Noch dicke Bretter zu bohren

Klima-AG an der Max-Eyth-Schule setzt sich ehrgeizige Ziele

Die Schüler Julian Martin (von links), Lea Getaneh und die Lehrer Florian Kraft und Ismail Genayigit engagieren sich für die Klima AG der Max-Eyth-Schule.
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Die Schüler Julian Martin (von links), Lea Getaneh und die Lehrer Florian Kraft und Ismail Genayigit engagieren sich für die Klima AG der Max-Eyth-Schule. 

Die Klima-AG der Max-Eyth-Schule hat in den wenigen Monaten nach ihrer Gründung seit für viel Furore gesorgt.

Dreieich – Die Oberstufenschüler, begleitet von einem Team engagierter Lehrer, haben sich nicht nur an den Fridays for Future-Demonstrationen in Frankfurt beteiligt, sondern auch einiges in Bewegung gesetzt. Verbunden ist damit der Wunsch nach mehr Unterstützung.

So haben sie in der Aula im Haus des Lebenslangen Lernens eine Podiumsdiskussion organisiert, bei der 300 Schüler mit Experten über wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel diskutierten. Sie schrieben in der Schule einen Plakatwettbewerb aus, bei dem kreative Poster zur Problematik der Klimaerwärmung entstanden und dank der Klima-AG können die Schüler in der Mensa ihre eigenen Tassen mitbringen, um Müll zu vermeiden. Dieses Engagement zeichnete der Kreis Ende 2019 mit dem Jugendengagementpreis „Ist doch Ehrensache“ aus, die Klima-AG siegte in der Sparte Umwelt und durfte sich über 600 Euro Preisgeld freuen.

„Ja, wir haben ein aufregendes und sehr erfolgreiches Jahr hinter uns“, bilanziert Lehrer Florian Kraft, der mit seinen Kollegen Matthias Wallich, Ismail Genayigit und Eva Walter die Klima-AG leitet, „wir haben viel Aufmerksamkeit bekommen und mit unserem Anliegen viele Menschen – auch außerhalb der Schule – erreicht. Wir sind schon ein bisschen euphorisch, was wir innerhalb kurzer Zeit auf die Beine stellen konnten.“ Jetzt merke die Gruppe aber, dass es noch dicke Bretter zu bohren gilt. „Ich bin mit dem Wunsch angetreten, in unserem Alltag in der Schule etwas zu verändern und verbessern. Wir alle können und müssen etwas für den Klimaschutz tun“, erklärt Julian Martin, Schüler der zwölften Klasse. Gemeinsam hat die Gruppe Ziele formuliert, die nicht ganz so leicht zu erreichen sind: Mülltrennung, ein Wasserspender und eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach sind die großen Träume.

Das Thema Mülltrennung an der MES verwundert dabei: „Im kompletten HLL gibt es keinen getrennten Müll, alles fliegt in eine Tonne“, weiß Matthias Wallich. Die Schüler wünschen sich eine Trennung, wie in Privathaushalten längst üblich: Papier, Plastik, Biomüll und Restmüll. Bislang ist unklar, ob der Aschaffenburger Müllentsorger den Abfall im Nachhinein maschinell trennt. „Das wird eine der Aktionen für 2020 sein, wir wollen die Müllverbrennungsanlage in Aschaffenburg besuchen und uns erklären lassen, was mit unserem Müll passiert“, kündigt Wallich an. Die Mülltrennung wurde bereits bei der Schulleitung und beim Kreis Offenbach angefragt. „Das ist angeblich zu kostenintensiv, weil das Personal mehr Handgriffe zu erledigen hätte“, erläutert Kraft.

Mit einer Ausstellung zum Klimaschutz im vergangenen Jahr in der Pausenhalle fing die Arbeit der Klima-AG an. Seitdem gab es zahlreiche weitere Aktionen. 

Noch mehr Gegenwind ernten die Schüler bei der Anfrage, eine Fotovoltaikanlage zur Stromgewinnung für den Eigenbedarf zu installieren. „Die Bedingungen sind optimal hier. Südlage, Flachdächer und keinerlei Verschattung“, hat sich Kraft bereits informiert. Doch der Kreis hat die Anfrage abgelehnt, auf dem alten Gebäude der MES eine solche Anlage zu installieren. Beim HLL sei der Kreis nur Mieter. Vom Gebäudeeigentümer, einer Niedersächsischen Leasing GmbH, gab es auf die Anfrage der Klima-AG noch nicht einmal eine Antwort. „Es ist verzwickt: Politisch sind die Klimaschutzmaßnahmen gewollt“, sagt Kraft. „Wir fühlen uns nicht blockiert, aber wir werden in unseren Wünschen und Zielen auch nicht unbedingt unterstützt“, bedauert Julian Martin. So schnell lassen sich die Lehrer und Schüler aber nicht entmutigen. Es gibt eine Anfrage bei Landrat Oliver Quilling zu einem Gespräch. „Vielleicht gewinnen wir ihn ja für unsere Ideen“, hofft Pädagoge Kraft, „schließlich hat der Kreis unser Engagement auch schon ausgezeichnet“.

In der nächsten Zeit steht bei der Klima-AG die Beteiligung an weiteren Aktionen an: So gibt es eine Veranstaltung der VHS zum Thema Plastikmüll am 18. März um 18.45 im HLL, am 2. Juli geht es um die Klimaschäden im Wald. Nach den Osterferien ab dem 20. April steht ein ungewöhnliches Projekt an: Die Hausmeister lassen eine Woche lang den Müll, den Schüler achtlos in die Gegend werfen, liegen und die Klima AG dokumentiert die Auswirkungen. Dazu wird es eine Ausstellung geben und am Ende der Woche steht auch ein gemeinsames Aufräumen an.

VON NICOLE JOST

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