Intensivkrankenschwester aus Sprendlingen

Das Virus erwischt nicht nur Ältere

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Klare Botschaften: Katrin Burow (links) und ihre Kollegen tun ihr Bestes, um kranken Mitmenschen zu helfen. Von der Gesellschaft fordern sie Solidarität ein. 

Das Krankenhaus- und Pflegepersonal bekommt gerade besonders viel Aufmerksamkeit. Menschen bedanken sich öffentlich, klatschen um 18 Uhr an offenen Fenstern und so manch einem ist die Bedeutung dieser Berufe durch die Krise erst so richtig bewusst geworden.

Dreieich – Die Sprendlingerin Katrin Burow ist als Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Anästhesie und Intensivmedizin – oder kurz Intensivkrankenschwester – ganz nah dran an den Covid-19-Patienten. Auf der Intensivstation der Frankfurter Uni-Klinik betreut sie die Menschen, die besonders schlimm vom Coronavirus getroffen wurden, in einer eigens dafür eingerichteten Isolierstation. „Derzeit versorgen wir fünf Patienten“, berichtet die Intensivkrankenschwester. Die Station sei bereits auf 17 Betten ausgebaut worden. „Wir können die Kapazität auch ganz kurzfristig verdoppeln. Und damit ist schnell Platz für 34 Viruspatienten geschaffen, die intensivmedizinisch mit Beatmung betreut werden können. “.

Sie habe anfangs selbst gedacht, es treffe vor allem alte Menschen, die mit Vorerkrankung einem besonderen Risiko ausgesetzt sind: „Man wiegt sich damit ja in Sicherheit. Heute weiß ich aber: Die Realität sieht anders aus und wir betreuen bei uns auch junge Patienten, die hoffentlich nicht sterben werden, weil sie der Krankheit mehr entgegenzusetzen haben und sich besser erholen können“, sagt Burow.

Wie verändert das hochinfektiöse Virus den Alltag des Teams auf der Intensivstation? „Wir arbeiten unter deutlich verschärften Bedingungen“, so Burow. Sind Handschuhe und Atemschutzmasken auf der Intensivstation immer Pflicht, hat die Isolierstation eine Schleuse für die Mitarbeiter bekommen, über die so wenig wie möglich Personal direkten Kontakt zu den Patienten hat. Bevor sie mit den Kranken in Kontakt tritt, zieht sich die Intensivkrankenschwester komplett um: Haube, Schutzbrille, Maske und eine wasserdichte Ganzkörperschürze schützen vor der so gefährlichen Tröpfcheninfektion.

„Zu Beginn waren wir alle ein bisschen unsicher, keiner wollte so gerne in diesen Schleusenbereich eintreten. Na klar, wir setzen uns auch immer der Gefahr aus, uns selbst anzustecken. Aber inzwischen haben wir Routine mit den Schutzmaßnahmen“, fühlt sich die 37-Jährige sicher. Sie mache sich mehr Gedanken, wenn sie bei Aldi mit vielen Leuten 40 Minuten an der Kasse warten müsse – ohne sicheren Schutzanzug.

Derzeit sei die Stimmung auf der Station ruhig. Fünf Patienten zu betreuen, biete die Chance, alle Abläufe zu üben. Beispielsweise in welcher Reihenfolge sich die Schwestern und Pfleger die Schutzkleidung an- und wieder ausziehen oder auch welche Utensilien sie auf der Isolierstation brauchen, weil sie ja nicht eben schnell wieder rausgehen können, um etwas Vergessenes zu holen. Das Arbeiten unter diesen Bedingungen sei physisch anstrengender als der normale Dienst. Die Schutzkleidung ist schwer, durch den Zugang über Schleuse ist eine kurze Trinkpause nicht so einfach möglich.

Dennoch ziehe das komplette Team an einem Strang und es herrsche eine gute und konzentrierte Arbeitsatmosphäre. „Wenn es mehr Corona-Patienten auf der Intensivstation gibt, wovon wir alle ausgehen, haben wir schon Routine in Ablauf und Logistik“, so die Dreieicherin, die ihren Beruf als ihren Traumjob beschreibt.

Katrin Burow ist überzeugt davon, dass die Medizin in Deutschland und das ganze Gesundheitssystem gut aufgestellt sind und auch diese Pandemie zu bewältigen ist. „Aber natürlich fühlt es sich gerade komisch an. Wie die Ruhe vor dem Sturm oder eine große schwarze Wolke, die über uns hängt und von der wir wissen, dass es bald losregnet“, beschreibt Burow ihr Gefühl. Es gebe auch Pläne, wie Operationspflegekräfte schnell im intensivmedizinischen Bereich eingesetzt werden können, damit die personellen Kapazitäten zur Betreuung besonders schwerer Corona-Fälle ausreichten.

Die Welle der Solidarität, die sie und ihre Kollegen gerade erleben, rührt Burow an. „Ich fürchte nur, wenn das alles vorbei ist, sind auch wir wieder schnell vergessen.“ Den größten Wunsch, den die Sprendlingerin an ihre Mitmenschen hat, ist, sich an die wichtigen Regeln halten, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verzögern. „Ja, wir arbeiten jeden Tag gerne und tun alles dafür, dass Menschenleben gerettet werden. Aber wer nicht raus muss, soll bitte zu Hause bleiben!“ Auch sie würde sich in ihrer Freizeit gerne mit Freunden treffen und bei dem tollen Wetter im Eiscafé oder im Park sitzen. „Aber jetzt muss einfach mal Pause sein. Ich weiß, es fällt schwer. Aber je strenger wir damit sind, desto schneller geht es auch vorbei“, ist die Krankenschwester überzeugt.

VON NICOLE JOST

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