Angetrieben von Fernweh und Dank

Verein Mekedonia in Dreieich –  Mit über 80 immer noch im Einsatz für Hilfsbedürftige

Mit über 80 immer noch im Einsatz für Hilfsbedürftige: Bernhard Spengler sammelt unermüdlich Spenden. Foto: jost
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Mit über 80 immer noch im Einsatz für Hilfsbedürftige: Bernhard Spengler sammelt unermüdlich Spenden.

„Meine Energie treibt mich an, mein ewiges Fernweh und nicht zuletzt eine große Dankbarkeit für mein Leben, in dem ich so viel Positives erfahren durfte!“ Bernhard Spengler bringt sein ganz und gar nicht selbstverständliches Engagement mit diesem einfachen Satz auf den Punkt.

Dreieich – Der über 80 Jahre alte Götzenhainer bekommt noch immer glänzende Augen, wenn er von den Hilfsprojekten für Äthiopien spricht, erzählt mit ganzer Leidenschaft von Menschen, deren Leben er nachhaltig beeinflusst und verbessert hat. Er ist noch kein bisschen müde, weiter Spenden zu sammeln, Klinken zu putzen und die Koffer zu packen und im bevölkerungsreichsten Binnenstaat der Welt für die ärmsten der Armen für bessere Bedingungen zu kämpfen. 

Hilfe für Äthiopien: Verein Mekedonia arbeitet ehrenamtlich in Dreieich

Spengler ist seit vier Jahren ehrenamtlicher Botschafter des in Frankfurt beheimateten Vereins Mekedonia Deutschland, der in der Hauptstadt des afrikanischen Landes, in Addis Abeba, ein Heim für alte und geistig behinderte Menschen gebaut hat. Dort werden derzeit rund 1000 Hilfsbedürftige betreut, von denen rund 250 bettlägerig sind. „Sie werden im wahrsten Sinne von der Straße aufgelesen. Diese Menschen haben keine Lobby. Es ist eine Aufgabe wie die von Mutter Theresa. Ich fühle mich wie ein moderner Missionar“, so Spengler. Im Aufbau ist noch ein zweites Projekt, eine Grundschule für 250 Kinder, die kurz vor dem Start steht.

Bernhard Spengler ist die Nähe zu den Menschen wichtig. Um zu hören, was in Äthiopien gebraucht wird, fliegt er immer wieder nach Afrika. Da sind auch schon mal Süßigkeiten für die Jüngsten im Gepäck.

Bei allen großen Spendensammlungen nutzt der Dreieicher nicht nur seine alten beruflichen Kontakte, er ist auch in die Verladung der Fracht auf dem Seeweg in Kooperation mit der äthiopischen Botschaft in Berlin und einer äthiopischen Reederei involviert. „Wenn die Waren in Addis Abeba eintreffen, bin ich persönlich vor Ort. Erst im März bin ich aus Afrika zurückgekehrt und die nächsten zwei 40-Fuß-Container warten in Egelsbach schon auf die nächste Verschiffung“, erzählt der Mekedonia-Botschafter.

Mekedonia Dreieich: Der Verein sammelt Spenden und schickt sie nach Äthiopien

Die Schiffscontainer sind gefüllt mit Windeln für die bettlägerigen Heimbewohner, die Bundeswehr hat eine große Ladung Rollstühle gespendet, es wurden schon Notstromaggregate gespendet und Profi-Waschmaschinen mit kiloweise Waschmittel, deren Nutzung Spengler selbst in Äthiopien erklärt hat. Im zweiten Container stecken Schulmobiliar und alles, was eine Grundschule zum Arbeiten braucht, Stifte, Hefte, Tafeln, gestiftet von großen Unternehmen. „Unser Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe, damit wir nachhaltig für eine Verbesserung der Lebenssituation sorgen können“, betont Spengler.

Auch wenn er erst seit vier Jahren für Mekedonia im Einsatz ist, blickt der gelernte Hotel Consultant auf eine lange Tätigkeit als Entwicklungshelfer zurück. Selbst hat er in den besten Fünf-Sterne-Häusern in der Schweiz sein Handwerk gelernt und wurde im Hilton Hongkong zum Manager ausgebildet, später war er weltweit für die besten Hotelketten tätig. In den afrikanischen Ländern sah er dann die Not der Menschen. Voller Begeisterung und Faszination für die atemberaubenden Landschaften und die Menschen, die trotz Armut Lebensfreude und Gastfreundschaft versprühten, wollte er zur Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort beitragen. „Hemingway nannte es einst das Afrika-Fieber – das hat mich auch gepackt. Das ist etwas sehr Individuelles und etwas sehr Emotionales. Es ist mir ein tiefes Anliegen, den Menschen zu helfen.“

Unermüdliche Arbeit: Bernhard Spengler aus Dreieich arbeitet mit über 80 mit großem Engagement für Bedürftige

Was liegt da näher als sein Fachwissen an das junge Hotelpersonal weiterzugeben? Spengler gründete eine Hotelfachschule in Sambia, es folgten sechs weitere dieser Schulen, beispielsweise in Nairobi, Madagaskar, Kambodscha, aber auch in der Ukraine. Immer wieder war dieses Engagement mit großen Spendensammlungen verbunden: „Die Hotelfachschulen brauchten ja Ausstattung, dass die jungen Menschen üben konnten. Geschirr, Gläser, Bettwäsche, eben alles was man für die Gastronomie und das Housekeeping benötigt“, berichtet Spengler von seinem Engagement. „Mir halfen damals wie heute meine Kontakte. Ich habe auf Messen Hersteller angesprochen und ganz viele waren immer wieder bereit, zu helfen“, ist er dankbar für diese Unterstützung. 

Von Dreieich in die Welt: Spengler bringt Hilfe an viele Orte

Dabei galt sein Blick nicht nur dem Ausbau des Tourismus auf westliche Standards, er hat auch abseits davon geschaut, wo Menschen individuell Hilfe brauchen. So hat er eine Lepra-Station in Sambia aufgebaut und einem Mädchen in der Ukraine, das bei einem schweren Unfall einen Arm verloren hatte, den Aufenthalt in einer deutschen Klinik ermöglicht, damit sie eine Prothese erhält. Diese Energie, die Spengler antreibt, lodert noch immer in ihm. Unterstützung braucht er dennoch. Mekedonia Deutschland hat keine finanziellen Ressourcen und ist auf Spenden angewiesen. Wer die Arbeit des Götzenhainers unterstützen will, kann (gegen Spendenquittung) an den Verein überweisen: Mekedonia Deutschland, Commerzbank AG, IBAN DE0750040000 0335 9635 00.

Infos im Internet

mekedonia-germany.de

VON NICOLE JOST

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