Interton Trio blickt auf 50 gemeinsame Jahre

Kein Absturz als Starfighter

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Helmut Sauer, Hans Lenk und Karlheinz Kastner brauchen keine Verstärker, um für gute Stimmung zu sorgen.

Dreieich - Von Ehepaaren, die es 50 Jahre zusammen ausgehalten haben, hört man öfter, nicht aber von Bands, die einen solch langen Zeitraum überstanden haben. Eine Ausnahme findet sich in Dreieich. Dort blickt das Interton Trio auf sage und schreibe fünf Jahrzehnte zurück. Von Holger Klemm

Der Weg führte von den Anfängen in Schülerbands über Tanzlokale und Vereine bis zu den heutigen Auftritten bei Benefizveranstaltungen und Feiern. Und beinahe hätte sich für Helmut Sauer (Gitarre), Hans Lenk (Akkordeon) und Karlheinz Kastner (Bass) der Weg als Profimusiker eröffnet. Heute sind sie froh, dass es nicht dazu gekommen ist.

Der Spaß an der Musik war der Auslöser und der Spaß ist bis heute geblieben. Sonst wären Sauer, Lenk und Kastner wohl nicht dabei geblieben. „Privat machen wir nicht so viel zusammen“, antwortet Sauer auf die Frage, wie man es so lange miteinander aushält. „Und wir verstehen uns.“ Es sei aber nicht einfach gewesen, Beruf, Musik und Familie auf die Reihe zu bringen. „Aber es muss irgendwie gelungen sein, sonst könnten wir nicht 50-jähriges Bestehen feiern.“

Mit der Schulband fing alles an

Bereits Ende der 50er Jahre entstand bei Sauer und Lenk an der damaligen Goetheschule (heute Heine-Schule) der Wunsch, eine Schulband zu gründen und vor Publikum aufzutreten. In verschiedenen Zusammensetzungen gab es erste Gehversuche. „Es wurde geprobt, aufgetreten und auch unter verschiedenen Bandnamen wie Mexikana oder Starfighters agiert“, erinnert sich Sauer. Da die gleichnamigen Kampfflugzeuge der Bundeswehr ständig abstürzten, verschwand letzterer Name aber schnell.

Kastner war den beiden zwar schon bekannt, doch erst zum Ende der Schulzeit bei einer der legendären Partys bei Zimmermeister Werkmann entstand das Vorhaben, es gemeinsam zu versuchen.

Dieses Foto stammt aus dem Jahr 1968. Foto: p

Als das neue Trio 1965 auf der Suche nach einem Namen war, „kam ein Anruf, mit dem niemand rechnen konnte“, so Sauer. Eine Agentur Apelt, die auch mit Hazy Osterwald arbeitete, war auf der Suche nach einem Trio, nachdem sich die Schweizer Profiband Interton Trio aufgelöst hatte. Die drei jungen Dreieicher, die gerade am Anfang ihrer Ausbildung waren, sprangen nach einer Bedenkzeit von 24 Stunden ein, übernahmen den Namen und die Profi-Verträge.

Von ihrem alten Leben verabschiedeten sie sich nicht ganz. „Tagsüber ging es brav zur Arbeit, ansonsten wurde jeden Abend Musik gemacht“, so Sauer. „Wir waren damals junge Burschen, da ging das – auch wenn es hart war.“ Die Entscheidung sei aber richtig gewesen. Nie hätten die Drei sonst die Chance bekommen, so hautnah mit Hazy Osterwald und vielen anderen Top-Musikern zusammen zu kommen. „Und wir haben die Routine und das lockere Auftreten gelernt. Das hat uns später von anderen Bands abgehoben.“

Einen über fünf Jahre laufenden Vertrag auf Kreuzfahrtschiffen schlug das Trio aus, da Lenk seine Beamtenlaufbahn nicht aufgeben wollte. „Wir schimpfen heute noch mit ihm, dass er unser Leben vermasselt hat. Doch ernst ist das nicht gemeint“, berichtet Sauer. „Sicher wären wir als Profis heute nicht mehr am Spielen, da sich die Branche durch viele Einflüsse knallhart verändert hat.“ Obendrein hätte die Gefahr bestanden, als Alkoholiker zu enden.

So schlug das Interton Trio sein nächstes Kapitel als gefragte und beliebte Amateurkapelle auf. „Durch unsere Erfahrungen waren wir besser als die anderen“, so Sauer. Es war die Zeit der Tanzlokale, die gerammelt voll waren. Und Stimmung war garantiert, wenn das Trio auftrat. Die Musik lief parallel zu den jeweiligen Jobs. Sauer arbeitete in einer Werbeagentur, Lenk war Beamter und Kastner hatte einen Schreibwarenladen.

Auftritte bei Vereinen und Veranstaltungen

Doch die Ära der Tanzlokale endete, als die Discos aufkamen. Das Interton Trio spielte fortan bei Vereinen oder Veranstaltungen. Und irgendwann fiel die Entscheidung, auf Strom und Steckdosen zu verzichten, was beim Publikum bis heute sehr gut ankommt.

Musikalisch stehen Schlager und Evergreens im Mittelpunkt. „Anfangs gab es auch Ausflüge in den Rock- und Beatbereich, doch wir hatten das Geld nicht, um eine wirklich gute Anlage zu kaufen“, meint Sauer, der das Repertoire auf bestimmt 1000 Titel schätzt. „Wir könnten zehn Stunden am Stück spielen und hätten nicht alles durch.“ Bei Auftritten können sie auch auf Zuruf den gewünschten Titel präsentieren. Proben muss das Trio nicht mehr.

Karten für die Jubiläumsgala gibt es unter 06103/60000.

Heute spielen Benefizveranstaltungen beispielsweise für das Haus Dietrichsroth in Dreieichenhain oder die Speisekammer in Neu-Isenburg eine große Rolle, es gibt aber auch weiter Auftritte bei Veranstaltungen wie des Frankfurter Karnevalsclubs Laternche, bei Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten. Beim fulminanten Auftritt im Herbst 2014 in der Hugenottenhalle kamen beispielsweise 12.800 Euro für die dortige Speisekammer zusammen.

So langsam fordert das Alter doch seinen Tribut – Sauer und Lenk sind 66, Kastner 69. So gibt es mehr und mehr Kurzauftritte als Überraschung, oft als Gastgeschenk. „Und innerhalb kürzester Zeit sind Stimmung und gute Laune eingekehrt“, freut sich Sauer. Das alles sei nur ohne Verstärker möglich, da nur so alle Gäste in die Lieder einstimmen können.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

Natürlich wird der runde Geburtstag groß gefeiert – mit einer Jubiläumsgala am Samstag, 10. Oktober, um 20 Uhr im Bürgerhaus mit vielen befreundeten Künstlern. Das Motto „So schön war die Zeit“ ist da Programm. Der Vorverkauf läuft bereits im Bürgerhaus. „Die Nachfrage ist groß“, freut sich Sauer, der natürlich auf ein volles Haus hofft. Schon jetzt haben sich Freunde aus der ganzen Republik angekündigt.

Die Drei hoffen auf eine stabile Gesundheit, um noch möglichst lange weitermachen zu können. Sauer abschließend: „Was kann es Schöneres geben, als so viele Jahrzehnte sein Hobby zu betreiben, natürlich auch etwas zu verdienen und nicht zuletzt mit den Benefizprojekten Menschen, die Unterstützung benötigen, zu helfen.“

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