Änderung der gängigen Praxis gefordert

Initiative „Familie in der Krise“: Gegen häusliche Isolation von Kindern

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Für viele Kinder bedeutet die Quarantäne Isolation. Das soll sich ändern, fordert eine Initiative.

Kinder haben es bei Quarantäne oft besonders schwer. Eine Initiative in Dreieich will das jetzt ändern.

Dreieich – Die Initiative Familien in der Krise stellt sich ausdrücklich gegen die gängige Praxis von Gesundheitsämtern, im Rahmen einer Quarantäne zusätzlich die häusliche Isolation der betroffenen Kinder anzuordnen. Anlass ist – wie berichtet – der Fall der Kita Schulstraße in Sprendlingen, bei dem 60 Kinder und Erzieher in Quarantäne geschickt wurden, nachdem zunächst ein Vater und später auch sein Kind positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden.

In einem Anschreiben des Gesundheitsamtes des Kreises wird von den Eltern explizit verlangt, ihre Kinder zeitlich wie räumlich von den übrigen Haushaltsmitgliedern zu trennen. Die Anordnung sei unabhängig davon, ob sich die Kinder tatsächlich in der Kita mit dem Virus angesteckt haben. „Eine Möglichkeit, sich testen zu lassen, wurde nicht eingeräumt“, wie Familien in der Krise von Betroffenen erfahren hat.

„Die Anordnung häuslicher Isolierung stellt für Kinder eine seelische Grausamkeit dar! Wir können nur hoffen, dass dies nicht dem generellen Vorgehen von Gesundheitsämtern entspricht, denn die Anordnung widerspricht dem Grundsatz des Schutzes und der Pflege von Kindern. Vielmehr noch: Aus unserer Sicht verlangt diese Anordnung eine akute Vernachlässigung – man könnte schon von Kindeswohlgefährdung sprechen“, kritisiert Diane Siegloch, Mitgründerin der Initiative.

„Das Schreiben des Gesundheitsamts ordnet explizit an, das Kind in einem separaten Raum getrennt von anderen Haushaltsmitgliedern unterzubringen. Auch die Mahlzeiten soll das Kind alleine einnehmen! Wir sprechen hier von Kita-Kindern, die teilweise erst drei, vier oder fünf jahre alt sind”, so Ulrike Stroh, ebenfalls Gründerin der Initiative und Leiterin der Lokalgruppe Offenbach. „Auch wenn der mündliche Kontakt mit dem Gesundheitsamt sehr freundlich ist, werden die Eltern eingeschüchtert, indem ihnen bei Nichteinhaltung eine zwangsweise Absonderung des Kindes und ein hohes Bußgeld angedroht wird“, führt sie weiter aus.

Vor Corona wäre eine solche Isolation zweifelsohne als Kindeswohlgefährdung eingestuft worden und hätte einen Besuch des Jugendamts zur Folge gehabt. Nun werde die Aufforderung zu einem solchen Verhalten als Serienbrief an Eltern verschickt – alles unter Maßgabe des Gesundheitsschutzes. Laut Schreiben stünden „die Maßnahmen (…) in ihrer Wirkung auch nicht außer Verhältnis zum beabsichtigen Schutzzweck”. Die psychische Gesundheit der Kinder scheine in Deutschland mittlerweile keine Rolle mehr zu spielen, bedauert die Initiative.

Im krassen Gegensatz dazu stehen die Empfehlungen der Behörden beispielsweise in Dänemark. Dort heiße es sogar in Fällen von Corona positiven Kinder: Fürsorge und Umarmungen seien wichtiger als Abstand halten. Familien in der Krise fordert die Politik und die Gesundheitsämter umgehend auf, die Praxis der häuslichen Isolation für Kinder umgehend zu beenden.

Der Kreis Offenbach kündigt auf Anfrage eine ausführliche Stellungnahme an. Von Holger Klemm

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