Aufregung in den Baierhansenwiesen

Trampelpfad gesperrt und Weiden gefällt – Kreis Offenbach reagiert jetzt auf Ärger

Die Baierhansenwiesen sorgen für erhitzte Diskussionen.
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Die Baierhansenwiesen in Dreieich sorgen für erhitzte Diskussionen.

In Dreieich bei Offenbach wird ein Trampelpfad abgesperrt – und Weiden frisch gefällt. Die Naturschutzbehörde erklärt jetzt: Das ist rechtens.

Dreieich – Die Baierhansenwiesen und die gefällten Weiden erhitzen weiterhin die Gemüter in Dreieich (Kreis Offenbach). Wie berichtet, haben die städtischen Dienstleistungsbetriebe mit den Stämmen einen illegalen Trampelpfad abgesperrt, um die Wiese und deren Pflanzen zu schützen. Doch nicht jeder ist gewillt, sich daranzuhalten. Zwischenzeitlich wurde die Barriere von Unbekannten zur Seite gezogen.

In den sozialen Netzwerken ist eine heiße Diskussion entbrannt. Auch die Redaktion hat eine E-Mail erreicht, in der der Verfasser vor allem die Fällung der Weiden verurteilt. „Es geht hier nicht darum, ob es rechtens ist, noch vor Beginn der Brut- und Setzzeit am 1. März Schnitte in einem Landschaftsschutzgebiet anzusetzen, denn das ist unstrittig. Es geht hier ganz klar und sauber differenziert darum, dass in diesem Zuge ganzjährig unter strengem Naturschutz stehende Bäume gefällt wurden“, heißt es in dem Schreiben. Es sei verboten, Weiden und Weidenkätzchen zu fällen – und das grundsätzlich.

Dreieich bei Offenbach: Mit frisch gefällten Weiden Weg abgesperrt

Das stimmt so nicht. Auf Anfrage bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) in Dietzenbach, sie hat die Fällung genehmigt, sorgt Kreissprecherin Ursula Luh für Aufklärung: Bis 2009 war im Hessischen Naturschutzgesetz verankert, dass Pflanzen, die Kätzchen tragen, nicht aus der Natur entnommen werden dürfen. Nicht gefällt, nicht geschnitten, nicht abgebrochen. „Aber dieses Hessische Naturschutzgesetz wurde 2009 abgelöst und durch das Bundesnaturschutzgesetz ersetzt. In diesem Gesetz gibt es den Paragrafen zu den Weidenkätzchen nicht mehr.

Das bedeutet, die Bäume durften auch nach aktuell geltender Gesetzeslage gefällt werden“, erklärt Luh. Geltend ist der Paragraf 39 des Bundesnaturschutzgesetzes: „Es ist verboten, Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen.“

Aufregung um gefällte Bäume in Dreieich bei Offenbach: Weiden wachsen schnell

Karl Markloff, Leiter des Ressorts für Infrastruktur und Umwelt, ergänzt noch eine Besonderheit der Weide: „Die Bäume schlagen wieder aus. Das heißt, der Baum treibt am Stumpf aus und wächst dann schnell wieder in die Höhe“, erklärt der Fachmann. Das bedeutet, die Freunde der Weiden können sich im nächsten Jahr schon wieder an ihnen erfreuen.

Entlang des Hengstbachs in Buchschlag in Dreieich wurden in dieser Woche ebenfalls Bäume gefällt oder gestutzt. Die betroffenen Wildkirschen, Weiden und Erlen waren als abgestorben, krank oder beschädigt identifiziert worden. Ein kranker Baum, der bei Wind schneller umstürzt, stellt eine Gefahr für die anliegenden Grundstücke dar. Auch für diese Baumarbeiten gibt es eine Genehmigung von der UNB. Die Bäume wurden vorher auf mögliche Höhlungen, Nester oder Risse mit tierischen Bewohnern untersucht, damit kein Tier durch die Baumarbeiten heimatlos wird. (njo/fm)

Auch im Stadtteil Götzenhain in Dreieiech gab es jüngst Ärger zulasten der Natur: Eine Gartenbesitzerin musste auf Anordnung der Unteren Naturschutzbehörde Bäume und Sträucher fällen – auf einem 400 Quadratmeter großem Grundstück.

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