Akrobatik, Magie, Comedy

Varieté unter Sternen in Dreieich: Alle Vorstellungen ausverkauft

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Spektakulärer Drahtseilakt: Bei den Kunststücken von Evgeny Vasilenko verschlägt es dem Publikum im Dreieichenhainer Burggarten den Atem.

Das Varieté unter Sternen in Dreieich ist spektakulär. Wir erzählen, was vor der Burgruine passiert.

Dreieich – Zum Auftakt am Mittwoch kamen für die internationalen Künstler aus dem Neuen Theater Höchst sogar tatsächlich die Sterne heraus. Pünktlich reißt die Wolkendecke auf und die letzten Sonnenstrahlen tauchen die Burgkulisse in malerisches Abendlicht. 

Die Besucher haben dafür jedoch keinen Blick, der hängt gebannt an dem Geschehen auf der Bühne, wo es im wahrsten Sinne des Wortes hoch hergeht: Bälle fliegen, Reifen schwingen und menschliche Körper trotzen der Schwerkraft in luftiger Höhe. In selbiger lösen sich darüber hinaus auch noch Buchstaben auf, denn mit Marcus Jeroch als Moderator stehen ebenfalls sprachliche Eskapaden auf dem Programm.

Zunächst aber werden die „Eskapaden des Diabolo“ angekündigt: Der Bändiger des „fliegenden Teufels und Derwischs“ ist der in Maintal geborene Pranay Werner, der sich erst in Lederjacke und mit Sonnenbrille präsentiert, nur um sich während der rasanten Choreografie mit lässiger Coolness auszuziehen. Das Diabolo wirbelt er dabei einhändig um sich herum, lässt es aus dem Seil springen, fängt es wieder ein und lässt erst eins, dann zwei, dann drei Diabolos mit augenscheinlicher Leichtigkeit und rhythmischer Präzision herauf, herunter, rechts, links und immer höher und schneller im Einklang der Musik tanzen.

Varieté: Abends die Sterne sehen

Weniger turbulent, aber nicht minder beeindruckend ist die Performance von Alena Ershova. Die Russin verbindet Handstand-Artistik mit Hula-Hoop zu einer bemerkenswerten Kombination aus Kontorsion, Koordination und Körperkontrolle und besticht dabei besonders durch das perfekte Timing ihrer eleganten Choreografie. Ihr Landsmann Pavel Roujilo macht es ihr in puncto Eleganz nach: Der Tempo-Jongleur lässt bis zu neun Bälle durch die Luft tanzen und hat die fliegenden Kugeln dabei stets vollends im Griff. Kontrolliert wirbelt er die Bälle in immer wechselndem Reigen um sich herum, fängt sie mit Fuß oder Kopf ab, lässt sie gezielt an seinem Körper abgleiten und dreht sich dabei selbst noch um die eigene Achse. Beispiellos virtuos.

Meister seines Fachs: Bis zu neun Bälle lässt Tempo-Jongleur Pavel Roujilo in der Luft tanzen. 

Die artistischen Einlagen von Jeroch, der sich selbst in Jonglage und anderen Kunststücken versucht, können freilich mit denen der Profis nicht mithalten. Wenngleich man dem Moderator seine mitunter bemerkenswerte Koordinationsfähigkeit beim zeitgleichen Dribbeln mit einem Ball, Rotieren eines Hula-Hoop-Reifens und Hüpfen auf einem Bein anrechnen muss, schleichen sich doch einige Patzer ein. Gewöhnungsbedürftig ist, wenn Jeroch – begleitet von Wolfgang Fernow am Kontrabass – seiner Liebe zu „Rindviechern“ musikalisch Ausdruck verleiht oder gereimte Kalauer zum Besten gibt („Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Geh’ zum Doktor und der macht das.“). Gerade beim jungen Publikum finden die Albernheiten jedoch Anklang.

Varieté unter Sternen in Dreieich: Burg in Dreieich

Während Illusionist Harry Keaton mit altbekannten Tricks verzaubert, rauben die Pellegrini Brothers den Zuschauern wirklich den Atem: Die preisgekrönten Brüder aus Italien – aus gesundheitlichen Gründen zu dritt statt zu viert auf der Bühne – stellen mit ihrer Partnerakrobatik sondergleichen die Gesetze der Physik infrage. Die Muskeln stehen unter Hochspannung, wenn die Männer ihre Körper fast schon quälend statisch aufeinander stützend in die Höhe steigen lassen und sich der Oberste in einen kerzengeraden Handstand aufschwingt.

Auch Evgeny Vasilenko beherrscht seinen Hand- und sogar Kopfstand, doch der in Las Vegas lebende Akrobat sucht sich dafür einen deutlich wankelmütigeren Untergrund: „Die Stimmung ist gespannt, das Seil ist es nicht“, so die verheißungsvolle Versprechung. Der Seiltänzer turnt bei seiner temporeichen Showeinlage auf einem Schlappseil herum, das zwar seinem Willen gehorcht, dabei jedoch ordentlich ins Schwingen gebracht wird. Vasilenko schaukelt im Handstand auf dem Seil hin und her, schlägt darauf Purzelbäume und legt sich scheinbar gemütlich ab, nur um dann mitsamt dem Seil rasant um die eigene Achse zu rotieren. Dabei flirtet er, seinen feuerroten Zylinder wirbelnd, noch gut gelaunt mit dem Publikum – grandiose Unterhaltungskunst.

von Sina Beck

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