Gelebte Solidarität

Judoverein in Dreieich-Sprendlingen verzichtet auf Mitgliedsbeiträge

Um seine Mitglieder zu unterstützen, verzichtet der Judoverein Sprendlingen auf Mitgliedsbeiträge.

Dreieich – Wenn das kein starkes Zeichen in der Krise ist: Vor einigen Tagen erhielten die Mitglieder des 1. Sprendlinger Judovereins erfreuliche Post. Der Vorstand teilte den mehr als 530 Mitgliedern mit, dass er auf sämtliche Mitgliedsbeiträge im zweiten Quartal verzichtet, um sie in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Für den Verein bedeutet das Einbußen im fünfstelligen Bereich. „Diese Entscheidung hat unabhängig davon Bestand, ob vor den Sommerferien wieder Training möglich sein wird oder nicht“, heißt es auf der Homepage.

Judo und Ju-Jutsu sind Kontaktsportarten. Das geht momentan gar nicht. An einen regulären Übungsbetrieb, geschweige denn Wettkämpfe, ist vermutlich noch eine ganze Weile nicht zu denken. Aber zwei Gruppen nehmen in dieser Woche das Training wieder auf, berichtet Ehrenpräsident Thomas Meyer. Dabei geht es um reine Konditionsarbeit. Auch Krafttraining ist angesagt. „Alles, was man so alleine auf der Stelle machen kann“, beschreibt es Meyer. Dazu gibt’s fetzige Musik.

Die Teilnehmer in beiden Gruppen sind mindestens 16 Jahre alt. Dadurch sei gewährleistet, dass Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. „Bei den Jüngeren ist das erfahrungsmäßig schwierig“, so der Ehrenpräsident. Selbstverständlich würden alle Matten nach der jeweiligen Einheit desinfiziert.

Der Verein war seit Beginn der coronabedingten Zwangspause nicht untätig. Er hat sein Dojo energetisch auf Vordermann gebracht. In dem vereinseigenen Trainingsgebäude in der Oisterwijker Straße wurde die Beleuchtung auf LED umgerüstet, um den Stromverbrauch zu senken. Meyer ist froh über die Unterstützung aus den Reihen der Mitglieder. „Wir haben das nahezu in Eigenregie gemacht, nur die Kosten für die Lampen und andere Materialien mussten wir aufbringen.“ Zum Schluss folgte noch ein frischer Anstrich. „Wir haben die letzten Wochen gut genutzt“, bilanziert Meyer, dessen Tochter Annika zum Ju-Jutsu Bundeskader gehört und wie so viele andere Athleten das Ende des Ausnahmezustands herbeisehnt.

Dass der Verein auf eine ordentliche Stange Geld verzichtet, sei ein Zeichen der Solidarität mit den Mitgliedern, von denen gut die Hälfte Kinder und Jugendliche sind. Gerade Familien, die derzeit viel zu schultern hätten, wolle man die Situation etwas erleichtern, erklärt Thomas Meyer. Dieses Signal des Vorstands kommt natürlich gut an. „Der 1. Sprendlinger Judoverein ist nicht nur im Sport, bei Festen und Reisen eine lebendige Gemeinschaft, sondern auch in der Krise“, lobt Frauke Grundmann-Kleiner, deren Sohn in dem Verein seinem Hobby nachgeht. Und sie ergänzt: „Dass Solidarität keine Einbahnstraße ist, haben einige Mitglieder bereits durch die Überweisung von Spenden gezeigt.“

VON FRANK MAHN

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