Viele Baustellen

Vereinsvertreter lassen bei den Grünen Dampf ab

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Ohne Moos nix los? Der TV Dreieichenhain hätte gerne weniger davon. Am besten gar keins. Die Laufbahn auf dem Gelände an der Breiten Haagwegschneise ist in einem bedauernswerten Zustand.

Über Jahre hat sich die Dreieicher Politik – ins besondere die Sportplatzkommission – am Fußball abgearbeitet. Nach ellenlangen Diskussionen ist das Thema inzwischen befriedet. Höchste Zeit, sich anderen Sportarten zuzuwenden, finden die Grünen.

Dreieich – Zum Auftakt ihrer Sommer-Stammtische geht es am Montagabend um Sport in Dreieich – und zwar um „alles außer Fußball“. Zwar sind nur vier Vereinsvertreter der Einladung gefolgt, aber die schütten den Gastgebern ihr Herz aus. Nach einem angeregten Austausch zieht Grünen-Fraktionssprecher Roland Kreyscher den Schluss: „Uff. Ganz schön viele Baustellen. “.

Siegfried Stefanski, seit vielen Jahren Leiter der Abteilung Basketball beim SV Dreieichenhain, klagt über das undichte Flachdach der Turnhalle an der Weibelfeldschule. „Seit einem guten Jahr regnet es rein. Und was passiert? Nichts! Jetzt haben wir Ferien, da hätte man das doch angehen können“, meint Stefanski. Für die Unterhaltung ist der Kreis zuständig, der damit bekanntlich die SKE beauftragt hat. Doch der Vertrag läuft am Jahresende aus. „Da will jetzt wohl keiner noch was machen“, mutmaßt der Chef der Basketballer.

Stefanski hat aber noch andere Sorgen. Im Gegensatz zu früher werde die Halle freitags vor den Punktspiel-Wochenenden nicht mehr gereinigt. Das sei für die Sportler gefährlich. Er spricht zudem von mangelhafter Hygiene in Umkleiden und Duschen. „Der Kreis fühlt sich nur von Montag bis Freitag zuständig. Das Wochenende sei Sache der Stadt“, sagt Stefanski mit einem Anflug von Resignation. Er habe den Landrat, den Bürgermeister und den Vorsitzenden des Sportkreises angeschrieben – ohne Ergebnis. „Das kann einen als Ehrenamtler schon frustrieren.“ So eine Halle sei auch eine Visitenkarte für eine Gemeinde. „Stattdessen fragen uns Gästeteams, wie’s denn hier aussieht.“

Hartmut Leyer, Mitglied im Hauptvorstand des SVD, schildert die Probleme der SG Dreieich. Die Schwimm-Gemeinschaft ist ein Zusammenschluss von SVD, TV Dreieichenhain und TG Sprendlingen. Die Abteilung habe sommers wie winters nicht genügend Trainingszeiten in den beiden Bädern. Die Leistungsschwimmer müssten teilweise nach Offenbach und Darmstadt fahren. Manchmal könnten auch keine Jugendlichen mehr aufgenommen werden, sagt Leyer und setzt noch einen drauf: „Für Anfängerkurse muss schon mal nach Frankfurt ausgewichen werden.“ Die Abteilung sei in Konkurrenz mit den Bädern, weil die auch Kurse anböten.

Einen wahren Boom erlebt in Dreieich Parkour. Allein bei der Sprendlinger Turngemeinde betreiben rund 140 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene die noch junge Sportart, bei der es Hindernisse zu bewältigen gilt. Auch beim TVD und der SG Götzenhain liegt Parkour im Trend. Bei der TG gibt es sieben Gruppen, erzählt Übungsleiter Maxim Kuznetsov. Sie seien über mehrere Hallen im Stadtteil verteilt. Der Verein könnte zusätzliche Zeiten auch für andere Sportarten gut gebrauchen, zumal die Arbeiten an der eigenen Halle in der Rhönstraße noch andauerten. Kuznetsov regt an, die Nutzung der kleinen Hallen zu optimieren. „Unter der Woche ab 15 Uhr und am Wochenende stehen sie oft leer.“ Aber das sei mit Stadt und Kreis alles recht kompliziert – allein schon am Schließdienst schieden sich die Geister.

Der TVD hat weite Teile des Geländes an der Breiten Haagwegschneise von der Stadt gepachtet, aber die Fußballplätze und die Laufbahn für die Leichtathleten nicht. Die Bahn sei in einem katastrophalen Zustand, moniert Monika Lenhard vom Hauptvorstand des Turnvereins. „Sie ist vermoost und zugewachsen. Die Stadt pflegt den Rasen, aber die Laufbahn lässt sie verkommen“, ärgert sich Lenhard. Dabei habe man gerade bei den Jugendlichen im Moment einen sehr ordentlichen Zulauf. Gerade erst beim jüngsten Waldlauf der LGD hätten Teilnehmer die schöne Anlage gelobt, sich aber über die schlechten Verhältnisse der Bahn gewundert, so Lenhard.

Schwierig ist nach ihren Worten auch die Situation für die noch junge Cricket-Abteilung, in der viele Flüchtlinge ihrem Hobby nachgehen. „Die Mannschaft hat viel zu wenig Trainingszeiten, muss sich mit einem kleinen Rasenstück behelfen. Für die Heimspiele bräuchte das Team zehn Termine, kriegt aber nur drei.“ Lenhards Schlussfolgerung: „Die Platzvergabe bei der Stadt ist etwas unbeweglich.“

Kreyscher und sein Fraktionskollege Peter Graff machen sich teilweise kopfschüttelnd eifrig Notizen. Graff sichert zu, die Themen in der Sportplatzkommission anzusprechen.

Der nächste Stammtisch der Grünen ist am Dienstag, 23. Juli, um 19 Uhr in der Gaststätte des TC Rot-Weiß Sprendlingen. Dazu haben sie unter anderem Vertreter der Gewerbevereine gebeten, um zu erfahren, wo die Einzelhändler der Schuh drückt.

VON FRANK MAHN

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