Beratung für Menschen mit Behinderung

Winkelsmühle bietet Hilfe in vielen Lebenslagen

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Für das jüngste Beratungsangebot in der Winkelsmühle sind Anja Schmidt (links), Patricia Goetz und Esther Seitz (nicht auf dem Foto) zuständig.

Eine Krebs-Patientin, die nach vielen Monaten der Therapie wieder in die Arbeitswelt einsteigen möchte, ein Unfallopfer, das sich – nun im Rollstuhl – nach ihm zustehenden Hilfen erkundigen möchte, ein junger Mann mit geistiger Einschränkung, der auf der Suche nach einer Form des betreuten Wohnens ist, weil er mit Anfang 30 bei seinen Eltern ausziehen möchte – sie alle finden Hilfe in der Winkelsmühle.

Dreieich – Diplom-Sozialarbeiterin Esther Seitz, Ergotherapeutin Anja Schmidt und Diplom-Pädagogin Patricia Goetz sind das Team des Bundesprogramms „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“, kurz EUTB. Unter dem Motto „Teil sein – Teil haben“ bieten sie in Dreieichenhain Beratung für alle Menschen mit Behinderung oder von einer Behinderung bedrohte Menschen, deren Angehörige und Freunde aus dem Kreis Offenbach an. Ziel ist immer ein selbstbestimmtes Leben für die betroffenen Menschen. .

An fünf Tagen in der Woche (Montag bis Donnerstag von 9 bis 15, Freitag von 9 bis 12 Uhr) sind die drei Frauen für Ratsuchende da. Im August 2018 gestartet, können sie inzwischen von ihren Erfahrungen berichten: „Eines ist schon mal klar: Kein Fall ist wie der andere. Wir hören jeden Tag völlig individuelle Geschichten, auf die wir uns immer wieder neu einstellen müssen und wollen“, sagt Anja Schmidt. Viele Probleme haben mit Papierkram zu tun. „Oft sind es Anträge, bei denen wir helfen können. Dabei haben wir Menschen hier, die sehr abgeklärt kommen, schon sehr gut informiert sind und einfach an einer Stelle nicht weiterkommen. Aber es gibt auch Leute, die mit den geringsten Widerständen vonseiten der Behörden, Kranken- oder Rentenversicherungen überfordert sind und dann ganz emotional reagieren.“ Dabei geht es um Themen wie Erwerbsminderungsrente, Grundsicherung im Alter, Hilfe bei der medizinischen Rehabilitation oder ganz persönliche Fragen zur individuellen Lebensgestaltung.

Das Team ist auch als Mutmacher gefragt. „Vor mir saßen schon weinende Männer, da wird so ein Gespräch fast therapeutisch“, erzählt Patricia Goetz. Die Frauen haben in den vergangenen Monaten selbst viel gelernt: „Aber wir müssen auch viel recherchieren. Manche Fragen muss der Ratsuchende letztlich selbst entscheiden. Neulich hatten wir jemanden hier, da haben wir gemeinsam überlegt, ob es sinnvoll ist, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen oder nicht. Da können wir nur die Vor- und Nachteile besprechen, die Entscheidung liegt beim Betroffenen selbst“, sagt Goetz.

Viele Fragen drehen sich um die Teilhabe am Arbeitsmarkt. Da gibt es beispielsweise einen jungen Menschen, der mit Behinderung eine Ausbildung absolviert hat. Jetzt soll er in eine Werkstatt geschickt werden – und will das verständlicherweise nicht. „Da suchen wir nach Wegen, wie wir helfen können, die Person in den Arbeitsmarkt zu vermitteln“, erläutert Goetz. Wichtig ist dabei immer: Sie und ihre Kolleginnen sind völlig unabhängig und müssen nicht die Interessen einer Krankenversicherung oder einer Rentenversicherung vertreten.

Ein wichtiges Element der Arbeit ist auch die Vermittlung in andere Beratungsangebote: Bei Fragen zur Inklusion an Schulen ist IGEL Offenbach die richtige Adresse, im Frankfurter EUTB sind die Mitarbeiter auf Blinde und Gehörlose spezialisiert, bei psychischen Erkrankungen hilft die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle.

Das Bundesprogramm ist bis Ende 2020 angelegt, danach folgt eine Evaluation und weitere zwei Jahre sind angedacht. Die drei Mitarbeiterinnen in der Winkelsmühle erweitern ihr Angebot jetzt über Dreieich hinaus. An einem Tag im Monat gibt es Sprechstunden im Beratungszentrum Mitte in Dietzenbach und im Beratungszentrum Ost in Nieder-Roden. Auch in Mühlheim soll es künftig Termine geben. Langfristig soll die EUTB von Dreieich nach Dietzenbach umziehen – bislang wurden aber noch keine barrierefreien und bezahlbaren Räumlichkeiten gefunden.

Patricia Goetz, Anja Schmidt und Esther Seitz sind per E-Mail an info.eutb@diakonie-of.de oder unter 06103/9875-24 zu erreichen.

Infos im Internet unter teilhabeberatung.de

Von Nicole Jost

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