun haben.

Natürlich sind die nächsten Romane längst in der Mache. „Ich schreibe an einer Fantasy-Trilogie“, berichtet Gaubatz. Gerade liest eine Freundin die Bände. „Der erste soll dieses Jahr noch erscheinen“, versichert die Autorin.

An ihre Zeiten im Jugendliteraturclub JuLiD erinnert sie sich gerne zurück. „Als Leser ist man ja eigentlich allein.“ Doch bei JuLiD hätten sich die Mitglieder regelmäßig getroffen und ausgetauscht, was großen Spaß gemacht hat. „JuLiD war das Beste, was mir in meiner Schulzeit passiert ist.“ VON HOLGER KLEMM 

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