„Es war eine geile Zeit“

Karl Schliebitz und Ulrike Götz-Becker nehmen Abschied vom Hofgarten

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Karl Schliebitz und Ulrike Götz-Becker nehmen Abschied vom Hofgarten.

Momentan ist ihnen beiden ziemlich wehmütig ums Herz. Für Karl Schliebitz und Ulrike Götz-Becker ist heute ein besonderer Tag. Er markiert das Ende ihres gemeinsamen beruflichen Lebenswerks, das sie vor mehr als 36 Jahren begründet haben.

Götzenhain – Ihr „Baby“, der Hofgarten in der Rheinstraße, ist eine Dorfkneipe, wie sich in der Region keine andere findet. Aber die Eltern sind in die Jahre gekommen und ziehen sich aufs wohlverdiente Altenteil zurück. Schliebitz (71) und Götz-Becker (64) zapfen heute Abend ihr letztes Bier und verwöhnen die Gäste noch einmal mit Pfälzer Spezialitäten. Dann ist Schluss: Time to say goodbye.

Das Ende kommt keinesfalls überraschend. Das Pächter-Duo hatte sich schon länger mit dem Gedanken an den Ruhestand getragen. Darf man in dem Alter ja auch. Zumal sich der Verkauf der Immobilie abzeichnete, der seit ein paar Tagen vollzogen ist. Natürlich wünschen sich Götz-Becker und Schliebitz, dass im Hofgarten weiterhin durstige und hungrige Gäste bedient werden. „Unser Ziel war es, einen nahtlosen Übergang zu schaffen“, schildert Schliebitz. Das ist nicht gelungen. Der neue Eigentümer habe ihm gegenüber gesagt, dass er erst seit Kurzem Planungssicherheit habe.

Fixstern am Götzenhainer Gastrohimmel geht zumindest vorübergehend unter

Somit geht der Fixstern am Götzenhainer Gastrohimmel zumindest vorübergehend unter. Doch Schliebitz ist vorsichtig optimistisch, dass die Dorfkneipe mit ihrem urigen Mobiliar erhalten bleibt. Das Inventar im Gastraum wolle der neue Besitzer nämlich übernehmen. Von einem möglichen Nachfolger als Pächter, den man ihm vorgestellt habe, sei er allerdings nicht überzeugt gewesen.

Das bestätigt der neue Hausherr, der in der Zeitung nicht namentlich genannt werden will, indirekt auf Anfrage der Redaktion. „Man muss ja nicht den Erstbesten nehmen.“ Der Hofgarten solle weiterhin ein Gastrobetrieb bleiben, er sei auf der Suche nach einem Pächter. Mehr lässt sich der Eigentümer nicht entlocken.

Im August 2018 feierten die beiden das 35-jährige Bestehen des Hofgartens mit hunderten Gästen.

Auch wenn aus dem erhofften fließenden Übergang nichts wird, überwiegen nach mehr als 36 Jahren die Erinnerungen an eine „geile Zeit“, wie es der „Pfälzer Bub“ formuliert. „Wir haben grandiose Menschen kennengelernt, viele Freundschaften sind entstanden.“ Dabei fremdelten gerade die alteingesessenen Götzenhainer anfangs stark mit den beiden Zugezogenen. Motto: Zu den Grünen gehen wir nicht. Die lebten anfangs in einer großen WG über der Gaststätte.

Die Abschiedsfeier

Doch der Edenkobener und die Düsseldorferin, die sich an der Uni kennengelernt hatten, ließen sich nicht beirren, etablierten sich in der Dorfgemeinschaft und machten den Hofgarten mit seinem herrlichen Freisitz zu einer Institution. Wer sich von den beiden Wirtsleuten verabschieden möchte, kann heute Abend gemeinsam mit den beiden ein Tränchen verdrücken.

Hin und her ging es in den vergangenen Monaten. Heute aber ist definitiv der letzte Tag für Karl Schliebitz und Ulli Götz-Becker. Wann der Hofgarten wieder öffnet, ist ungewiss.

von Frank Mahn

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