Umstrittene Fahrbahnverengung

Kritik an Findlingen im Kurt-Schumacher-Ring: Kameras filmen Verkehrsgeschehen

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Aufreger im Sprendlinger Norden: Mit Findlingen hat die Stadt die Ein- und Ausfahrt in den Kurt-Schumacher-Ring verschmälert. Das sorgt für Proteste von Autofahrern. Auch Tankstellen-Pächter Udo Hammerl ist unzufrieden.

Vor der Tankstelle von Udo Hammerl stauen sich in den Stoßzeiten die Autos. Mehr Kunden bringt ihm das nach eigener Aussage nicht. Im Gegenteil: Hammerl klagt über einen Rückgang beim Umsatz und über Autofahrer, die sein Gelände als Umfahrung und Schleichweg nutzen.

Dreieich – Die Ursache liegt für ihn auf der Hand, respektive auf der Straße. Die Stadt hat im Einfahrtsbereich des Kurt-Schumacher-Rings Findlinge auf der Straße platziert, die eine Verengung der Fahrbahn zur Folge haben. Nicht nur dem Tankstellen-Pächter missfällt das, im Rathaus ist eine Reihe von Beschwerden aufgelaufen.

Zum Hintergrund: Die Stadt will das Entree in den Sprendlinger Norden verschönern und gleichzeitig die Verkehrssicherheit erhöhen. Dafür stehen noch Mittel aus dem Programm „Soziale Stadt“ zur Verfügung. Ein Verkehrsplanungsbüro aus Darmstadt hat sich Gedanken gemacht, wie das gelingen könnte. Die Idee: Bäume links und rechts sollen grüne Akzente setzen und gleichzeitig dafür sorgen, dass langsamer gefahren wird. Als dieser Ansatz in einer Infoveranstaltung vorgestellt wurde, kamen Bedenken aus den Reihen der Teilnehmer. Sie schlugen eine Testphase mit verengter Fahrbahn vor. Genau die läuft seit knapp zwei Wochen. Die Felsbrocken simulieren sozusagen das geplante Baumtor, wobei der Großteil drei Taxi-Parkplätze blockiert; dieser Raum fehlt dem Durchgangsverkehr also sonst auch.

„Wir haben uns bewusst für diese provisorische Variante entschieden, damit wir sehen, wie sich das entwickelt“, sagt Karin Eisenhauer. Die Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung spricht von knapp zwei Händen voll Beschwerden, die sie aus dem Kurt-Schumacher- und dem Sudetenring erreicht haben. Da sei mehrfach auch von einem Verkehrschaos die Rede gewesen. „Das haben wir aber bei unseren Kontrollen nicht feststellen können.“ Eisenhauer macht die Unzufriedenheit auch am fehlenden Gewöhnungseffekt fest. Denn: „Zwei Pkw passen locker aneinander vorbei, wenn sie sich begegnen.“ Bei Bussen oder Lastwagen sei dies nicht der Fall, aber deren Aufkommen halte sich dort in Grenzen, so Eisenhauer.

Um weitere Schlüsse ziehen zu können, hat die Stadt am Montag zwei Kameras installieren lassen. Sie zeichnen das Verkehrsgeschehen über 48 Stunden auf. Nach Auswertung der Aufnahmen werde man weitersehen, so Eisenhauer.

Udo Hammerl hält rein gar nichts von der Verengung und ist höchst unzufrieden. Seine Umsatzeinbußen in den vergangenen Tagen beziffert der Tankstellen-Betreiber auf 20 Prozent. Er habe zum Beispiel etliche Kunden aus Neu-Isenburg. „Wenn die im Berufsverkehr von der Nordspange aus den Stau auf der Frankfurter Straße sehen, fahren die nicht mehr zu mir rein.“ Der Einmündungsbereich in den Kurt-Schumacher-Ring sei schon immer ein Nadelöhr, aber nun habe sich die Lage noch einmal verschärft.

Hammerl ist aber nicht nur besorgt, weil er weniger Geld in der Kasse hat. Immer wieder benutzen Autofahrer sein Gelände, um dem Stau auszuweichen. Dabei schlängeln sie sich zwischen den Zapfsäulen durch. Andere nehmen einen Schleichweg, der an der Waschstraße vorbei in einen Garagenhof und in den Kurt-Schumacher-Ring führt. Alles nicht im Sinne des Erfinders, auch weil damit die Unfallgefahr steigt. Die von der Stadt ausgerufene Testphase endet in knapp zwei Wochen.

VON FRANK MAHN

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