Eine Mammutaufgabe

Kinderbetreuung soll bis 2028 erheblich ausgebaut werden

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Neben der Kita Winkelsmühle, die auf dem Foto zu sehen ist, wurde auch die Kita am Wilhelmshof erweitert. Doch es sind zusätzliche Anstrengungen notwendig, um die Versorgung mit Kitaplätzen zu verbessern.

Es ist keine leichte Kost, die die Mitglieder des Sozialausschusses da vorgesetzt bekommen. Eine interne Arbeitsgruppe präsentiert ihre Vorschläge zur Verbesserung des Versorgungsgrads an Betreuungsplätzen in den Kitas – und damit sind jede Menge Daten verbunden.

Dreieich – „Wir haben da einiges vor der Brust“, räumt Bürgermeister Martin Burlon ein. Denn aktuell liegt der Versorgungsgrad im U3-Bereich nur bei 27,4, bei Ü3 bei 79,3 Prozent. Doch für eine Aufstockung muss die Stadt viel Geld in die Hand nehmen.

Burlon sieht in der Kinderbetreuung aktuell eine der größten Herausforderungen der Kommunen: „Familie unterliegt einem Wandel. Beide Eltern wollen und sollen in ihrer beruflichen Entwicklung nicht eingeschränkt werden.“ Das erfordere eine Weiterentwicklung des Betreuungsangebots vor Ort.

Den Sachstandsbericht und die Ergebnisse der AG tragen Ellen Grohe, Anne Stein und Martin Krauskopf vor. Angesichts einer wachsenden Dreieicher Bevölkerung und eines überproportionalen Anstiegs der Kinder bis zum Alter von sechs Jahren von prognostiziert zwei Prozent bis 2025 müsse gehandelt werden. Ende 2018 habe der Fehlbedarf im U3-Segment bei 201 Plätzen (bis zu einer Versorgung von 50 Prozent) sowie von 337 im Ü3-Bereich gelegen. Momentan würden sogar 357 Plätze fehlen. Besonders gravierend ist demnach die Situation in Sprendlingen mit einem Minus von 211. Mit zahlreichen Baumaßnahmen bis 2028 soll der U3-Versorgungsgrad auf 48,5, der im Ü3-Segment auf 97,3 Prozent steigen.

Dazu ist einiges geplant. Aktuell wurden die beiden Erweiterungsbauten an bestehenden Einrichtungen fertiggestellt, die im September den Betrieb aufnehmen sollen. Da wurden 36 Plätze in der U-3-Betreuung (Winkelsmühle) und bis zu 100 (Ü3) am Wilhelmshof geschaffen. Die erste Phase wird bis 2020 mit der Erweiterung der Kita Gravenbruchstraße (plus drei Gruppen) abgeschlossen. Bis Ende 2022 sollen in den Kitas Zeisigweg und Oisterwijker Straße insgesamt weitere 44 Plätze (Ü3) und weitere 36 (U3) entstehen. Für Ende 2023 sind zusätzlich 66 Ü3- und 24 U3-Plätze durch die Erweiterung der Kita Rückertsweg geplant. In einer zweiten Ausbaustufe bis Beginn 2028 sind weitere 132 Ü3- und 60 U3-Plätze anvisiert. Dafür sind Erweiterungen der Kitas Nahrgangstraße und Am Lachengraben sowie ein Neubau für sechs Gruppen an der Hainer Chaussee vorgesehen. Die Zahl der Ü3-Kindergartenplätze könnte von aktuell 1379 auf 1719 im Jahr 2028 steigen und der Fehlbedarf auf dann 48 Plätze sinken.

Dafür ist ein tiefer Griff in die Taschen notwendig. Die AG geht von geschätzten Investitionskosten in Höhe von 33,34 Millionen Euro aus und hat zu erwartende Preissteigerungen mit einkalkuliert.

Der Bericht wird in der nächsten Sitzung des Sozialausschusses am 3. September ausführlich diskutiert.

Aktuell unterhält die Stadt in eigener Trägerschaft 18 Kitas. Daneben gibt es vier freie Träger (U3) mit fünf Einrichtungen. Zudem werden in der Betriebskita Biotest Dreieicher Kinder von Mitarbeitern betreut. 2018 wendete die Stadt über 12,1 Millionen Euro für die Kinderbetreuung in städtischen Einrichtungen und für die Zuschüsse an freie und konfessionelle Träger auf. Das entspricht rund 72 Prozent der Gesamtaufwendungen. Der Anteil der Elternbeiträge beläuft sich auf rund elf, die Zuschüsse von Bund und Land betrugen zusammen rund 17 Prozent. „Kinderbetreuung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, betont der Bürgermeister. Dabei komme den Kommunen eine besondere Bedeutung zu. „Wir wollen und müssen uns dieser Herausforderung stellen, erwarten aber auch, dass die übergeordneten Stellen, die die rechtlichen Anforderungen formulieren, auch ihren Anteil, und zwar einen nicht unerheblichen, zur Finanzierung beitragen“, so Burlon. Seitens des Landesrechnungshofes und der Kommunalaufsicht werde seit vielen Jahren die sogenannte Drittel-Lösung empfohlen. Das bedeute, dass die Kommunen ein Drittel des Aufwands aus Eigenmitteln finanzieren. „Dies ist aktuell, wie die Zahlen zeigen, nicht der Fall. Es ist erforderlich, dass von Bund und Land nicht nur eine finanzielle Unterstützung zum Bau neuer Kindertagesstätten geleistet wird, sondern insbesondere eine verlässliche finanzielle Beteiligung an den laufenden Aufwendungen erfolgt“, fordert Burlon. Ein weiteres Thema war die Betreuung an den Grundschulen. Bericht folgt.

VON HOLGER KLEMM

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